Je länger der Iran-Krieg dauert, desto klarer wird: Sein Ende hängt weniger an Bomben als an einer trockenen Formel für Uran. Hormus-Blockaden, Sanktionen, Waffenruhe – all das bleibt wichtig. Der eigentliche Schlüssel liegt aber bei zwei Fragen: Was geschieht mit Irans Bestand von zuletzt 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran, also nur noch einen überschaubaren technischen Schritt von der Atomwaffenfähigkeit entfernt? Und darf der Iran künftig überhaupt noch selbst anreichern – wenn ja, wie und unter welcher Kontrolle? Daran entscheidet sich, sagen Kenner früherer US-Regierungen in Washington, ob Donald Trump am Ende genau dort landet, wo er nie landen wollte: bei einer modernisierten Version des Obama-Abkommens von 2015, des JCPOA, das er 2018 als „defekten Deal“ verdammte und kündigte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Trump stellte am Mittwoch im US-Fernsehen ein „sehr nahes“ Kriegsende in Aussicht. Noch in dieser Woche könne es zu weiteren Verhandlungen mit Teheran kommen. Stimmt das, stünde die Atomfrage mit Sicherheit ganz oben.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Die Kollision der Positionen ist offen. Bei der ersten direkten Verhandlungsrunde zwischen Iran und USA seit fast 50 Jahren vor einer Woche in Islamabad verlangte Vizepräsident JD Vance als Delegationsführer nach übereinstimmenden Berichten ein langes Moratorium der iranischen Uran-Anreicherung: 20 Jahre. Teheran bot maximal fünf an.

Für den Iran ist Anreicherung des Urans nicht nur Technik, sondern Souveränität

Parallel drängte das Weiße Haus auf die Herausgabe oder Neutralisierung des hochangereicherten Materials, das in unterirdischen Schächten unter dem Trümmerfeld des im Juni bombardierten Atomstandorts Isfahan vermutet wird. Der Iran wiederum besteht auf seinem „Recht auf Anreicherung“ zu zivilen Zwecken. 

Außenminister Abbas Araghtschi sagte, das iranische Beharren auf Anreicherung wurzele „in einem Wunsch nach Unabhängigkeit und Würde“. Übersetzt: Für Teheran ist Anreicherung nicht nur Technik, sondern Souveränität. Wer sie dem Land vollständig versagen will, verlangt aus iranischer Sicht nicht Kontrolle, sondern Unterwerfung.

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Deshalb ist nach Einschätzung von Kriegsbeobachtern in Washington ein gesichtswahrender Ausweg für beide Seiten nur denkbar, wenn Bestand und Zukunft getrennt werden. 

Beim vorhandenen Uran ist die Landebahn erstaunlich klar. Schon im Februar berichteten US-Medien, Irans Atomchef habe die Verdünnung des 60-Prozent-Materials ausdrücklich in Aussicht gestellt – gegen finanzielle Sanktionserleichterungen. Anfang April bestätigte das auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Würde dieses Material außer Landes gebracht, versiegelt oder unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde so weit neutralisiert, dass es dauerhaft nicht mehr rasch waffenfähig gemacht werden kann, hätte Washington einen „greifbaren Erfolg in der Hand“, sagen Iran-Kenner in der US-Hauptstadt.

Auf Obamas Kurs? Die historische Ironie ist offenkundig

Bei der Zukunft ist der Korridor enger, aber nicht völlig verschlossen. Der Nichtverbreitungsvertrag beschreibt in Artikel IV die friedliche Nutzung der Kernenergie ausdrücklich als legitim. Praktisch heißt das: Ein Null-Anreicherungsregime, wie JD Vance es verlangt haben soll, ist mit Teheran nicht zu machen. 

Schon 2025 kursierten Entwürfe, die den Kern des JCPOA von Obama bewahren würden: eine Obergrenze von 3,67 Prozent, strikte Limits für Bestände und Zentrifugen, Export oder Verdünnung des 60-Prozent-Materials und stark ausgeweitete IAEA-Kontrollen. Das wäre keine Kapitulation Irans. Aber es läge weit genug von der Bombe entfernt, um Washington einen Erfolg zu erlauben.

