In Oakwood, einem Vorort von Atlanta, steht eine nagelneue Logistikhalle am Highway. Auf dem Papier ist es ein Immobilien-Deal, in der Praxis ein Baustein für die laut Donald Trump „größte Abschiebe-Offensive in der amerikanischen Geschichte“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Bis zum Herbst will das Heimatschutzministerium (DHS) ein Netz aus neuen Haftstandorten hochziehen: 16 regionale Zentren für Kurzaufenthalte (je 1000 bis 1500 Menschen, im Schnitt drei bis sieben Tage) und acht Großanlagen („Mega Center“) mit jeweils 7000 bis 10. 000 Plätzen, in denen zur Abschiebung internierte Migranten im Schnitt rund 60 Tage warten sollen, bis sie außer Landes geschafft werden.
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Die Kapazität der bisherigen Unterbringungsmöglichkeiten, die erschöpft seien, würde um rund 93 000 Schlafplätze steigen, sagt die Regierung. Die Rechnung: astronomische 38 Milliarden Dollar. Joe Scarborough, einst republikanischer Kongressabgeordneter, jetzt TV-Moderator, nennt die neuen Anlagen „industrialisierte Internierungslager“. Er sagt, sie könnten „noch extremer“ werden als die Lager, in die japanischstämmige Amerikaner im Zweiten Weltkrieg gesteckt wurden. Extrem sind schon jetzt die Kosten, die Korruptionsverdacht ausgelöst haben.
Massive Zunahme von Häftlingen: Trump plant mehr Abschiebungen
Warum die Eile? Weil die Zahl der Inhaftierten explodiert. Anfang April saßen nach Bundesdaten mehr als 64 000 Menschen in Gewahrsam der Einwanderungspolizei ICE – rund 40 000 waren es bei Trumps Amtsantritt ein Jahr zuvor. Das soll in eine Art Abschiebe-Logistik münden, die der im Mai ausscheidende ICE-Chef Todd Lyons so beschrieb: „Wie Amazon Prime – nur mit Menschen”. Der mit Abstand größte Anteil sitzt wegen reiner Einwanderungsverstöße ein. Ohne Vorstrafen wegen schwerer Straftaten wie Mord, Vergewaltigung und Körperverletzung beschrieb. Aber: Der mit Abstand größte Anteil sitzt wegen reiner Einwanderungsverstöße ein. Ohne Vorstrafen wegen schwerer Straftaten wie Mord, Vergewaltigung und Körperverletzung.

Das Weiße Haus verpflichtet ICE zugleich auf eine neue Schlagzahl: Trumps Top-Abschiebungshelfer Stephen Miller verlangt intern eine Zielmarke von 3000 Festnahmen pro Tag. Dazu sollen 2026 weitere 12 000 ICE-Agenten beitragen.
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Staat zahlt laut Kritikern überhöhte Summen für Lagerflächen
Was auffällt: Der Staat kauft dafür Lagerhallen und Speditionsflächen teils zu Preisen ein, die Kritiker „absurd“ nennen. In Salt Lake City zahlte die Regierung fast 50 % mehr, als die Immobilie offenbar wert war. Der Schätzwert lag bei 97 Millionen Dollar, doch die Regierung zahlte mehr als 145 Millionen Dollar. In Roxbury, New Jersey, wurde ein Lagerhaus auf 62 Millionen Dollar geschätzt, doch die Trump-Regierung bot 129 Millionen Dollar dafür – mehr als das Doppelte des Schätzwerts. In Georgia wurde eine Immobilie, die im vergangenen Jahr auf 26 Millionen Dollar geschätzt wurde, für 129 Millionen Dollar erworben.

