In Mae La sind Zeiten angebrochen, die noch dunkler sind als die vorigen. In der bergigen Gegend im Westen Thailands, nahe der Grenze zu Myanmar, leben um die 40.000 Menschen in oft kleinen Hütten zwischen Stacheldraht, und dies schon seit 40 Jahren. Aber seit kurzem ist die Lage lebensbedrohlich. Mit Anfang 2026 erhalten viele hier keinen Reis mehr. Für diverse medizinische Behandlungen müssen sie selbst zahlen – von Geld, das sie nicht haben werden. Denn auch Jobs gehen verloren. Warum all das?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Mae La, eins von neun Flüchtlingscamps nahe Thailands Grenze zum krisengebeutelten Nachbarland Myanmar, wo sich insgesamt um die 100.000 Geflüchtete aufhalten, leidet unter der Abwicklung von USAID, der Ex-Entwicklungshilfeagentur der USA, die US-Präsident Donald Trump mit seiner „America First“-Politik für überflüssig erklärt hat. Seit Monaten gehen Zahlungen in Camps wie Mae La, wo bisher rund 80 Prozent der Entwicklungshilfe aus den USA kam, zurück. Und längst ist klar: Die Sache ist tödlich.
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„Als ich das Camp letzten Monat besuchte, erzählten mir Massa und Naw Cindy, zwei Frauen um die 70, dass sie nicht mehr schlafen können, aus Sorge um ihre Kinder“, berichtet die koreanische Reporterin Claire Ham. Nicht nur fehlen fortan Reis und Medizin. „Als wäre das nicht genug, werden ihre Kinder, die im Projekt einer NGO vor Ort angestellt gewesen sind, ihre Jobs verlieren.“ Parallel ausgegebene Arbeitserlaubnisse durch die thailändische Regierung dürften nur einem Teil der Menschen hier helfen.

In Thailands Nachbarland Myanmar, das seit einem Militärputsch 2021 unter einem Bürgerkrieg leidet und akut auf Hilfszahlungen angewiesen ist, sieht die Lage nicht besser aus.
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Der Tod eines Jungen in einem Camp in Rakhine, wo die massiv diskriminierte Gruppe der Rohingya lebt, machte schon vor Monaten Schlagzeilen. Dessen Vater Mohammed Taher hat gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärt: „Ich habe ihn durch die US-Kürzungen verloren. Und noch viele weitere Kinder sind gestorben.“
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Während der konkrete Tod des Kindes schwer zu ergründen scheint, ist das größere Bild deutlich. Die NGO Oxfam schätzt, dass die US-Kürzungen zu weltweit drei Millionen vermeidbaren Todesfällen führen, 23 Millionen Kinder von Bildung ausschließen und 95 Millionen Zugang zu Gesundheitsversorgung versperren. Laut Atul Gawande, Medizinprofessor an der US-Universität Harvard, hat Trumps Beschluss bereits jetzt „zu Hunderttausenden Toden durch Infektionskrankheiten und Mangelernährung geführt.“
Für die Trump-Regierung, die an anderer Stelle kriegsähnliche Attacken auf Staaten fährt, demokratische Strukturen angreift und immer wieder mit Rassismus auffällt, könnte die Abwicklung der Entwicklungshilfe als moralischer Tiefpunkt in die Geschichte eingehen. Zumal sein Außenminister Marco Rubio erklärt hat: „Niemand ist gestorben“, und: „Unter meiner Aufsicht sterben keine Kinder.“ Ob diese Behauptung eine Lüge ist oder auf Unwissen beruht, ist Spekulation. Dass sie der Wahrheit widerspricht, ist zweifellos.
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In Vietnam fallen Entschädigungen für Einsatz von Agent Orange weg
Dabei fallen nicht nur die USA mit einer neuen Knauserigkeit auf. Als global größte Volkswirtschaft waren sie bisher die weltweit größte Geberin von Entwicklungsgeldern, trotz eines schon zuvor eher niedrigen Anteils an ihrer Wirtschaftskraft. Aber auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz würde das Entwicklungshilfeministerium gern abschaffen, hat zunächst deutliche Kürzungen durchgesetzt. Seine Koalitionspartnerin SPD arbeitet dagegen, die rechte Oppositionspartei AfD teilt Merz‘ Vorstellungen.
Die Folgen solcher Kürzungen – bisher akut jene der USA – sind in vielen Ländern der Welt sichtbar. In Vietnam, gegen die die USA bis in die 1970er Jahre einen brutalen Krieg führten, fallen fortan Zahlungen als Entschädigung für den damaligen Einsatz des Giftmittels Agent Orange weg. International haben es Exilmedien, etwa solche für Geflüchtete aus Russland oder Iran, fortan schwer, ihre Arbeit aufrechtzuerhalten. In Afrika fehlt umso mehr Geld für Nahrung und Mittel gegen Infektionskrankheiten.
Die Liste ließe sich noch lange fortführen, Lösungen sind nicht in Sicht. „Wir arbeiten intensiv daran, zusätzliche Finanzmittel zu sichern“, sagt Maximilian Morch von der NGO The Border Consortium, die sich in den Camps in Thailands Westen engagiert. „Die bisher gesicherten Mittel reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die monatlich benötigten rund 1,3 Millionen US-Dollar für die Versorgung von über 100.000 Flüchtlingen mit Nahrungsmitteln und Brennstoff zum Kochen zu ermitteln.“

USA wollen wieder Hilfszahlungen leisten – doch es gibt einen Haken
Unterdessen hat die US-Regierung Ende Dezember doch einen vermeintlichen Schritt in Richtung Wiederbelebung von Hilfszahlungen getan. Gegenüber den Vereinten Nationen erklärte US-Regierungsvertreter Jeremy Lewin, die USA seien bereit, zwei Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe bereitzustellen, allerdings mit dem Zusatz: „Passt euch an oder sterbt.“ Das Geld, das weniger als ein Achtel voriger US-Zahlungen beträgt, dürfe nicht gegen den Klimawandel eingesetzt werden. Dies wäre „gegen US-Interessen“.
US-Präsident Trump streitet den menschengemachten Klimawandel ab – von dem wissenschaftlich nicht nur erwiesen ist, dass er existiert, sondern auch, dass er tödliche Folgen hat. Und dass die USA, neben westlichen Ländern, zu den größten Verursachern zählen.






