Als Außenkanzler läuft Friedrich Merz zur Hochform auf: Der Regierungschef hat in einer wuchtigen Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz klar wie nie die Konsequenzen des US-Kurswechsels unter Donald Trump ausgemalt: Die alte internationale Ordnung ist tot, der Führungsanspruch der USA verspielt. Europa muss sich schnell aus der Abhängigkeit von den USA lösen und zu einer globalen Macht werden. Erstmals rüttelt Merz dabei auch am Tabu der atomaren Abschreckung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Noch ist unklar, ob Deutschland und andere EU-Staaten mit unter den französischen und britischen Atomschutz schlüpfen können. Im Idealfall wäre das nur eine Ergänzung des nuklearen Schutzschirms der USA. Aber die öffentliche Ankündigung markiert, wie sehr das Vertrauen in die amerikanischen Sicherheitsgarantien gelitten hat. Schon weil die Europäer nicht von heute auf morgen auf alle Beistandszusagen der USA verzichten können, wäre es aber unklug, jetzt alle Brücken abzureißen.

Merz verband seine Enttäuschung über Trump mit dem selbstbewussten Angebot einer neuen transatlantischen Partnerschaft. Ob Trump darauf eingeht, ist unklar. Ungewiss ist aber auch, ob der Kanzler-Rede die notwendigen Taten folgen: Gebraucht wird auf dem Kontinent nicht nur eine Aufrüstung im Eiltempo, sondern auch ein Programm gegen die gefährliche Wachstumsschwäche und den technologischen Rückstand Europas, während die Handlungsblockaden in der Außenpolitik abgeräumt werden müssen.
Bisher wird viel geredet, aber wenig erreicht. Doch nur wenn Europa schnell den großen Sprung nach vorn schafft, lassen sich die Ambitionen des Kanzlers verwirklichen. Möglich ist das, sicher ist es nicht.





