Was hat er nun gesagt? Will Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, missliebige Medien zensieren oder gar verbieten? Wer ihm bei „Markus Lanz“ genau zuhörte (Hand aufs Herz, auch ich als Gast der Sendung musste es nachhören), der versteht: Das war kein Angriff auf die Pressefreiheit. Verbieten will Günther, dass Kinder unter 16 Jahren Hass und Hetze in Social Media ausgesetzt sind – was in Teilen der Welt schon Gesetz ist, was viele Politiker fordern und was viele Silicon-Valley-Manager ihren Kids heimlich vorschreiben.

Wichtiger ist: Günther drückte sein Unbehagen über die Zustände der Medienwelt aus, und den Mut würde man sich öfter wünschen. Es gibt Hetzportale, denen nicht an Aufklärung liegt, sondern an oft faktenfreier Stimmungsmache. Politiker und auch wir Qualitätsmedien lassen uns zu oft davon treiben. Im Regierungsviertel grassiert die Angst vor Social-Media-Kampagnen, vor dem einen falschen Wort in einer Talkshow, das die digitalen Wutbürger mobilisiert.
Günthers Forderungen bei Lanz: Endlich traut sich einer
Warum wohl wirken Politiker wie Ricarda Lang oder Armin Laschet nach Amtsende so befreit? Endlich traut sich mit Günther ein Spitzenpolitiker, den Druck anzusprechen und zum zivilen Widerstand zu ermutigen.

Schade nur, dass Günther im TV-Studio auch Mist baute. Auf die Frage nach Zensur „Ja!“ zu sagen, ehe klar ist, dass er Social-Media-Verbote meint, ist in Zeiten digitaler Erregung eine Torheit. Auch arbeiten beim Portal „Nius“ keine „Feinde der Demokratie“ – hier üben Kollegen ihre Pressefreiheit aus, so ungern wir Qualitätsmedien das sagen. Und hier liegt unsere Aufgabe: Wir müssen viel besser sein als die Krawallportale. Damit es sie nicht braucht.



