Zuletzt hatten sich die Vorzeichen auf einen Militärschlag gegen Iran massiv verdichtet. US-Präsident Donald Trump zeigte sich „nicht glücklich“ über die letzte iranisch-amerikanische Verhandlungsrunde. Mehrere westliche Regierungen zogen ihr diplomatisches Personal aus Israel und Iran ab. Das deutsche Außenministerium warnte vor Reisen nach Israel. Nun haben die USA und Israel ihre Drohungen wahr gemacht und Iran attackiert.
Was ist passiert?
In der Nacht zum Samstag haben Israel und die USA massive Luft- und Raketenangriffe auf Iran gestartet. Explosionsgeräusche waren neben der Hauptstadt Teheran auch in Ghom, Lorestan, Kermanschah, Karadsch und Tabris zu hören.
Die „New York Times“ berichtete, Israel lege den Schwerpunkt seiner Angriffe auf Raketenlagerstätten, Produktionsanlagen und Abschussvorrichtungen. Die Armee habe „hunderte iranische Militärziele“ angegriffen, teilten die israelischen Streitkräfte mit.
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Bei einem Raketenangriff im Süden Irans sind nach iranischen Angaben mindestens 24 Schülerinnen ums Leben gekommen. Getroffen worden sei eine Grundschule für Mädchen in der Provinz Hormusgan, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. In Hormusgan liegen mehrere Marinestützpunkte der iranischen Streitkräfte. In Iran wurde das Internet wieder massiv eingeschränkt. Es gab Medienberichten zufolge parallel zu den Militärangriffen auch landesweit Cyberangriffe auf iranische Infrastruktur.
Nach Augenzeugenberichten aus Teheran wurde unter anderem die Residenz von Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei getroffen. Er selbst habe sich aber in Sicherheit gebracht, meldeten Staatsmedien. Nach Angaben staatlicher iranischer Medien sind weitere wichtige Führungsfiguren des Regimes am Leben. Wohlauf seien neben Präsident Massud Peseschkian auch Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sowie der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani. Auch Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi befinde sich in Sicherheit.

Israel hat nach Mitteilung des Militärs versucht, gezielt Vertreter der Führung in Teheran anzugreifen. Am Morgen seien gleichzeitig mehrere Orte in der Hauptstadt attackiert worden, erklärte die israelische Armee. Dort hätten sich „hochrangige Vertreter der politischen und sicherheitspolitischen Führung Irans versammelt“. Die Armee habe sich mit Unterstützung des Militärgeheimdienstes monatelang vorbereitet, hieß es weiter. Es sei darum gegangen, „den operativen Moment zu identifizieren, in dem sich führende Repräsentanten des Regimes versammeln“.

In der Millionenmetropole Teheran bildeten sich nach den Angriffen durch Israel und die USA lange Schlangen an den Tankstellen. Massen versuchten, die Hauptstadt zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Läden waren vielerorts geschlossen. Die Angriffe erfolgen inmitten neuer Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über Irans umstrittenes Atomprogramm verhandelt, ehe Israel den Iran angriff. Die USA schlossen sich den Luftangriffen an und bombardierten zentrale Atomanlagen
Wie rechtfertigte US-Präsident Donald Trump die Attacken?
Ziel sei es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem man die unmittelbare Bedrohung durch die iranische Führung beseitige, sagte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social. Er zielte dabei auf das iranische Nuklearprogramm und die potenzielle Fähigkeit des Landes ab, eine Atombombe zu bauen. US-Außenminister Marco Rubio verwies auch auf die Gefahr, dass Iran „eines Tages“ Langstreckenraketen fertigen könne, die Amerika erreichen könnten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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US-Streitkräfte führten einen „massiven und andauernden Einsatz durch“, um zu verhindern, dass durch diese „radikale Diktatur“ die nationalen Sicherheitsinteressen der USA bedroht würden, erklärte Trump. Er kündigte an, die Raketen und Marine Irans zu vernichten. Man werde sicherstellen, dass der Iran keine Atomwaffe haben werde. Die iranische Führung werde bald lernen, dass man die Stärke der US-Streitkräfte nie herausfordern sollte. Trump forderte die Revolutionsgarden, iranischen Streitkräfte und Polizeikräfte zudem auf, ihre Waffen niederzulegen. Er stellte in diesem Falle vollständige Immunität in Aussicht. Andernfalls würden sie einem sicheren Tod entgegensehen.
Trump hatte zuvor von Iran den totalen Verzicht auf Urananreicherung gefordert – wenn das Metall zu 90 Prozent angereichert ist, könnten damit Atombomben hergestellt werden. Vor dem Zwölftagekrieg im Juni 2025 verfügte Iran über mehr als 400 Kilogramm von zu 60 Prozent angereichertem Uran. Teheran lehnte den vollständigen Abbau seiner Urananreicherungsanlagen ab. Iran bot aber in den Verhandlungen mit den USA offenbar an, die Urananreicherung um drei bis fünf Jahre auszusetzen und das Metall nur ganz minimal für medizinische Forschungszwecke anzureichern. Nach den drei bis fünf Jahren wollte die Islamische Republik unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde an einem internationalen Konsortium zur Urananreicherung teilnehmen.
Darüber hinaus hatte Trump auf eine Einschränkung des iranischen Raketenprogramms gedrängt. Teheran lehnte dies ab, weil das Land damit seine einzige Abschreckungs- und Verteidigungsmöglichkeit im Falle eines Angriffs verliere. Auch die Trump-Forderung, die Unterstützung für regionale Verbündete wie Hisbollah und Hamas einzustellen, wies Iran zurück.
Strebt Trump „Regime Change“ in Iran an?