Ähnliche Summen tauchen landesweit auf: 70 Millionen Dollar für eine Halle in Surprise, Arizona. 128,6 Millionen für Unterkünfte in Social Circle, Georgia. 122,8 Millionen für drei Hallen in Socorro bei El Paso – und mehr als 100 Millionen für ein Areal in Maryland. Oppositionelle Demokraten wittern einen Skandal: „Wer macht sich hier die Taschen voll?“, fragt ein Abgeordneter aus Virginia.
Markwayne Mullin, der neue Heimatschutzminister, spürt das Unwohlsein. Er hat angeordnet, dass die Umwandlung der Lagerhäuser in Gefangenenlager verlangsamt wird. Parallel dazu kommt die Nachricht, dass der Generalinspekteur des Ministeriums Korruptionsermittlungen eingeleitet hat. Sie zielen auch auf die frühere Ministerin Kristi Noem, die von Trump gefeuert wurde, und ihren obersten Berater, Corey Lewandowski. Beide bestreiten jedes Fehlverhalten.
Proteste und Rückzieher: Widerstand gegen neue Einwanderungszentren wächst
Dazu kommt: Fast überall im Land kippt die Stimmung gegen die Internierungslager. Auch in Orten, die Trump gewählt haben. In mehreren Fällen zogen Eigentümer nach Protesten zurück; in Minnesota wurden Deals in Woodbury und Shakopee nach öffentlichem Druck abgeblasen. In Hagerstown, Maryland, riefen Demonstranten „Wacht auf!“. Eine Anwohnerin sagte vor laufender Kamera: „Es ist grausam, fast wie in Konzentrationslagern.“
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Selbst Republikaner bremsen. Senator Roger Wicker aus Mississippi schrieb an die DHS-Führung, er unterstütze zwar „die Durchsetzung des Einwanderungsrechts“, sei aber „gegen diese Akquisition“ – die Kleinstadt Byhalia in seinem Bundesstaat habe einfach nicht die Infrastruktur für ein Zentrum mit 8500 Betten.
Bundesstaaten wehren sich gegen geplante Zentren
Die demokratisch geführten Bundesstaaten gehen auf Konfrontation. Maryland verklagte das DHS wegen der Halle, die ohne Umweltprüfung und ohne öffentliche Beteiligung zur 1500-Plätze-Anlage umgebaut werden soll. Gouverneur Wes Moore: „Unsere Leute müssen erst mal gehört werden.“

Pennsylvania-Gouverneur Josh Shapiro kündigte an, er werde „jedes zur Verfügung stehende Mittel“ nutzen, um den Bau zu verhindern. Er warnte, ein Standort in Tremont Township würde die Wasserversorgung sprengen: „Sie werden buchstäblich nicht in der Lage sein, das Wasser aufzudrehen oder die Toilette zu spülen.“ ICE dagegen verweist auf Verträglichkeitsstudien – und verspricht Jobs.
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Vertrauen in Trumps Haftanstalten nach Eskalation in Minneapolis erschüttert
Die Trump-Regierung legt Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um „Warenlager“ handle, sondern um „sehr gut strukturierte Haftanstalten“ nach „regulären Standards“. Zweitens: Man ziele auf „die Schlimmsten der Schlimmen“ – Mörder, Vergewaltiger, Gang-Mitglieder.
Nur: Das Vertrauen ist angeschlagen, auch wegen der Eskalation in Minneapolis. Dort gingen nach der Erschießung der Zivilisten Renee Good und Alex Pretti durch ICE-Beamte Zehntausende auf die Straße. Am Ende zog Trump die vermummten Fahnder ab.
Und trotzdem deutet nichts auf eine Kurskorrektur hin. Trump hat den republikanischen Senator Markwayne Mullin als neuen DHS-Chef angekündigt – aber ausdrücklich, um die Deportationsagenda noch straffer zu führen, nur reibungsloser als Vorgängerin Kristi Noem.
Steht den USA ein heißer Abschiebe-Herbst bevor? Viel spricht dafür. Wenn die neuen Zentren bis November anlaufen, entsteht eine politische Dynamik, sie auch umgehend zu füllen. Gleichzeitig wächst der Widerstand: Klagen, Kommunalblockaden, Boykotte – und eine Öffentlichkeit, die nach Minneapolis sehr viel weniger bereit ist, ICE-Agenten-Methoden hinzunehmen.











