Die Veröffentlichung von Millionen Seiten an Akten, Dateien und Dokumenten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium bringt immer mehr Prominente in Bedrängnis. Die Auswertung dürfte noch Wochen, vielleicht sogar Monate in Anspruch nehmen. Doch ein Videointerview mit dem 2019 in Haft verstorbenen Epstein gehört schon jetzt zu den bizarrsten Funden in diesem Konvolut des Grauens.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Es handelt sich um ein rund zweistündiges Gespräch mit Epstein, das ausgerechnet der rechtsextreme Journalist und ehemalige Trump-Chefstratege Steve Bannon mit ihm geführt hat. Entstanden ist es nach Auskunft von Epsteins Bruder Mark 2019 in Epsteins New Yorker Wohnung. Es sollte Teil einer „wohlwollenden Dokumentation“ über Epstein sein, mit der Bannon den Ruf des Milliardärs wiederherstellen wollte. Epstein war bereits 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis.
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Das Leid seiner Opfer interessiert Epstein an keiner Stelle
Bannons Videointerview, das in einigen US-Medien veröffentlicht wurde, dürfte eines der letzten Bewegtbilddokumente von Epstein sein. Bannon soll über noch weit mehr Material verfügen als nur die zwei Stunden. Das Interview entstand wahrscheinlich im Zeitraum von zwei Tagen, denn Epstein ist nicht einheitlich gekleidet.
Bemerkenswert ist, wie sich Epstein in dem Interview inszeniert und wie kalt er über das Leid seiner Opfer hinweggeht. Empathie oder gar Reue zeigt der Milliardär nicht. Im Gegenteil: Seine Antworten auf Bannons Fragen zeigen, dass er sich als Ausnahmemensch sieht, für den keine moralischen Verpflichtungen gelten. Als Bannon mehrfach nachfragt, ob Epstein darüber nachgedacht habe, warum er im Gefängnis gelandet sei, antwortet dieser: „Nein, das würde wahrscheinlich bedeuten, dass ich zu selbstreflektiert wäre.“ Bannon reagiert überrascht und hakt nach: „Das können Sie mir unmöglich erzählen.“ Epstein antwortet: „Ich weiß. Ich glaube es selbst nicht.“ Schließlich erklärt Epstein geradezu unbeteiligt: „Ich würde einfach sagen: Wie seltsam, dass das passiert.“

Epstein: „Der Teufel macht mir Angst“
Als Bannon Epstein im Gespräch einmal als „Straftäter dritten Grades“ (gemäß der Einteilung in Kategorien nach Schweregrad) bezeichnet, geht Epstein dazwischen. „Nein, ich bin der Niedrigste.“, sagt er und spielt offenbar darauf an, dass für ihn der niedrigste Schweregrad gelten sollte. Auf Bannons anschließende Feststellung „Aber ein Verbrecher?“ antwortet Epstein schlicht: „Ja.“ Auf inhaltlicher Ebene will sich Epstein in keiner Minute des Gesprächs mit seinen Verfehlungen und deren Folgen für die Opfer auseinandersetzen.
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Besonders bizarr wird das Gespräch gegen Ende. „Glauben Sie, dass Sie selbst der Teufel sind?“, fragt Bannon. „Nein, aber ich habe einen guten Spiegel“, antwortet Epstein und fragt: „Warum sagen Sie das?“ Bannon antwortet: „Weil Sie alle Eigenschaften haben. Sie sind unglaublich klug.“ Epstein erwidert überrascht: „Der Teufel ist klug?“ „Der Teufel ist brillant“, sagt Bannon. „Nein“, sagt Epstein. „Der Teufel macht mir Angst.“ Wenige Augenblicke später endet die Aufnahme des Gesprächs abrupt.
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