Jared Kushner ist zurück. Leiser als früher, weniger sichtbar. Aber mit spürbarer Macht. Der Schwiegersohn des US-Präsidenten, der schon während Trumps erster Amtszeit Golf-Prinzen umgarnte und als selbst ernannter Weltfriedenserfinder herumgereicht wurde, war nach 2021 eigentlich politisch weg vom Fenster.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Doch nun, Donald Trump sitzt wieder im Oval Office, taucht der Ehemann von Ivanka Trump erneut auf. In Gesprächen über Gaza. In Hintergrundrunden zu Russland und der Ukraine, wie am Montag in Berlin. In Sitzungen, bei denen es offiziell um „Wirtschaftsdiplomatie“ geht – und inoffiziell um geopolitische Baustellen, auf denen Trump seinem Schwiegersohn offenbar mehr vertraut als manchem Minister.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Trump-Schwiegersohn: Kushner will wieder Einfluss
Warum dieses Comeback? Erstens: Trump fühlt sich am wohlsten, wenn Familie um ihn ist. Loyalität ist seine Währung, und Kushner hat ihm einst in Krisen – real oder eingebildet – treu gedient.
Zweitens: Kushner bietet etwas, das Trump liebt: Zugang. Zu Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman. Zu Investoren aus dem Golf. Zu israelischen Unternehmernetzwerken. Zu Kapital, das weltweit Projekte ölt. Für einen Präsidenten, der Deals für Politik hält, ist Kushner damit eine Art „globale Kreditlinie im Anzug“.
Drittens: Kushner will wieder Einfluss. Und möglicherweise wieder Geld. Die Frage, die in Washington viele stellen: Wo verlaufen diesmal die Grenzen? Wird eine etwaige Freihandelszone in der Ukraine den Sohn des US-Botschafters in Paris reich machen?
Manche Republikaner fürchten, Kushner könnte erneut private und öffentliche Interessen vermischen
Kushner ist nicht einfach zurückgekehrt – er tut es mit einem Koffer voller Interessenkonflikte. Seine Investmentfirma Affinity Partners erhielt zwei Milliarden Dollar von Saudi-Arabiens Staatsfonds. Weitere Millionen flossen aus den Emiraten und Katar. Offiziell „für Projekte mit langfristiger wirtschaftlicher Vision“. Inoffiziell, sagen Kritiker: ein Dankeschön, ein Vorschuss, ein Türöffner.
Auch interessant
Dass Kushner nun wieder handfeste diplomatische Baustellen berät, sorgt Ethikern zufolge für ein toxisches Gemisch. „Ein Mann, der Milliarden von autoritären Regimen angenommen hat, darf keine US-Politik gegenüber genau diesen Regimen beeinflussen,“ sagt die frühere Ethikbeauftragte des Weißen Hauses, Virginia Canter.
Auch der konservative Ethik-Experte Walter Shaub nennt Kushners Rückkehr „eine Einladung zu weltweiten Interessenkonflikten“. Demokraten sprechen von einem „Schatten-Außenminister mit privaten Geschäftsinteressen“. Moderate Republikaner fürchten, Kushner könne in der Causa Ukraine – wie schon beim saudischen Investment – private und öffentliche Interessen vermischen.
Jared ist zurück, weil es sich lohnt.
US-Regierungsbeamter, anonym
Für Trump ist Kushner nützlich – und umgekehrt?
Im Umfeld Trumps heißt es dagegen, Kushner sei nur „gelegentlich beratend“ tätig. Die Sprachregelung glauben nur wenige. Denn auffällig oft bewegt sich Kushner an der Seite von Trumps inoffiziellem Mega-Verhandler Steve Witkoff, der mit Russen, Ukrainern und amerikanischen Milliardären die Zukunft Kiews skizziert. Kushner gilt im Weißen Haus als „Ventil“ zwischen Witkoffs Wirtschaftsprojekten und Trumps politischen Ambitionen.

Was treibt ihn an? Ein Regierungsbeamter sagt es lakonisch: „Jared ist zurück, weil es sich lohnt.“ Politisch. Finanziell. Und familiär. Für Trump ist Kushner nützlich. Für Kushner ist Trump ein Geschäftsmodell.
Für Amerikas Außenpolitik ist das vor allem eines: problematisch.









