Die Trump-Regierung und der Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Nach Angaben beider Seiten würden die USA und Israel für den Zeitraum ihre Angriffe auf den Iran einstellen, während das Mullah-Regime die Straße von Hormus für Öltanker öffnen werde. Das Vermittlerland Pakistan lud Delegationen beider Länder für weitere Gespräche am Freitag in die pakistanische Hauptstadt Islamabad ein, wo Vertreter aus Washington und Teheran über ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts verhandeln sollen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Waffenruhe in Nahost.

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Iran-Krieg: Ab wann gilt die Waffenruhe?

Laut dem Vermittlerland Pakistan gelte die Waffenruhe ab sofort. Auch im Libanon und in anderen Ländern greife die Waffenruhe. Die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten dürften damit im Rahmen der Waffenruhe ebenfalls ausgeschlossen sein. Die US-Nachrichtenseite „Axios“ zitierte einen US-Beamten, wonach die Waffenruhe beginne, sobald der Iran die Straße von Hormus öffne.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Am Dienstagabend in Washington, kurz vor Ablauf eines Ultimatums, verkündete Trump auf seiner Plattform Truth Social, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen einstellen zu wollen. Anstatt wie angedroht iranische Infrastruktur zu bombardieren, könnten in dem Zeitraum sogar Verhandlungen stattfinden. Der Iran habe der US-Regierung einen laut Trump „praktikablen“ Zehn-Punkte-Vorschlag für Verhandlungen zukommen lassen.

Irans Außenminister kündigte zugleich eine Öffnung der Straße von Hormus an. In Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen solle der Schiffsverkehr in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge ermöglicht werden, schrieb Abbas Araghtschi in einer Erklärung. US-Präsident Donald Trump hatte die Öffnung der Straße kurz zuvor zur Bedingung für eine Feuerpause gemacht. 

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Schließt sich Israel der Waffenruhe an?

Israel unterstütze Trumps Entscheidung, erklärte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die zweiwöchige Waffenruhe gelte aber nicht für den Libanon, erklärte er laut einer Mitteilung seines Büros. Pakistans Premier Sharif hatte dagegen auf X geschrieben, sie gelte auch für den Libanon. Von dort feuert seit Kriegsbeginn die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz wieder auf Israel. Seither greift Israels Militär die Miliz massiv an. 

Israel stehe auch hinter den Bemühungen der USA, sicherzustellen, dass der Iran keine Atom-, Raketen- und Terrorbedrohung mehr für Amerika, Israel, die arabischen Nachbarn des Irans und die Welt darstellt, erklärte Netanjahu. Die USA hätten Israel mitgeteilt, dass sie sie sich in den anstehenden Verhandlungen für die Erreichung dieser gemeinsamen Ziele einsetzen werden, erklärte er. Einem Bericht der „Times of Israel“ zufolge hatte sich Israel mit den USA im Vorfeld über die Waffenruhe mit dem Iran abgestimmt.

Verhandlungen: Was sieht Irans Zehn-Punkte-Plan vor?

Im Zuge der Einigung auf die Feuerpause haben Vertreter des Irans der US-Regierung in Washington einen Zehn-Punkte-Plan als Vorschlag für ein dauerhaftes Kriegsende übermittelt. Trump schrieb auf Truth Social, dass dieser eine „praktikable Grundlage für Verhandlungen bietet“. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lud Delegationen beider Länder für weitere Gespräche am Freitag in die pakistanische Hauptstadt Islamabad ein, wo Vertreter aus Washington und Teheran über ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts verhandeln sollen.

Offiziell hat Irans Regierung die Forderungen bislang nicht öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen, die den mächtigen Revolutionsgarden nahestehen, berichten jedoch bereits über Details. Laut der Nachrichtenagentur Tasnim beinhaltet der Entwurf die Forderung nach einer dauerhaften Einstellung von Aggressionen. Der Iran soll die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten und Uran anreichern dürfen. Die politische Führung in Teheran fordert die Aufhebung der harten internationalen Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats. 

Auch Resolutionen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA will Teheran aufgehoben sehen, wie Tasnim weiter berichtet. Weiter werden Kriegsentschädigungen und ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region gefordert. Der Krieg soll an allen Fronten enden, einschließlich im Libanon. In einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Fars heißt es außerdem, dass der Iran gemäß dem Plan verpflichten werde, niemals Atomwaffen herzustellen. Die Urananreicherung soll nach Verhandlungen eingeschränkt werden. Teheran stimme außerdem zu, mit anderen Ländern in der Region über Friedensabkommen zu sprechen.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Was bedeutet das für den Ölpreis?

Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg haben die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise deutlich nachgegeben. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni sackte rasant um rund 16 Prozent auf circa 92 US-Dollar (rund 79 Euro) – der niedrigste Wert seit Mitte März. Bei der für den US-Markt wichtigeren Sorte WTI fiel der Preisrückgang mit Auslieferung im Mai ähnlich aus. Die Ölpreise sind momentan der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt.

Die Meerenge von Hormus ist für den globalen Öl- und Gashandel von enormer Bedeutung. Wegen des Krieges war die Straße von Hormus vom Iran faktisch blockiert worden. Das ließ die Ölpreise dramatisch steigen. Dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi zufolge soll nun zwei Wochen lang die sichere Durchfahrt durch die Meerenge gewährleistet werden.

USA: Wie reagieren Republikaner und Demokraten?

Spitzenpolitiker in den USA haben verhalten auf die Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg reagiert. „Eine Waffenruhe ist eine gute Nachricht – allerdings nur, weil dieser sinnlose Krieg so schnell wie möglich beendet werden sollte“, schrieb etwa der demokratische Senator Richard Blumenthal auf X. US-Präsident Donald Trump könne weiterhin nicht erklären, warum er den Krieg begonnen habe. „Eine Waffenruhe ist für das amerikanische Volk kein Sieg“, fügte Blumenthal hinzu.

Der demokratische Kongressabgeordnete Gregory Meeks betonte indes, dass eine Waffenruhe nicht genug sei. Trump müsse dem Kongress erklären, warum er die USA in den Krieg mit dem Iran geführt habe, in dem 13 Militärangehörige gestorben seien Spöttischer zeigte sich der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer. Er sei froh, dass Trump einen „Rückzieher“ gemacht habe und „nun verzweifelt nach einem Ausweg aus seinem lächerlichen Getöse“ suche, schrieb er auf X.

Der republikanische Senator Lindsey Graham verlangte derweil, dass das US-Parlament bei dem Plan einbezogen werden müsse. Er wolle den Entwurf dem Kongress zur Abstimmung vorlegen, damit das Parlament wie beim Atom-Abkommen mit dem Iran unter Ex-US-Präsident Barack Obama darüber abstimmen könne.

mit afp/dpa