Nach 16 Jahren an der Regierung ist klar: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán wurde abgewählt. Die Tisza-Partei von Oppositionsführer Péter Magyar kann nach dem Wahlsieg voraussichtlich mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament regieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Ab dem 13. April wird Ungarn ein demokratischer Staat sein, in dem die Rechtsstaatlichkeit das Sagen hat“, erklärte Magyar. Spannend ist, dass Magyar selbst aus Orbáns Fidesz-Partei kommt. Er war zeitweise Fidesz-Beamter und als Diplomat in Brüssel für das ungarische Außenministerium, hatte aber bis zum Bruch mit der Partei kein politisches Wahlamt inne. Wie tickt der gebürtige Budapester? Was muss man über den Politiker wissen? Die wichtigsten Infos.
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Péter Magyar: Die wichtigsten Infos zum Ungarn-Politiker im Steckbrief
| Name | Péter Magyar |
| Geburtsdatum | 16. März 1981 |
| Amt | Vorsitzender der Partei Tisztelet és Szabadság Párt (TISZA) |
| Partei | Tisza |
| Parteimitglied seit | 2024 |
| Familie | drei Kinder, geschieden |
Péter Magyar wurde am 16. März 1981 in Budapest geboren. Er entstammt einer einflussreichen konservativen Familie und interessierte sich schon in jungen Jahren für Politik. Nach seiner Zeit in Brüssel, wo Magyar im diplomatischen Dienst arbeitete, kehrte er 2018 nach Ungarn zurück. Dort übernahm er die Leitung der staatlichen Agentur für Studentenkredite und war Aufsichtsratsmitglied in mehreren staatlichen Unternehmen. Seine Frau, die Fidesz-Politikerin Judit Varga, stieg 2019 zur Justizministerin im Kabinett Orbán auf.
- Ausbildung: Zwischen 1998 und 2003 studierte Magyar Jura an der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest. Im Rahmen des Erasmus-Programms war er 2002 zudem an der Humboldt-Universität in Berlin eingeschrieben. Während seines Jurastudiums freundete er sich mit Orbáns derzeitigem Bürochef Gergely Gulyás an und lernte seine spätere Frau kennen.
- Familie: Magyar war von 2006 bis 2023 mit Judit Varga verheiratet, mit der er drei gemeinsame Kinder hat. Seit 2023 ist das Paar geschieden. Magyars Mutter, Mónika Erőss, war Generalsekretärin des Obersten Gerichtshofs von Ungarn. Sie wurde im Jahr 2020 Vizepräsidentin des Nationalen Justizamtes. Seine Großmutter, Teréz Mádl, ist die Schwester des ehemaligen ungarischen Präsidenten Ferenc Mádl (1931 bis 2011). Sein Vater, István Magyar, ist Rechtsanwalt.
- Beruf: Magyar war ab 2010 im ungarischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel tätig. Dort war er für die Beziehungen zwischen der Regierung und dem Europäischen Parlament verantwortlich. Zudem war Magyar als Diplomat im Büro des Ministerpräsidenten tätig. Als Freund von Gulyás wurde er 2018 zum Leiter der Direktion für EU-Recht bei der Ungarischen Entwicklungsbank ernannt. Ab 2019 war Magyar Geschäftsführer des Studentenkreditzentrums.
Péter Magyar: Die wichtigsten Stationen seiner politischen Karriere
Magyar war früher selbst Mitglied in Orbáns Partei Fidesz und arbeitete für dessen Regierung. Im Februar 2024 erschütterte ein Skandal um die Begnadigung eines des Kindesmissbrauchs beschuldigten Mannes. Präsidentin Katalin Novák hatte im April 2023 eine Strafaussetzung (Gnadenakt) für eben jenen Endre Kónya genehmigt. Novák musste daraufhin am 10. Februar 2024 zurücktreten. Auch Magyars Ex-Frau, Justizministerin Judit Varga, gab bekannt, ihre politischen Funktionen niederzulegen, weil sie den Gnadenakt beglaubigt hatte.
Im Zuge dessen betrat Magyar mit scharfen Angriffen auf Orbán die politische Bühne. Er wurde rasant zum neuen Hoffnungsträger der Regierungsgegner. In einem Interview, das mehrere Millionen Menschen erreichte, kritisierte er offen die „Doppelmoral und strukturelle Korruption“ innerhalb des politischen Systems. Zuvor war Magyar der breiten Öffentlichkeit hauptsächlich als Begleiter seiner prominenten Ehefrau bekannt. Am 26. März und 6. April 2024 rief er in Budapest zu Demonstrationen gegen die Korruption der Regierung auf: Mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen.
Im April 2024 wurde Magyar stellvertretender Vorsitzender der Partei TISZA, die erst seit April 2021 existiert. Bei der Europawahl am 9. Juni 2024 holte die „Respekt- und Freiheitspartei“ aus dem Stand 30 Prozent der Stimmen und sieben Mandate. Auch Magyar selbst bekam einen Sitz im Europaparlament. TISZA schloss sich dort der konservativen EVP-Fraktion (Europäische Volkspartei) an, der unter anderem auch die CDU und CSU angehören. Im Juli 2024 wurde Magyar schließlich Vorsitzender der TISZA.
Nach der Parlamentswahl am 12. April 2026 wird Magyar voraussichtlich neuer Ministerpräsident des Landes.

Péter Magyar: Für welche Themen setzt sich der Politiker ein?
Der kometenhafte Aufstieg Magyars und die Sensation, die ihm nun gelang, haben nach Einschätzung des Politikexperten Andrzej Sadecki mit Magyars Status als ehemaliger Regierungs-Insider zu tun. Er sei einfach glaubwürdig gewesen, als er versicherte, „dass das System von innen verdorben sei“.
Der 45-Jährige, der die politische Kommunikation in Onlinenetzwerken beherrscht und auf Wahlkampfbühnen als versierter Rhetoriker auftritt, versprach den Ungarn im Wahlkampf nach 16 Jahren Orbán einen grundlegenden Wandel. Das von dem Rechtsnationalisten eingeführte, sogenannte System der „illiberalen Demokratie“ werde er „Stein für Stein“ abbauen, kündigte Magyar an. Auch versprach der konservative Politiker seinen Wählern bei den vielen Kundgebungen, die er vor allem auch in ländlichen Regionen abhielt, Verbesserungen im Gesundheitswesen und einen entschlossenen Kampf gegen die in Ungarn unter Orbán grassierende Korruption.
Magyar, der äußerlich auch als Bankmanager durchgehen könnte, sei schnell als „mutig und tatkräftig“ wahrgenommen worden, sagt die Medienwissenschaftlerin Veronika Kovesdi von der Elte-Universität in Budapest. Zudem sei ihm die Bereitschaft zugeschrieben worden, „persönliche Risiken einzugehen“. Durch seine Kommunikation in den Onlinenetzwerken habe er sich eine große Reichweite verschafft. Nach Einschätzung von Kovesdi sehen viele seiner Anhänger in ihm einen „Helden“, der „unermüdlich für sie kämpft“.
Mit zunehmender Popularität sah sich Magyar aber zugleich einer Reihe von Anschuldigungen ausgesetzt, die er als einen „Tsunami aus Hass und Lügen“ bezeichnete. Dazu zählten auch Vorwürfe häuslicher Gewalt, die von seiner Ex-Frau Varga erhoben wurden.
dw/AFP