Offensichtlich ja. An das iranische Volk gewandt, sagte Trump: „Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen.“ Die Menschen sollten in Sicherheit bleiben und ihre Häuser nicht verlassen. „Das wird wahrscheinlich für Generationen eure einzige Chance sein“, so Trump. „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.“ Ähnlich argumentierte Israels Premier Benjamin Netanjahu: „Unser gemeinsames Handeln wird die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das mutige iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt“, sagte er mit Blick auf die iranische Protestbewegung. „Die Zeit ist gekommen für alle Teile des iranischen Volkes (...), das Joch der Tyrannei abzuwerfen und ein freies, friedliebendes Iran zu schaffen.“
Wie reagiert Iran?
Teheran attackierte nach eigenen Angaben vier US-Militärstützpunkte in der Region. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars waren der Militärstützpunkt Al-Udeid in Katar, der Stützpunkt Al-Salem in Kuwait, der Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die US-Flotte in Bahrain unter den Zielen. Berichten zufolge sollen auch in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad Explosionen zu hören gewesen sein. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte alle beteiligten Stützpunkte zu „legitimen Zielen“.
Irans Präsident Peseschkian hatte mit einem „umfassenden Krieg“ gedroht, sollte Chamenei attackiert werden. Sollte das Mullah-Regime die Angriffe als Bedrohung für seine eigene Existenz sehen, wird es vor einer großen Eskalation nicht zurückschrecken. Eine Kapitulation, wie sie Trump wohl anstrebt, scheint ausgeschlossen. Medienberichten zufolge hat es in Israel vereinzelte Einschläge gegeben. Die Polizei habe Granatsplitter in Jerusalem und in der Stadt Beit Schemesch beseitigt, schrieb der israelische Rettungsdienst Magen David Adom.
Ein Gebäude in der Stadt Tirat Carmel südlich von Haifa sei beschädigt worden. In vielen Teilen Israels und des Westjordanlands gab es Luftalarm, um vor anfliegenden Raketen und Geschossen zu warnen. Sirenen heulten im Großraum Tel Aviv, in Jerusalem, in Samaria und im Negev, wie die Nachrichtenseite Ynet berichtete. Auch aus dem Norden Israels wurde Luftalarm gemeldet.
Welche Vergeltungsmöglichkeiten hat Iran?
Nach Schätzungen westlicher Geheimdienste verfügt die Islamische Republik über rund 2000 ballistische Raketen kürzerer und mittlerer Reichweite, Marschflugkörper sowie Anti-Schiffs-Waffen. Viele der Flugkörper können auch Israel erreichen. Aber auch die militärischen US-Stützpunkte im Nahen Osten sind in Gefahr. Zwischen Jordanien und Saudi-Arabien sind rund 40.000 amerikanische Soldaten stationiert. Streng militärisch betrachtet ist Iran den USA und Israel massiv unterlegen. Seine Kampfflugzeuge stammen zum großen Teil noch aus der Schah-Ära. Die Luftabwehr wurde bereits durch Israels Angriffe im Zwölftagekrieg im Juni 2025 weitgehend ausgeschaltet. Aber Iran kann Israel und den US-Basen schmerzhafte Nadelstiche versetzen. Nach Informationen aus westlichen Geheimdienstkreisen sind auch weltweite Terrorangriffe nicht ausgeschlossen.
Darüber hinaus verfügt Iran über die Möglichkeit, die Straße von Hormus zu schließen. Durch diese Meerenge werden rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls und Flüssiggases transportiert. Sollte dies passieren, ist mit einem rasanten Anstieg der Öl- und Benzinpreise zu rechnen.
Welche größere Eskalation könnte jetzt drohen?
Die große Frage ist: Wie verhalten sich Russland und China? Russland hat eine strategische Partnerschaft mit Iran. Diese umfasst allerdings anders als im Fall Nordkorea keinen gegenseitigen Nichtangriffspakt. Teheran hat Moskau im Ukraine-Krieg mit Shahed-Drohnen und nach Medienberichten auch mit ballistischen Raketen versorgt. Aus Russland kam im Gegenzug die Lieferung von Militärtechnologie. Die energiehungrige chinesische Wirtschaft bezieht große Mengen Öl aus Iran. Für Ende Februar war ursprünglich ein Marine-Manöver von Iran, Russland und China im Golf von Oman angesetzt.
Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew übte scharfe Kritik an den US-Angriffen auf Iran. „Der Friedensstifter hat einmal mehr sein wahres Gesicht gezeigt“, schrieb der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin im Onlinedienst Telegram. „All die Gespräche mit dem Iran waren nur ein Deckmantel. Daran hat nie jemand gezweifelt.“ Niemand sei daran interessiert gewesen, „irgendetwas Konkretes zu verhandeln“, unterstrich Medwedew, der derzeit Vizevorsitzender des russischen Sicherheitsrats ist. Umfang und Art der „militärpolitischen und propagandistischen Vorbereitungen“ ließen keinen Zweifel daran, dass es sich um einen „im Voraus geplanten und unprovozierten Akt bewaffneter Aggression gegen einen souveränen und unabhängigen Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen handelt“, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die Rede war von einem „unüberlegten Schritt“, der gegen das Völkerrecht verstoße.
Russland und China haben eigentlich kein Interesse an einer größeren Eskalation. Putin will sich Trumps Wohlwollen im Ukraine-Krieg erhalten. China fürchtet bei massiven politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in Nahost um seine Energiesicherheit. Es bezieht den Großteil seines Öls aus der Region. Aber sollte Iran im völligen Chaos versinken, könnte es sein, dass sich das strategische Kalkül ändert und Russland und China intervenieren.








