Als die Delegationen am frühen Sonntagmorgen Islamabad verließen, blieb vor allem eines zurück: der Eindruck, dass diese Verhandlungen gar nicht an einem einzigen Punkt scheitern konnten. Zu viele Spannungen, zu viele Streitpunkte – der geballte Konflikt zwischen Israel und USA auf der einen Seite und Iran auf der anderen bündelten sich in ihnen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nach 21 Stunden Gesprächen zwischen Washington und Teheran in der Hauptstadt Pakistans gab es keine Einigung. Die Amerikaner sprachen von ernsthaften, aber letztlich ergebnislosen Gesprächen; aus Teheran hieß es, Washington habe „überzogene“ und „rechtswidrige“ Forderungen gestellt.
Damit ist die vielleicht wichtigste diplomatische Initiative seit Beginn des Krieges vor über sechs Wochen vorerst steckengeblieben.
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Iran-Krieg: Verhärtete Fronten und maximale Forderungen
Der erste Knackpunkt war die Atomfrage – und zwar in ihrer härtesten Form. US-Vizepräsident JD Vance sagte nach den Gesprächen: „Wir haben ein bekräftigendes Bekenntnis verlangt, dass Iran die Entwicklung von Atomwaffen nicht weiterverfolgt.“ Iran habe sich aber nicht dazu durchringen können, verbindlich auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. Für Washington war das laut Vance, der von Präsident Donald Trump als Verhandlungsführer geschickt worden war, der Kern jeder Vereinbarung. Ohne diese Zusage, so die amerikanische Lesart, lohne sich weder eine politische noch militärische Deeskalation.
Für Teheran dagegen war genau diese Maximalforderung ein Beleg dafür, dass die USA nicht wirklich einen Kompromiss suchten, sondern eine Kapitulation. Die iranische Seite warf Washington laut Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf nach dem Treffen „übermäßige Forderungen“ und einen „Bruch von Versprechen“ vor – auf Deutsch also: Man sei zwar verhandlungsbereit erschienen, die andere Seite habe aber Bedingungen diktiert, die aus iranischer Sicht weder politisch noch rechtlich hinnehmbar seien. Diese gegenseitige Grundmisstrauen prägte im weithin abgeschirmten Nobel-Hotel Serena die Atmosphäre des Scheiterns.
Straße von Hormus: Iran will Kontrolle behalten
Der zweite große Streitpunkt war die Straße von Hormus. Iran kontrolliert den Flaschenhals, durch den ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen läuft; genau dort hat der Krieg seine globale wirtschaftliche Sprengkraft entfaltet.

Washington wollte freie Passage und ein Ende der iranischen Blockade oder Bedrohung des Schiffsverkehrs. Teheran wiederum verknüpfte die Frage mit Souveränität, Kontrolle und sogar mit dem Anspruch, die Durchfahrt politisch und wirtschaftlich zu regulieren – man erhebt seit Tagen Mautgebühren bis zu zwei Millionen Dollar pro Tanker. Solange diese Meerenge umkämpft bleibt, hängt über jeder Verhandlungsrunde der Schatten steigender Energiepreise und einer möglichen militärischen Eskalation auf See.
Drittens ging es um Geld, Sanktionen und Kriegskosten. Iran wollte nach Berichten aus mehreren Quellen Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten, Sanktionslockerungen und Reparationen für Schäden des Krieges. Aus Sicht Teherans ist das logisch: Wer über Waffenruhe und Nachkriegsordnung redet, muss auch über wirtschaftliche Entlastung reden. Für Washington aber wird genau daraus ein politisches Risiko: Wer jetzt zu viel finanzielle Luft verschafft, könnte den Gegner stabilisieren, ohne dessen strategisches Verhalten wirklich zu verändern. So prallten in Islamabad zwei völlig verschiedene Vorstellungen von „Friedensdividende“ aufeinander.
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Pakistan drängt weiter auf Feuerpause
Viertens zeigte sich, dass es längst nicht mehr nur um Iran und die USA geht. Die Gespräche sollten zwar die seit dem 7. April geltende zweiwöchige Waffenruhe absichern, doch parallel belasten die regionalen Fronten – vor allem Israel, Libanon und die Rolle der von Iran alimentierten Hisbollah – jeden Versuch einer Einigung. Pakistan drängte beide Seiten deshalb ausdrücklich, die Feuerpause einzuhalten. Doch solange an anderen Schauplätzen weitergeschossen wird, bleibt jede diplomatische Formel fragil. Mit anderen Worten: Selbst wenn Islamabad bei Atom- und Sanktionsfragen etwas Bewegung gebracht hätte, wäre noch immer offen gewesen, ob die Region diese Bewegung politisch überhaupt tragen kann.
Dass ausgerechnet Pakistan Gastgeber und Vermittler war, sagt viel über die Dringlichkeit der Lage. Islamabad hatte in den vergangenen Tagen mit großem diplomatischem Aufwand überhaupt erst erreicht, dass die Gespräche stattfanden und nicht schon vorher kollabierten. Das Land, einst von Washington unter Terror-Verdacht gerückt und als Taliban-Helfer ausgegrenzt, hat damit außenpolitisch an Gewicht gewonnen, aber auch das Risiko übernommen, als Schauplatz eines Fehlschlags dazustehen.

Verhandlungen gescheitert: Was kommt als nächstes?
Wie geht es jetzt weiter? Zunächst ist die Lage offen, aber nicht völlig abgebrochen. Iran signalisiert widersprüchlich, man habe derzeit keine neue Runde terminiert, zugleich könnten Gespräche auf technischer Ebene weitergehen. Die USA wiederum betonen durch Vize-Präsident Vance, man habe ein „letztes und bestes Angebot“ vorgelegt – übersetzt: weiter nachgeben will Washington vorerst nicht. Das deutet auf einige nervöse Tage hin: keine formelle Einigung, aber hinter den Kulissen wohl weiter Kontakt, weil beide Seiten wissen, dass ein komplettes Scheitern sofort militärische und wirtschaftliche Folgen hätte.
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Für die kommenden Wochen sind deshalb drei Szenarien entscheidend. Erstens: Hält die Waffenruhe? Wenn ja, gewinnt die Diplomatie noch einmal Zeit. Zweitens: Bleibt Hormus zumindest faktisch passierbar, oder kommt es dort zur nächsten Konfrontation zwischen iranischen Kräften und den USA? Drittens: Schafft Pakistan gemeinsam mit anderen Vermittlern eine kleinere Zwischenlösung – also keinen großen Frieden, sondern ein enges Paket aus Feuerpause, maritimer Deeskalation und Fortsetzung technischer Gespräche? Genau darauf läuft derzeit vieles hinaus. Ein umfassender Durchbruch ist nach Islamabad unwahrscheinlicher geworden. Aber ebenso klar ist: Zu explosiv ist die Lage, zu groß wären die Folgen eines neuen militärischen Ausbruchs, als dass man sich den Abbruch der Diplomatie wirklich leisten könnte.








