Noch vor dem ersten Anstoß deutet sich an, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA (78 Spiele) und den Nebenschauplätzen Kanada und Mexiko (je 13) weniger ein Sportfest als ein politisches Gesamtkunstwerk wird. Der Hauptdarsteller, der sich zumindest laut Umfragen oft im Strafraum befindet, heißt Donald Trump.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Schon die Gruppenauslosung am Freitag in Washington, wo das ehrwürdige Kennedy-Center auf Trumps Geheiß die Kultur zugunsten des Fifa-Getöses verbannen musste, wird zum Trump-kompatiblen Spektakel. Die Pop-Rentner von den „Village People“, die seine Lieblingshymne „Y.M.C.A.“ singen, sind ebenso geladen wie sein bevorzugter Opern-Barde Andrea Bocelli; nicht zu vergessen Robbie Williams und Nicole Scherzinger. Sowie die Moderatoren Heidi Klum und der Komödiant Kevin Hart. Wird Trump Stars wie Erling Håland, Kylian Mbappé, Lionel Messi oder Vinicius Junior im nächsten Sommer in den Schatten stellen?
News aus den USA
Fußball-WM in den USA: Infantino will Trump Friedenspreis überreichen
Dass Weltfußballverbands-Präsident Gianni Infantino Trump einen eigens für ihn erfundenen Ersatz-Friedensnobelpreis überreichen will („für Trumps Einsatz um den globalen Dialog“), wird in Washington als Auftaktsignal dafür gesehen, dass die kommenden Monate eine Bühne für Macht, Mythos und MAGA-Marketing werden. Kritiker sprechen von einem „gekauften Orden“ vor der „America First-WM“.

Für den 79-Jährigen, der seit Januar Regierungspolitik mit der Blutgrätsche exerziert, kommt die Ehrung wie ein Elfmeter ohne Torwart. Die WM fällt in die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Eine Steilvorlage, die er mit schwerem Gerät bespielen will: Militär-Chöre, Flaggenmeere, „USA! USA!“-Choreografien auf Staatskosten. Das Weiße Haus plant „historische Fan-Zonen“, die eher an republikanische Parteitage erinnern könnten als an unbeschwerte Sportfeste mit globalem Publikum.
Trump wird, so befürchten oppositionelle Demokraten, die WM als patriotische Propaganda-Maschine nutzen. „Wir werden die größte, schönste, sicherste und amerikanischste Weltmeisterschaft aller Zeiten haben“, sagte er vor wenigen Tagen. „MAGA” in HD?
Experten erwarten zur WM verschärfte Sicherheitskontrollen in den USA
Erwartbar ist, sagen Trump-Vertraute, ein Dauerfeuer nationalistischer Botschaften: „America First“-Rhetorik in jedem Stadion. Inszenierte Verbrüderungsszenen mit Spielern des US-Teams. Tägliche Show-Auftritte, Selfies, spontane Reden, Versuche der Vereinnahmung Dritter – und mittendrin ein Präsident, der das Turnier als Beweis seiner globalen Größe verkaufen wird. Die WM würde damit wenige Monate vor den für ihn richtungsweisenden Zwischenwahlen im Kongress zum Wahlkampf auf Rasen. Zur Staatspropaganda im Mittelstürmer-Trikot. Der britische „Guardian“ prophezeit, dass die WM „in einem Ausmaß zur Verherrlichung eines Führers genutzt wird, wie es seit Benito Mussolinis Dominanz bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien nicht mehr gesehen wurde“.
Das größte Fragezeichen hängt über der Einreise. Erwartet werden laut Weißem Haus zwischen „fünf Millionen und sieben Millionen Gäste“. Sie müssen sich verschärften Sicherheitschecks unterziehen. Für Fans aus Südamerika, Afrika und dem Nahen Osten könnten die USA so zum WM-Fort Knox werden.
Als nicht unrealistisch gelten laut Experten: stundenlange Befragungen an Flughäfen. Ablehnungen, wenn Passbilder nicht eindeutig sind. Sonderkontrollen bei jungen Männern aus bestimmten muslimischen Regionen. Und Einreise-Verbote, etwa für iranische Fans.
