Seit längerer Zeit wird in mehreren Ländern ein Social-Media-Verbot diskutiert. Auch in Deutschland rückt das Thema zunehmend in den Fokus der Politik. Die Gefahren, die von der Nutzung sozialer Plattformen ausgehen, werden immer sichtbarer. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, ohne einzugreifen, führt das unsere Gesellschaft in den Abgrund“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) kürzlich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die jüngere Generation habe inzwischen „erhebliche Schäden“ erlitten, so der Politiker.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nun müsse endlich etwas gegen den „digitalen Wahnsinn“ getan werden. Das Problem seien insbesondere suchtauslösende Effekte von Social-Media-Apps. Zudem gebe es in den Netzwerken Gewalt in vielen Formen, Stigmatisierungen und verzerrte Schönheitsbilder. „Jeder Monat, den wir warten, schadet Kindern und Jugendlichen.“ Günther könne sich sogar ein Verbot für alle unter 18 vorstellen. „Aber die Hauptsache ist, dass wir überhaupt etwas machen, und zwar schnell.“

Handyverbot an Schulen: Immer mehr Schulen greifen durch
Vor diesem Hintergrund rückt auch die Nutzung von Smartphones an Schulen immer mehr ins öffentliche Interesse. Einige Schulen gehen bereits dagegen vor. So etwa am Goethe-Gymnasium Hamburg, wo der Schulleiter schon vor einigen Jahren ein generelles Handyverbot eingeführt hat. Mitgebrachte Geräte müssen ausgeschaltet oder zumindest in den Flugmodus versetzt werden. Immer mehr Schulen suchen nach Wegen, die Handynutzung während des Schultags stärker einzuschränken oder ganz zu verbieten.
Wie jetzt eine neue US-Studie zeigt, ist die Handynutzung während der Schulzeit ein ernst zu nehmendes Problem. Forscher der University of North Carolina nahmen das Smartphoneverhalten von 79 Schülern im Alter von 11 bis 18 Jahren unter die Lupe – die Untersuchung lief über zwei Wochen. Das Ergebnis: Die Jugendlichen verbrachten während der Schulzeit mehr als zwei Stunden täglich am Handy. Das entspricht etwa einem Drittel ihrer gesamten täglichen Smartphone-Nutzung.
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Doch nicht nur die Dauer bereitet den Forschern Sorgen. Auch die Häufigkeit, mit der die Schüler zu ihren Geräten griffen, sowie die negativen Folgen für die Konzentrationsfähigkeit standen im Fokus. Im Durchschnitt nahmen die Jugendlichen 64-mal am Tag ihr Handy zur Hand – also etwa neun- bis zehnmal pro Stunde. Diejenigen, die besonders häufig nachschauten, schnitten in einem standardisierten Test zu Konzentration und Impulskontrolle deutlich schlechter ab. Die Studienergebnisse wurden in „Jama Network Open“ veröffentlicht.
Smartphone-Nutzung: Jugendliche schauen bis zu 23 Minuten pro Stunde aufs Handy
An der Untersuchung nahmen 51 Highschool-Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren sowie 28 Schüler im Alter von 11 bis 14 Jahren teil. Alle Teilnehmenden luden über einen Zeitraum von 14 Tagen täglich Screenshots der Bildschirmzeit-Funktion ihres Smartphones hoch. Diese Aufnahmen zeigten, wie lange die Jugendlichen stündlich ihr Handy nutzten. So kamen Tausende stündliche Datenpunkte zusammen – und damit eine der bislang detailliertesten Aufzeichnungen zum Smartphoneverhalten von Schülern im Schulalltag.
Das Ergebnis: Highschool-Schüler verbrachten im Durchschnitt 23 Minuten pro Stunde vor dem Bildschirm, bei den jüngeren Schülern waren es etwa zwölf Minuten. Zudem stellten die Forscher fest, dass soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram und Snapchat sowie Unterhaltungsplattformen wie YouTube bei den jüngeren Schülern fast 70 Prozent der gesamten Bildschirmzeit während der Schulzeit ausmachten.
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Häufige Handynutzung könnte Konzentration verschlechtern
Anschließend untersuchten die Forscher die Konzentrationsfähigkeit der älteren Schüler mithilfe einer sogenannten Go/No-Go-Aufgabe. Dabei müssen die Teilnehmer bei bestimmten Bildern schnell reagieren, bei anderen jedoch bewusst nicht – getestet wird also, wie gut sie Impulse kontrollieren können. Jugendliche, die während der Schulzeit häufiger zum Smartphone griffen, schnitten in dem Test schlechter ab.
Da dieser Zusammenhang auch nach Berücksichtigung der gesamten Bildschirmzeit bestehen blieb, zeigte sich, dass nicht die gesamte Bildschirmzeit entscheidend war, sondern wie oft die Schüler ihr Handy in die Hand nahmen. Die kognitiven Tests wurden allerdings nur mit den älteren Teilnehmern durchgeführt, weshalb unklar bleibt, ob sich derselbe Zusammenhang auch bei jüngeren Schülern zeigt.
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Smartphone-Nutzung: Diese Einschränkungen gibt es bei der Studie
Bei der Untersuchung handelte es sich um eine sogenannte Querschnittsstudie. Das bedeutet, dass die Daten nur zu einem bestimmten Zeitpunkt erhoben wurden, anstatt die Schüler über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Deshalb lässt sich nicht eindeutig sagen, ob häufiges Handy-Checken tatsächlich die Konzentration verschlechtert – oder ob Jugendliche mit ohnehin geringerer Konzentrationsfähigkeit häufiger zum Smartphone greifen. Die Forscher betonen jedoch, dass ständige Smartphone-Nutzung die Aufmerksamkeit unterbrechen und mentale Ressourcen schwächen kann.
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Die Studie zeigt: Die Debatte um Social-Media-Verbote für Jugendliche ist nicht nur politischer Aktionismus. In einer Zeit, in der die Auswirkungen auf Gesundheit, Lernen und Zusammenleben immer klarer messbar sind, könnte ein stärkerer Schutz junger Menschen vor exzessiver Smartphone-Nutzung ein wichtiger Baustein werden. Ob es wirklich zu Verboten kommt oder andere Modelle greifen, bleibt aber politisch ebenso umkämpft wie gesellschaftlich umstritten.
pau mit dpa












