WhatsApp gilt als harmlos unter den sozialen Netzwerken. Kein Algorithmus, keine Influencer, keine Fremden – so die Vorstellung vieler Eltern. Doch jetzt gerät der Messengerdienst in die Debatte um die Regulierung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Unserer Redaktion sagte Bildungsministerin Karin Prien: „Wenn wir ernsthaft über Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt sprechen, müssen auch Messenger-Dienste wie WhatsApp in den Blick genommen werden.“ Denn auch dort seien Kinder und Jugendliche häufig Risiken wie Mobbing, Gewalt, Extremismus oder pornografischen Inhalten ausgesetzt. Der Staat dürfe „angesichts der Wirkmacht dieser Technologien nicht tatenlos bleiben“, so die Ministerin.
Die CDU-Politikerin macht aktuell keine konkreten Vorschläge zur stärkeren Regulierung. Und doch stößt sie eine Debatte an, mit der sie einen Nerv von Lehrkräften, Eltern und auch Schülerinnen und Schülern trifft.
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Teenager nutzen „Klassenchats“, oftmals ist das eine WhatsApp-Gruppe. Eltern richten sie meist für die Schülerinnen und Schüler ein. Umfragen zeigen, dass diese vernetzte Kommunikation den Jugendlichen helfen kann: bei der Absprache der Hausaufgaben, bei Verabredungen von Schulprojekten. Messengerdienste sind schnell und unkompliziert. Aber sie können auch Risiken mit sich bringen. Das zeigen Studien: So erleben Jugendliche in Messengerdiensten Gewaltdarstellungen, manche werden gemobbt – teilweise mit schweren Folgen wie Depressionen und Angststörungen.
WhatsApp, Signal und vor allem Telegram geraten in den Fokus
Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, bestätigt das – mit einem wichtigen Vorbehalt: Lehrkräfte bekämen Einblick in solche Chats meist nur dann, wenn bereits etwas vorgefallen sei. Eine systematische Beobachtung finde nicht statt. Wie groß das Problem wirklich ist, lasse sich daher kaum zuverlässig abschätzen.

Die Diskussion um die Folgen der Nutzung von Social Media und Messengerdiensten ist nicht neu. Doch durch die aktuelle Verbotsdebatte um Social Media geraten auch die Messengerdienste wie WhatsApp, Signal und vor allem Telegram in den Fokus. Was viele Eltern dabei nicht wissen: WhatsApp ist längst mehr als ein Messenger. Seit der Einführung von WhatsApp-Kanälen können auch Kinder Inhalte öffentlich mit der gesamten Community teilen – Experten warnen vor erheblichen Schutzlücken.
„Eine stärkere Sensibilisierung und Präventionskonzepte sind wirksamer als pauschale Verbote“
Familienministerin Prien will nun erst einmal abwarten, was die Expertenkommission aus Politikern, Wissenschaftlerinnen und Medienforschenden beschließt. Das unabhängige Gremium wurde im Spätsommer aufgebaut – erste Ergebnisse will die Kommission bis Juni vorstellen. Zugleich zeigt sich, wie schwer der Durchgriff der Politik auf Messengerdienste in den Klassenzimmern ist. Ohnehin gilt: Prien ist dafür gar nicht zuständig, Bildungspolitik ist Ländersache. Zugleich kann die Ministerin Debatten anstoßen und rechtliche Rahmenbedingungen für die Nutzung von Messengerdiensten schaffen, etwa Meldepflichten verschärfen oder Bußgelder bei Verstößen festlegen, und auch ein Verbot gesetzgeberisch durchsetzen.
Düll vom Deutschen Lehrerverband bremst: „Es braucht vor allem Medienbildungsangebote, Unterstützung für Schulen im Umgang mit Konflikten aus digitalen Räumen sowie verlässliche Schutzmechanismen seitens der Anbieter. Eine stärkere Sensibilisierung und Präventionskonzepte sind im Alltag deutlich wirksamer als pauschale Verbote.“
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Prien selbst, aber auch Fachleute, verweisen darauf, dass Verbote nur ein Weg sein können, um Kinder und Jugendliche besser vor Straftaten, Mobbing und Gewalt in den sozialen Netzwerken zu schützen. „Kinder und Jugendliche müssen lernen, sicher und reflektiert mit digitalen Angeboten umzugehen. Deshalb brauchen wir einen Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe“, sagte die Ministerin. Dazu gehören demnach mehr Medienkompetenz, Bildung in den Schulen sowie die Unterstützung von Lehrern und Eltern.
Ähnlich argumentieren Kriminologen wie Thomas-Gabriel Rüdiger: eine bessere Aufklärung von Lehrkräften und Eltern, eine stärkere Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern, aber auch therapeutische Angebote für Kinder in Krisen. Das Bundesfamilienministerium hat gemeinsam mit einer Krankenkasse und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine Kampagne gestartet, die sich direkt an die Eltern wendet. Der Titel: „Schaut hin! Was dein Kind mit Medien macht.“






