Als Stella Carlson am Samstagmorgen ihr Haus verließ, ahnte sie noch nicht, dass sie wenige Stunden später zu der Frau werden würde, die in Minneapolis (USA) den Tod von Alex Pretti filmt und damit nicht nur zur wichtigsten Zeugin, sondern auch für das wohl wichtigste Beweismittel beim brutalen Vorgehen der ICE-Agenten sorgen würde. Im Interview mit „CNN“ hat sie indessen ausführlich erzählt, wie sie den Mord an Pretti und das Vorgehen der US-Bundesbeamten erlebt hat.
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Eigentlich sollte es ein ruhiger, fast schon besinnlicher Morgen werden. In der Kirche wollte Carlson Kindergesichter anmalen, ihren Beitrag leisten zu ein wenig Normalität in der Stadt, in der spätestens seit dem Tod von Renee Good am 7. Januar 2026 nichts mehr normal ist. „Ich weiß, jedes Mal, wenn ich mein Auto oder mein Haus verlasse und mir die Pfeife um den Hals hänge, bin ich mir des Risikos bewusst – dank Renee Good“, sagte Carlson gegenüber „CNN“. „Ich denke, wir alle wussten nach diesem Vorfall, dass es jetzt so weit ist und es jeden von uns treffen könnte.“
Prominente rufen zu Widerstand gegen ICE und Trump-Regierung auf
Zeugin sieht in Minneapolis, wie Alex Pretti kurz vor seinem Tod den Verkehr regelt
Als sie an diesem Samstag auf dem Weg zur Kirche war, hörte sie in ihrem Auto schon von Weitem Pfiffe. Carlson wusste sofort, dass das heißt, die US-Einwanderungsbehörde sorgt wieder für Unruhen in ihrer Stadt. Als sie die Nicollet Avenue, jene Straße, an der Pretti kurze Zeit später getötet wurde, entlangfuhr, sah sie zunächst eine Schlägerei. Und den 37-jährigen Pretti, der ihren Angaben nach den Verkehr regelte.
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Carlson stieg aus ihrem Auto und begann, ein Video aufzunehmen. Sie filmte Pretti dabei, wie er einer Frau half, die von ICE-Agenten zu Boden gestoßen wurde. Dann ging alles rasend schnell. Carlsons Video, das mittlerweile von mehreren US-Medien verifiziert wurde, widerlegt zahlreiche Angaben der US-Bundesbehörden. Es zeigt, dass Pretti, entgegen der Behauptung von Heimatschutzministerin Kristi Noem, seine Waffe nie gezogen hatte. Es zeigt, dass sich Pretti den ICE-Beamten nicht absichtlich näherte oder drohte, sie zu ermorden. Das behauptete unter anderem Trump-Berater Stephen Miller, der inzwischen aber zurückgerudert ist und von einem „möglichen Fehlverhalten“ der Bundesbeamten spricht.
Das Video zeigt auch, dass ein ICE-Agent Pretti dessen Waffe abnahm, bevor er zu Boden gedrückt und schließlich erschossen wurde. .„Ich erinnere mich, wie er den Rücken durchbog und den Kopf nach hinten warf“, sagte Carlson gegenüber „CNN“. Sie selbst ahnte sofort, dass er nicht überleben würde. „Ich wusste, dass er tot war, weil ich es mit angesehen hatte“, sagte sie. „Und dann kamen sie herüber, um irgendeine Art von medizinischer Hilfe zu leisten, indem sie seine Kleidung mit einer Schere aufrissen und seinen Körper wie eine Stoffpuppe herummanövrierten, nur um dann festzustellen, dass sie vielleicht die Einschusslöcher zählen wollten, um zu sehen, wie viele es waren, als wäre er ein Reh.“
Mutige Zeugin sorgt für das wichtigste Beweismittel in Minneapolis
Weil Carlson weiter filmte und dabei großen Mut bewies, gibt es nun mindestens ein Beweismittel, gegen das selbst Donald Trump mit seinen Aussagen kaum ankommt. „Ohne die gemeinsamen Aktionen der letzten drei Wochen weiß ich nicht, ob ich so lange durchgehalten hätte“, sagte Carlson in dem Interview. „Aber ich wusste, dass dies ein entscheidender Moment war, und wir alle müssen mutig sein und Risiken eingehen. Wir alle werden Momente bekommen, in denen wir diese Entscheidung treffen müssen.“
Carlson wurde nach eigenen Angaben noch immer nicht von US-Bundesbehörden als Zeugin vernommen (Stand: Dienstag). Kurz nach der Schießerei schilderte sie in einer eidesstattlichen Erklärung ihre Beobachtungen.




















