Rheinmetall drängt in das nächste Geschäftsfeld: Der Düsseldorfer Rüstungskonzern will künftig auch ballistische Raketen bauen. Gemeinsam mit dem niederländischen Raketenhersteller Destinus kündigte das Unternehmen am Montag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens an. Der Name: Rheinmetall Destinus Strike Systems.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Gründung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Wie Rheinmetall mitteilt, soll der deutsche Konzern 51 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, Destinus die übrigen 49 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen werde „fortschrittliche Raketensysteme herstellen, vermarkten und liefern“. Genannt werden Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie, also Waffensysteme für Angriffe über große Entfernungen. Verkauft werden sollen sie an Nato-Staaten und weitere internationale Kunden.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Rüstungsindustrie in Europa: Warum die Nachfrage nach Raketen wächst
Rheinmetall begründet den Vorstoß mit einer neuen Realität des Krieges. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten hätten gezeigt, heißt es vom Unternehmen, dass moderne Armeen solche Systeme nicht mehr nur in kleinen Stückzahlen benötigten. Der Bedarf werde inzwischen in deutlich größeren Dimensionen gedacht, womöglich in zehntausenden Einheiten pro Jahr.
Destinus soll dabei den Teil liefern, den Rheinmetall bislang nicht selbst abdeckt: einschlägige Erfahrung im Raketenbau. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen ein wichtiger Lieferant der ukrainischen Armee und verfügt in Europa bereits über Kapazitäten für mehr als 2000 Marschflugkörpersysteme pro Jahr. „Wir verbinden die Produktionskapazitäten und die Erfahrung von Rheinmetall im Management von Großprogrammen mit der spezifischen Technologie und dem Systemdesign von Destinus“, erklärte Rheinmetall-Chef Armin Papperger.
Der Anspruch ist groß. Beide Unternehmen erklären, sie wollten die Lücke zwischen dem wachsenden Bedarf Europas und der Ukraine auf der einen Seite und den begrenzten Fähigkeiten der europäischen Rüstungsindustrie auf der anderen schließen.
Auch interessant
Für Rheinmetall ist der Schritt nicht nur strategisch, sondern auch finanziell interessant. Nach eigenen Angaben rechnet der Konzern kurzfristig mit Marktchancen von mehreren Hundert Millionen Euro, langfristig mit einem Potenzial im niedrigen Milliardenbereich. Produziert werden soll in deutschen Rheinmetall-Werken, deren Kapazitäten dafür erweitert werden. Für Destinus-Chef Mikhail Kokorich markiert das bereits einen größeren Umbruch: Europa trete, wie er sagt, „in eine neue Phase der Skalierung der Raketenproduktion ein“.
mit AFP