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Fußball-WM in den USA: Kritiker fürchten „Klima der Angst“ für Fans aus Mexiko
Und dann ist da noch die Visums-Klippe. Andrew Giuliani, der Chef der WM-Taskforce der Regierung, weist zwar darauf hin, dass in vielen Ländern, die dem Visa-Zwang unterliegen, die Wartezeit bei der Beantragung deutlich gesenkt worden sei (Türkei: von 16 Monaten auf zwei). Aber Insider sagen, dass es für manche Gäste, die zwischen 60 und 6730 Dollar fürs Ticket hinlegen müssen, bei sieben verbleibenden Monaten eng wird.
Dazu kommt Trumps umstrittener Kampf gegen illegale Einwanderer. Mexiko-Fans etwa, traditionell zehntausendfach vertreten, könnten ausgerechnet an den Spielstätten in Kalifornien (Los Angeles und Santa Clara/Großraum San Francisco) und Texas (Dallas und Houston) an die ruppige Einwanderungspolizei ICE geraten, die laut Regierung „vor und in Stadien stichprobenartige Kontrollen“ durchführen soll. „Es könnte ein Klima der Angst drohen“, fürchten Trump-Kritiker, „denn ICE wird die WM wie ein Einsatzobjekt behandeln.“ Trumps WM-Sprecher Giuliani widerspricht da nicht: „Der Präsident schließt nichts aus, was Amerikaner sicherer macht.“
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Trump versteht nichts von Fußball – aber er kennt die Kameras
Die Vorstellung, dass vermummte Beamte in Fan-Zonen oder Hotels auftauchen und wahllos Ausweischecks durchführen, bereitet Verbänden weltweit Sorgen. Besonders die südamerikanischen Teams, deren Anhänger traditionell laut, bunt und oft informell reisen, befürchten Abschiebungen bei kleinsten Verstößen. Ein brasilianischer Funktionär sagt: „Wenn ICE wirklich in den Stadien auftaucht, ist das Turnier tot.“
Donald Trump versteht, trotz des jüngsten Besuchs von Cristiano Ronaldo im Oval Office, wenig von Fußball. Er kennt die Regeln nicht, verwechselt Teams, vergisst Namen. Aber er kennt die Kameras. Und er kennt die Wirkung der Masse. Er liebt Golf, weil ihm dort niemand widerspricht. Er liebt Wrestling, weil er dort sein archaisches „Brot und Spiele“-Verständnis aus dem alten Rom wiedererkennt. Er liebt Football, weil amerikanische Helden sich dort trotz Helmen die Hirne erschüttern. Was er nicht liebt, ist Kritik. Bei der Baseball-WM 2019 wurde er ausgebuht. Bei den Tennis-US Open ebenso. Seine Reaktion: „Diese Leute sind unpatriotisch.“ Ein Trump-Berater sagt: „Er will Applaus als Grundzustand der Demokratie.“
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Historiker warnen, dass Trump sportliche Groß-Events „magnetisch für seine Egomanie“ findet. Er will im Mittelpunkt stehen. Und er spürt, dass die WM ihm erstmals ein internationales Publikum liefert, das nicht fliehen kann.
Zur Fußball-WM in den USA fürchten Experten Anschläge und Übergriffe auf Migranten
Spätestens hier kommt der Sicherheits-Aspekt ins Spiel. Die USA sind bis an die Zähne bewaffnet. Allein 2023 gab es 655 „mass shootings“. Experten fürchten Anschläge extremistischer Einzelgänger. Politisch motivierte Gewalt gegen Teams bestimmter Länder. Übergriffe auf Migranten. Angriffe auf Fan-Feste.
Wir werden keine Troublemaker tolerieren
Andrew Giuliani, Chef der WM-Taskforce im Weißen Haus
Die Sicherheitszonen rund um Spiele in New York, Dallas, Atlanta und Los Angeles werden laut Heimatschutzministerium „beispiellos“ sein. Eine Milliarde Dollar hat die Regierung insgesamt bereitgestellt. Taskforce-Chef Giuliani gibt sich kompromisslos: „Wir werden keine Troublemaker tolerieren!”
Selbst Fifa-Sicherheitsleute sprechen von einer „WM unter Hochspannung“. Trump trägt weit vor dem Anpfiff dazu bei. Seine Drohung, demokratisch regierte Austragungsorte bei Zweifeln an der Sicherheit eventuell kurzfristig auszubooten, obwohl allein die Fifa für so einen logistischen Albtraum zuständig wäre, ist Schikane, wabert aber immer noch im Raum.
Ob der Fußball davon unbeschadet bleibt? Sicher scheint: Die Spiele mögen 90 Minuten dauern. Die Show, die Trump daraus macht – sie wird den ganzen Sommer füllen.











