Der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, hat eine Rückkehr zur Wehrpflicht schon im kommenden Januar gefordert. „Wir diskutieren seit Jahren, dass der Bundeswehr zehntausende Soldaten fehlen. Ich glaube kaum, dass wir Putin damit beeindrucken, indem wir nun Fragebögen durch das Land schicken und mit einem irren bürokratischen Aufwand auswerten“, sagte Winkel dieser Redaktion. Er betonte außerdem: „Die Energie und Zeit, die wir in Empörung über jeden Tweet von Trump investieren, sollten wir in die Entwicklung unserer eigenen Verteidigungsfähigkeit stecken.“
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Winkel übt damit Druck auf die Bundesregierung aus. Die CDU-geführte Koalition mit der SPD streitet darüber, ob eine Pflicht zurückkommen soll. Die Fraktionen von Union und SPD haben aber eine grundsätzliche Einigung darüber erzielt, wie ein künftiger freiwilliger Wehrdienst in Deutschland aussehen soll. Seit dem 1. Januar 2026 ist der Wehrdienst in Deutschland durch das Wehrdienstmodernisierungsgesetz neu geregelt. Alle jungen Männer, die das 18. Lebensjahr vollenden, erhalten Post von der Bundeswehr.

Männer sind dazu verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen und darin unter anderem Angaben zu Fitness, Hobbys, Qualifikationen und der generellen Bereitschaft zum Dienst an der Waffe zu machen. Wer den Fragebogen nicht an die Bundeswehr zurücksendet, riskiert ein Bußgeld. Für Frauen bleibt dies freiwillig. So will Verteidigungsminister Boris Pistorius nach offiziellen Angaben aus seinem Ministerium künftig bis zu 20.000 neue Rekrutinnen und Rekruten pro Jahr für die Armee gewinnen.
Wehrdienst: Fehler im Gesetz offenbaren Startschwierigkeiten
Ein Detail im neuen Gesetz sorgte bereits für große Verwirrung: Laut Gesetzestext benötigen wehrfähige Männer im Alter zwischen 17 und 45 Jahren für Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten theoretisch eine Genehmigung durch die Bundeswehr. Verteidigungsminister Pistorius stellte jedoch klar, dass diese Genehmigungspflicht in Friedenszeiten „faktisch nicht angewandt“ wird. „Jeder Mann darf reisen“, heißt es mittlerweile aus dem Verteidigungsministerium.
„Bürger in Uniform“: Die Geschichte der Wehrpflicht
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wird in Deutschland darüber diskutiert, wie die Bundeswehr wieder zu einer intakten Armee aufgebaut werden kann. Die Haltung der Bundesregierung und des Verteidigungsbündnisses Nato ist, dass eine gut ausgestattete Armee die nötige Abschreckung liefert, um Russland an einer Ausweitung des Krieges in weitere Länder zu hindern.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Wiederbewaffnung Deutschlands hochumstritten. Die Wehrpflicht wurde 1956 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer eingeführt, um die Einbindung der Bundeswehr in die Gesellschaft zu garantieren und das Ideal des „Staatsbürgers in Uniform“ zu verwirklichen – eine Armee, die fest im demokratischen Rechtsstaat verankert ist. Nach den Erfahrungen mit der Wehrmacht im Nationalsozialismus wollte man verhindern, dass die Bundeswehr erneut ein „Staat im Staate“ wird.
Über Jahrzehnte waren der Wehrdienst und der begleitende Zivildienst eine gesellschaftliche Konstante. In den 2010er Jahren sah die damals von Angela Merkel angeführte Bundesregierung keine Relevanz mehr für ein verpflichtendes Jahr im Heer. Im Jahr 2011 wurde die Wehrpflicht unter dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesetzt – jedoch nie ganz aus der Verfassung gestrichen. Die Bundeswehr wurde zur reinen Freiwilligenarmee umgebaut, um Kosten zu sparen und die Truppe für Auslandseinsätze zu professionalisieren.




