Wenn es am Sonntag in Rheinland-Pfalz nur nach dem Willen der Wähler unter 25 Jahren gegangen wäre, hätte die AfD die Wahl gewonnen. Mit 21 Prozent der Stimmen wäre sie vor der SPD (19) und den Linken (16) als stärkste Partei in den künftigen Landtag in Mainz eingezogen – danach würden CDU (15), Grüne (10) und Freie Wähler (5) folgen. Damit scheint sich ein Trend aus dem gesamten Bundesgebiet einmal mehr fortzusetzen: Die jungen Menschen in Deutschland driften nach rechts. Doch daran gibt es Zweifel.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Mit der Frage, warum so viele junge Menschen der in Teilen rechtsextremen Partei ihre Stimme geben, beschäftigt sich der Politikwissenschaftler Carsten Koschmieder an der Freien Universität Berlin. Der Forscher sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, einen Trend könne man nicht erkennen.
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AfD: Stimmung in der Bevölkerung für die jungen Wähler wichtig
„Junge Leute sind weniger parteigebunden. Bei den Älteren heißt es: ‚Ich habe schon immer SPD gewählt, ich habe schon immer CDU gewählt, das mache ich jetzt wieder‘“, sagt Koschmieder. Und das führe dazu, dass SPD und CDU bei den jungen Leuten viel schlechter abschneiden. „Dieses Verhalten haben junge Leute nicht, und auf der Grundlage entscheiden sie sich.“ Sie würden die Parteien grundlegend schneller wechseln.

„Es gibt junge Leute, die sich bei Fridays for Future engagieren und die Grünen wählen, und dann gibt es junge Leute, die sich bei der AfD engagieren – und es gibt alles dazwischen“, so Koschmieder. „Aber wenn die AfD einen guten Wahlkampf macht und einen schnieken Kandidaten vorzuweisen hat, dann erscheint sie vielen jungen Wählern attraktiv.“
Vor allem die Stimmung in der Bevölkerung sei für die jungen Wähler wichtig, so Koschmieder. „Wenn alle nur über Flüchtlinge reden, dann scheint es ja das große Thema zu sein. Und dann wirkt die AfD als die Partei, die dazu am meisten zu sagen hat.“
Aufschluss geben ein Blick auf die einzelnen Parteien und die Frage, wie die einzelnen Altersgruppen abgestimmt haben. Dort sieht man, dass die AfD die Wahl bei den Jungwählern nur gewonnen hat, weil die beiden großen Parteien CDU und SPD in der Alterskohorte so schlecht dastehen. „Wenn Sie sich nur die AfD-Stimmenanteile in Altersgruppen im Vergleich angucken, dann sehen Sie, dass die 18- bis 24-Jährigen bei der Stimmabgabe überhaupt nicht die stärkste Gruppe sind“, so Koschmieder. Die ganz jungen Wähler würden mit 21 Prozent lediglich einen Mittelfeldplatz belegen.

Linke anteilig mit vielen Jungwählern
„In der Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren hat die AfD 26 Prozent und bei den 45- bis 59-Jährigen noch 23 Prozent“, sagt der Politologe. Deshalb müsse man eigentlich viel mehr klären, „warum überhaupt so viele Leute AfD wählen“, so Koschmieder.
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Vor allem bedeute der Blick auf die Altersgruppen aber, dass das Wahlergebnis der jungen Leute keinen Ausreißer darstelle. Der Wahlsieg der AfD bei den unter 25-Jährigen lasse sich nicht darauf zurückführen, dass die Partei in dieser Alterskohorte insgesamt stärker ist. Das Ergebnis zeige vielmehr, „dass sich die Stimmen bei den anderen Parteien deutlicher aufsplitten“.
Einen weit stärkeren Trend zur Wahl von extremen Parteien als die AfD zeige laut Koschmieder in Rheinland-Pfalz vor allem aber die Linke. Die Partei liegt in der jüngsten Altersgruppe mit 16 Prozent weit über dem Durchschnitt von vier Prozent im Endergebnis.








