Auf Patientinnen und Patienten in Deutschland und anderswo in Europa kommt eine bedeutende Änderung zu: Der Beipackzettel für Medikamente wird digital. Die Papier-Variante bleibt erst einmal erhalten, könnte in einigen Jahren aber ganz verschwinden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das sieht ein Beschluss von Unterhändlern des Europaparlaments, der EU-Mitgliedstaaten sowie der Europäischen Kommission vor. Sie verständigten sich in der Nacht zu Donnerstag auf eine umfassende Reform des Arzneimittelrechts. Die Digitalisierung der Packungsbeilage ist dabei ein Aspekt von vielen. Parlament und Mitgliedstaaten müssen den Kompromiss jetzt noch bestätigen, was aber als Formsache gilt. Die neuen Regeln werden voraussichtlich ab 2028 greifen.

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Konkret können die einzelnen Mitgliedstaaten künftig festlegen, in welcher Form eine Packungsbeilage mit dem Medikament verfügbar gemacht werden muss – allein in Papierform, allein elektronisch oder in beiden Formen. Für die reine Papier-Variante wird sich vermutlich kein Staat entscheiden.

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In der Praxis wird das bedeuten, dass auf Arzneimittel-Packungen künftig europaweit ein QR-Code zu finden sein wird. Patienten können dann mithilfe ihres Smartphones auf das digitale Informationsblatt zugreifen. Technisch soll das so ausgestaltet werden, dass man die Nutzer nicht identifizieren kann und auch keine Daten für Werbung oder Marketing anfallen. In jenen Ländern, in denen ausschließlich die elektronische Variante des Beipackzettels vorgeschrieben sein wird, sollen Patienten kostenlos einen Ausdruck in der Apotheke bekommen können. Den Pharma-Firmen ist es in diesen Ländern auch unbenommen, freiwillig einen klassischen Beipackzettel in die Packung zu stecken.

Arzneimittel in der Apotheke
Arzneimittel in einer Apotheke: Über Risiken und Nebenwirkungen soll man sich künftig leichter per Smartphone informieren können. © Daniel Reinhardt/dpa | Daniel Reinhardt

Digitaler Beipackzettel: EU-Abgeordneter sieht „riesigen Fortschritt“

Der deutsche EU-Parlamentarier und Arzt Peter Liese (CDU) sagte, er rechne er damit, dass viele EU-Mitgliedstaaten von sich aus das Ende des klassischen Beipackzettels besiegeln und allein auf die elektronische Variante setzen werden. Die Einigung der Unterhändler zur Packungsbeilage bewertete Liese als „riesigen Fortschritt“. Er ergänzte: „Erstens können wir alle dann, auch wenn wir uns im Ausland befinden, den Beipackzettel in unserer Sprache lesen. Zweitens ist es gerade für ältere Leute ein Vorteil, wenn man sich den Beipackzettel vorlesen lassen oder ihn vergrößern kann.“ Und wer überhaupt nicht mit einem Smartphone umgehen kann, werde in Zukunft weiter einen Zettel aus Papier bekommen. „Diese Gruppe wird allerdings nach meiner festen Überzeugung jedes Jahr kleiner werden“, betonte Liese.

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Die Digitalisierung des Beipackzettels hat nach Auffassung der EU-Institutionen auch noch weitere Vorteile: Es muss künftig viel weniger Papier bedruckt und verbraucht werden – zumal ohnehin nicht alle Patienten die Beilagen tatsächlich lesen und aufbewahren. Neben Reisenden können auch alle anderen Menschen, die die Sprache eines Landes nicht oder nur unzureichend beherrschen, in ihrer Muttersprache auf Informationen zu Medikamenten zugreifen – zum Beispiel Flüchtlinge oder Zuwanderer.

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Überdies soll das neue System einen Beitrag leisten zur Bekämpfung vorübergehender Arzneimittel-Knappheiten in Europa: Fehlen beispielweise in Deutschland Fiebersäfte oder Blutdruck-Senker, verhindern fremdsprachige Beipackzettel aus Papier, dass überschüssige Bestände aus anderen EU-Staaten hierzulande kurzfristig vermarktet werden können.