Jörg Dittrich ist Deutschlands oberster Handwerker: Der gelernte Dachdecker ist Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks – und vertritt damit über eine Million Handwerksbetriebe und über fünf Millionen Handwerkerinnen und Handwerker. Der 56-Jährige stammt aus Dresden, er kommt aus einer alten Dachdeckerfamilie, die ihren Betrieb durch zwei Weltkriege und zwei Diktaturen gebracht hat. Im Herbst 1989 stand er als 20-Jähriger vor einer folgenschweren Entscheidung – doch auf einmal geriet ihm die Weltgeschichte dazwischen.

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#38 Jörg Dittrich über seine Liebe zu Sachsen, die Stasi-Akte seines Vaters - und Chefsein
Meine schwerste Entscheidung
 

In der neuen Folge des FUNKE-Podcasts „Meine schwerste Entscheidung“ erzählt Dittrich von den letzten Stunden der DDR – und wie es war, als Sohn eines selbstständigen Handwerksmeisters im real existierenden Sozialismus aufzuwachsen. Als junger Rekrut muss er in der Kaserne sämtliche Dienstgrade der Nationalen Volksarmee aufzählen, bevor ihn der Ausbilder auf die Toilette lässt, als Schüler muss er mit ansehen, wie sein Vater drangsaliert wird. Heute weiß er, was er damals nur ahnte: wie gefährdet die Familie tatsächlich war – und es lässt ihm bis heute einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Er beschreibt seine Angst – vor Repressalien durch den SED-Staat, aber auch davor, keinen anderen Weg mehr zu sehen, als in den Westen zu gehen und die Familie zu verlassen. Er spricht damals mit niemandem darüber: „Die Angst war so tief, dass ich meine Eltern damit nicht belasten wollte.“ Die Nachwendezeit nennt Dittrich „die glücklichste Zeit meines Lebens“.

Ist Ihnen der sächsische Dialekt manchmal unangenehm?

Heute ist der Vater von sechs Kindern selbst Dachdeckermeister und versteht immer besser, warum er schon als Junge unbedingt im elterlichen Betrieb anfangen wollte: Die fast schon familiäre Gemeinschaft im Betrieb – das war das eine. Das andere, da ist Dittrich erfrischend ehrlich, war schlicht der Wunsch, Chef sein zu können. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bis heute ist das so geblieben. Ein Wechsel in die Politik? Kommt für Dittrich nicht in Frage. Er will „Meister Dittrich“ bleiben, der Chef. „Da muss ich keine Mehrheiten suchen, da kann ich selbst bestimmen.“

Im Gespräch mit Julia Emmrich und Jochen Gaugele zeigt sich Dittrich als bekennender Dresden-Fan. Auf die Frage, ob er seinen sächsischen Dialekt manchmal unangenehm findet, antwortet Dittrich ehrlich: „Früher wesentlich mehr als heute.“

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music hören. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.