Als am vergangenen Sonntag am berühmten Bondi Beach in Sydney Schüsse fielen und 15 Menschen sowie einer der Attentäter starben, begann parallel zur realen Tragödie eine digitale Katastrophe. Während sich Opfer und Augenzeugen noch in Sicherheit brachten, fluteten bereits die ersten Falschmeldungen die sozialen Medien – viele davon erstellt oder verstärkt durch Künstliche Intelligenz (KI).

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Hendrik Hoffmann, ein deutscher Backpacker, der vom Bondi Beach flüchten musste, erlebte das Informationschaos hautnah. Während er mit seiner Frau im Lockdown in einem Tattoo-Studio ausharrte, wurde er über Messenger-Dienste mit widersprüchlichen Nachrichten bombardiert: „Die ganze Zeit erreichten uns Fake-Informationen über soziale Medien und Whatsapp. Nach zehn Minuten hieß es: ‚Alles sicher.‘ Eine Minute später: ‚Doch nicht.‘ Dann Nachrichten über Schüsse in den Nachbarstadtteilen Double Bay und Coogee – alles nicht wahr“, berichtete er.
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Was Hoffmann erlebte, war nur der Anfang. Besonders perfide: Ein mit Deepfake-Technologie manipuliertes Video des Premierministers von New South Wales, Chris Minns, das falsche Behauptungen über die Angreifer verbreitete. KI-generierte Bilder zeigten eines der Opfer angeblich mit rotem Make-up statt echtem Blut – eine Darstellung als „Krisenschauspieler“, die der betroffene Menschenrechtsanwalt Arsen Ostrovsky noch aus der OP-Vorbereitung heraus in einem Post auf der Plattform X zurückweisen musste.
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Ein KI-generiertes Bild zeigte Schütze Naveed A. angeblich bei einem Treffen mit einem indischen Verteidigungsattaché auf den Philippinen – eine komplette Fälschung, wie Medienexperten von ABC News Verify nachwiesen. Gefälschte Facebook-Profile stellten den muslimischen Täter als jüdischen Mann namens „David Cohen“ dar, mit manipulierten Fotos in Kippa und bei einer Bar Mizwa. Diese antisemitischen Falschmeldungen wurden über zwei Millionen Mal aufgerufen, wie die ABC-Experten schreiben.
Fake News zu Bondi Beach: Google Trends als vermeintlicher Beweis
Verschwörungstheoretiker glaubten sogar, in Google-Suchdaten Beweise für eine Inszenierung gefunden zu haben. Jacques Raubenheimer, Biostatistik-Forscher an der University of Sydney, widerlegt diese Behauptungen in einer Analyse entschieden: Google Trends zeige manchmal Suchanfragen an, wenn tatsächlich keine stattgefunden haben, „aufgrund von statistischem Rauschen“.

Bei seltenen Suchbegriffen oder kleinen geografischen Regionen könne dies zu „isolierten großen Spitzen“ führen, die nichts mit der Realität zu tun hätten, schreibt er. Zudem gebe es weltweit mehrere Menschen mit dem Namen Naveed A., darunter einen pakistanischen Fußballer – Suchanfragen vor dem Angriff seien daher nicht überraschend.
Die realen Folgen der digitalen Lügen sind gravierend. Ein pakistanischer Mann, dessen Foto fälschlicherweise als das eines Täters verbreitet wurde, bezeichnete die Erfahrung im Interview mit dem „Guardian“ als „extrem verstörend“ und traumatisierend.
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Auch der syrischstämmige Held Ahmed al-Ahmed, der einen der Schützen bekämpfte und entwaffnete, wurde Opfer von Desinformation: Der KI-Chatbot von X, Grok, behauptete, ein IT-Mitarbeiter mit englischem Namen sei der wahre Held gewesen – basierend auf Informationen einer Website, die erst am Tag des Angriffs erstellt wurde, um eine Nachrichtenseite zu imitieren.







