Ein verheerender Stromausfall erschütterte Anfang Januar den Berliner Südwesten: Durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Steglitz-Zehlendorf waren über 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe teils tagelang ohne Strom, Heizung und Internet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Jetzt setzen die Behörden auf die Mithilfe der Öffentlichkeit: Der Bund hat eine Summe von einer Million Euro als Belohnung für Hinweise ausgelobt, die zur Klärung des Vorfalls führen. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bestätigte den Schritt in einer Sitzung des Innenausschusses am Montag. Laut Spranger handele es sich um einen „einmaligen Vorgang“, da derartige Belohnungen in dieser Größenordnung selten seien. Die Auslobung ist befristet bis zum 24. Februar.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) unterstrich die Bedeutung der ausgelobten Belohnung. Er sprach auf der Plattform X von einem unmissverständlichen Signal. Der Rechtsstaat setze bei der Ergreifung der mutmaßlich linksterroristischen Täter höchste Priorität. „Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, gefährdet bewusst Menschenleben“, schreibt der Politiker. „Unsere Behörden ermitteln mit aller Konsequenz und unter Hochdruck, um die Täter festzunehmen und sie mit voller Härte des Gesetzes zur Verantwortung zu ziehen.“
Berlin rüstet Stromnetz nach Anschlag mit mehr Sicherheit auf
Auf Landesebene geht derweil die Aufarbeitung des Vorfalls weiter. Man hätte vieles besser machen können, räumte Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) am Montag ein. Am Ende habe jedoch alles funktioniert. „Die Bürger sind auch ein bisschen stolz, dass sie das gemeistert haben“, sagte Schellenberg. „Mit Bombenfunden, Großbränden und mit Löwen kommen wir gut zurecht, aber hier hatten wir eine völlig andere Situation.“
Das Stromnetz Berlins, das zwar nur zu einem Prozent überirdisch verläuft, wird derweil intensiver geschützt. Erik Landeck, Geschäftsführer der landeseigenen Stromnetz GmbH, sprach unter anderem von einem 24/7-Sicherheitsdienst, und der Installation von Video- und Sensortechnik. Der Anschlag sei ein „Lehrstück“ gewesen.
Vulkangruppe: Ermittler sehen Zusammenhang mit Sabotageakten seit 2011
Die Ermittlungen laufen inzwischen unter Leitung des Generalbundesanwalts, wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Ein Bekennerschreiben der linksanarchistischen „Vulkangruppe“ wird von Polizei und Verfassungsschutz als authentisch bewertet.
Nach Informationen des Verfassungsschutzes sind dieser sogenannten „Vulkangruppen“ seit 2011 mehrere Brandanschläge in Berlin und Brandenburg zuzuschreiben; darunter Angriffe auf Bahnkabelschächte, Funkmasten und zuletzt die Stromversorgung des Tesla-Werkes in Grünheide.
Bund setzt Millionen-Belohnung für Aufklärung von Brandanschlag aus
Der jüngste Anschlag zeigt indes langfristige Folgen: Zwar gelang es, die Versorgung schneller wiederherzustellen als zunächst geplant, doch sind die Reparaturen an der geschädigten Infrastruktur noch immer nur provisorisch. Wochen oder gar Monate könnten vergehen, bis alle Schäden behoben sind.
Gleichzeitig fehlt den Ermittlern offenbar jede konkrete Spur zu den Tätern – ein Umstand, den Regierungskreise in der Entscheidung zur hohen Belohnung von einer Million Euro sehen.




