Der Leichnam der letzten Geisel der Hamas im Gazastreifen ist nach Angaben der israelischen Armee identifiziert und nach Israel gebracht worden. Die Armee teilte am Montag mit, Militärvertreter hätten die Familie von Ran Gvili darüber informiert, dass ihr Angehöriger „formal identifiziert und für die Beisetzung in die Heimat gebracht wurde“. Damit seien jetzt alle Geiseln der radikalislamischen Hamas zurückgeführt worden.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Schon seit mehreren Wochen hatten sich die Hinweise verdichtet, wo sich die sterblichen Überreste Gvilis befinden. Die aktuelle Suche konzentrierte sich auf die Gegend zwischen Shujaiya und Daraj-Tuffah und war seit dem Wochenende im Gange. Es geht offenbar um einen islamischen Friedhof im Bereich der gelben Linie, die das israelisch kontrollierte Gebiet von jenen Gebieten trennt, die von der Hamas kontrolliert werden.

Israel: Armee setzt Rabbiner und Zahnmediziner bei riskanten Ausgrabungen ein
An den Ausgrabungen beteiligen sich laut einem gut informierten Armeevertreter nicht nur Sondereinheiten der Armee, sondern auch Rabbiner und Zahnmediziner. Für die Identifikation vor Ort kommen demnach auch mobile Röntgengeräte zum Einsatz.
Wegen der Nähe zu den von der Hamas kontrollierten Gebieten wird der Einsatz als riskant eingeschätzt. Ein Armeevertreter betont, dass die Soldaten derzeit jedoch vor allem östlich der gelben Linie operieren.
Aktuelle News aus dem Nahen Osten
Familie Gvili hofft weiter auf Gewissheit
Ran Gvili hatte sich in den Morgenstunden des 7. Oktober 2023 im Krankenstand befunden und sich freiwillig in den Dienst gestellt, um sich dem Kampf gegen die eindringenden Hamas-Terroristen im Süden Israels entgegenzustellen. Im Kampf zur Verteidigung des Kibbuz Alumim wurde der Soldat einen Tag vor seinem 25. Geburtstag tödlich verwundet und von den Terroristen nach Gaza verschleppt.
Für die Familie Gvilis wäre die Rückkehr der langersehnte Schlusspunkt einer langen Ungewissheit. Itzik Gvili, Rans Vater, spricht von seinem Sohn bis zum heutigen Tag nur in der Gegenwartsform. „Solange ich seinen Leichnam nicht gesehen habe, spreche ich nicht in der Vergangenheit über ihn“, sagte er. Auch falle es ihm schwer, Beileidsbekundungen zu akzeptieren. Sein Sohn sei so lange am Leben, bis er bestattet sei.

Waffenruhe gefährdet: Israel knüpft Rafah-Öffnung an Rückgabe von Geisel
Die Rückkehr Gvilis wäre nicht nur der Beginn des Trauerprozesses für seine Angehörigen. Es wäre auch ein signifikanter Durchbruch für die israelische Armee. Seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober 2025 suchen Armee und Geheimdienste nach Hinweisen auf das Verbleiben Gvilis.
Die letzte in Gaza verbleibende Geisel steht im Zentrum eines Streits, der die Waffenruhe gefährdete: Israel hatte sich im Rahmen des 20-Punkte-Plans von US-Präsident Donald Trump dazu verpflichtet, den Rafah-Grenzübergang im Süden des Gazastreifens zu öffnen. Der Grenzübergang nach Ägypten wäre eine wichtige Einfuhrstelle für humanitäre Hilfe, aber auch ein Passierpunkt für die vielen palästinensischen Kriegsflüchtlinge, die sich immer noch in Ägypten aufhalten.
Auch interessant
Israel hatte die Öffnung von Rafah jedoch an die Übergabe des Leichnams von Ran Gvili geknüpft. Die Hamas müsse alles tun, um den israelischen Truppen bei der Auffindung des Leichnams beizustehen.
Das ist nun offenbar geschehen: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellte die Öffnung von Rafah in Aussicht, schon in den kommenden Tagen könnte es passieren. Der Grenzübergang werde jedoch nur für den Transit von Menschen geöffnet – nicht jedoch für humanitäre Güter.








