Es gibt wieder Redebedarf – und das nicht zu knapp. Wenn Nato-Generalsekretär Mark Rutte an diesem Mittwoch von US-Präsident Donald Trump in Washington empfangen wird, dürfte es um weit mehr als die militärische Lage im Iran-Krieg gehen. Zur Debatte steht auch die Zukunft des transatlantischen Bündnisses insgesamt. Trump hat die Allianz gerade zum wiederholten Male infrage gestellt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Europäer kennen das inzwischen. Das heißt aber nicht, dass sie die Drohungen des Präsidenten auf die leichte Schulter nähmen. Trump macht Politik aus Launen heraus – was bedeutet, dass er seinen Worten in Sachen Nato irgendwann auch mal Taten folgen lassen und das Bündnis verlassen könnte.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Nato-Gipfel: Rutte trifft Trump, Rubio und Hegseth in Washington
Wie die Nato mitteilte, wird sich Rutte insgesamt fünf Tage in Washington aufhalten und am Mittwoch neben Trump auch Außenminister Marco Rubio sowie Verteidigungsminister Pete Hegseth treffen. In den Tagen darauf sind ein öffentlicher Auftritt und die Teilnahme an einer Konferenz geplant.

Die Zusammenkunft mit Trump sieht also von außen betrachtet aus wie ein Routinebesuch und nicht wie ein Krisentreffen. Doch der US-Präsident ist wütend, weil ihm die europäischen Verbündeten im Nahen Osten nicht helfen wollen, mit einem internationalen Marine-Einsatz die Straße von Hormus wieder für Öl-Tanker befahrbar zu machen. „Ich denke, die Nato macht einen sehr dummen Fehler“, sagte Trump unlängst und brachte auch einen Austritt der USA ins Spiel. „Das ist definitiv etwas, über das wir nachdenken sollten.“
Donald Trump: Die Nato ist für ihn ein „Papiertiger“
An anderer Stelle bezeichnete er das Verteidigungsbündnis als „Papiertiger“. Wer so redet, verhöhnt nicht nur die langjährigen Partner der Vereinigten Staaten. Er sät auch Zweifel daran, dass die Weltmacht ihren europäischen Alliierten im Ernstfall tatsächlich zur Hilfe eilen würde. Das untergräbt zwangläufig die Abschreckung gegenüber Russlands Gewaltherrscher Wladimir Putin. Und zwar zu einer Zeit, in der dieser einen brutalen Eroberungskrieg gegen die Ukraine führen lässt.
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Nun muss also wieder Rutte ran und den US-Präsidenten besänftigen. Der ehemalige niederländische Premier gilt als Spezialist für solche Missionen, er genießt das Vertrauen Trumps. Als der US-Republikaner 2025 seine zweite Amtszeit antrat und vehement höhere Verteidigungsausgaben der Europäer einforderte, schmiedete Rutte einen Kompromiss, der Trump zufrieden stellte und mit dem die Europäer leben können: Alle Verbündeten sollen ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf mindestens 3,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung steigern. Weitere 1,5 Prozent soll in sicherheitsrelevante Infrastruktur fließen – was den Regierungen reichlich Raum für Tricksereien lässt.

Und als Trump Anfang dieses Jahres nach Grönland griff, war Feuerwehrmann Rutte erneut zur Stelle und brachte den Präsidenten von seinen Plänen ab. Der Preis, den Rutte für seinen Einfluss zahlen muss, ist freilich hoch: Er schmeichelt den eitlen Präsidenten bis zur Selbstaufgabe und nannte ihn sogar schon einmal „Daddy“ (Papa). Ein kritisches Wort von Rutte über den Iran-Krieg der Amerikaner und Israelis war bislang nicht zu vernehmen.