US-Präsident Trump
Was nach seinem Vorgänger Barack Obama riecht, mag der US-Präsident Donald Trump nicht.© Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa | Julia Demaree Nikhinson

Die historische Ironie ist offenkundig. Das Abkommen von 2015 erlaubte dem Iran eine Anreicherung genau bis 3,67 Prozent. Trump kündigte es vor acht Jahren, ohne einen Ersatz vorzulegen. Erst danach begann der Iran, diese Grenze systematisch zu überschreiten. Ausgerechnet der Mann, der das alte Abkommen als zu weich verwarf, verhandelt heute wieder über genau jene Instrumente, die er damals beseitigte: Begrenzung der Anreicherung, Export oder Verdünnung von Beständen, IAEA-Verifikation, Sanktionslockerungen.

Genau darin liegt Trumps Dilemma. „Ein realistischer Erfolg“, sagt ein ehemaliger US-Diplomat, „sähe verdächtig nach Obama II aus.“

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Uran in Iran: Ein politischer und strahlungstechnischer Albtraum

Und die militärische Alternative? Bleibt ein Höllenritt. Richard Haas, früher Berater mehrerer US-Außenminister, formuliert es so: „Die Entsendung von Bodentruppen, um das bekannte angereicherte Uran aus dem Iran zu schaffen, ist ebenso unrealistisch wie gefährlich.“ Erforderlich seien vielmehr Verhandlungen, die den Abtransport des Materials – womöglich nach Russland – und internationale Inspektionen einschlössen. 

IAEA-Chef Rafael Grossi bestätigt den Kern des Problems. Seinen Angaben zufolge liegt das Uran zum großen Teil weiter in einem Tunnelkomplex bei Isfahan, der die Angriffe aus dem vergangenen Sommer überstanden hat. Eine militärische „Lösung“ hieße also, hochgefährliches Material in einem zerstörten, teilweise unterirdischen Gelände unter Kriegsbedingungen aufzuspüren, zu sichern und abzutransportieren – militärisch, logistisch, politisch und strahlungstechnisch ein Albtraum.

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Als Mahnung gilt eine Spekulation einzelner Kommentatoren und Nischenmedien in den USA, die sich die umfangreiche Rettungsoperation für einen abgeschossenen US-Piloten im Iran vor einigen Tagen genauer angesehen haben. Danach habe die Mission, bei der US-Fluggerät im Wert einer dreistelligen Millionensumme zerstört zurückgelassen wurde, in Wahrheit einem missglückten Uran-Bergungsversuch gegolten. Bewiesen ist das nicht. Doch die Botschaft dahinter ist klar: Finger weg von einem weiteren Himmelfahrtskommando.

Was nach Obama riecht, mag Trump nicht

Wie könnte, so es denn tatsächlich weitere Verhandlungen geben wird, ein für beide Seiten nach innen wie außen „verkaufbarer“ Nuklearkompromiss aussehen, der im nächsten Schritt dann auch die Blockade der Straße von Hormus lockern und das iranische Maut-Modell beenden müsste? 

In Kurzform, so ein demokratischer Iran-Außenpolitiker: „Iran gibt den 60-Prozent-Bestand ab oder verdünnt ihn kontrolliert, friert die Anreicherung befristet ein oder deckelt sie wieder auf 3,67 Prozent, lässt die IAEA mit deutlich breiteren Befugnissen regelmäßig nachsehen und erlaubt in Hormus gegen gestufte Sanktionslockerungen und Sicherheitszusagen der Amerikaner wieder die freie Schiffspassage.” 

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Dagegen sprechen Israels Null-Linie bei der Anreicherung, Trumps tiefe Abneigung gegen alles, was nach Obama riecht, und Irans Misstrauen nach zweimaligen Angriffen während laufender Diplomatie. Dafür spricht fast alles andere: die Untauglichkeit einer militärischen Sicherung am Boden, die Zähigkeit des Materials in Isfahan und der wachsende ökonomische Druck, Hormus wieder für den globalen Warenverkehr zu öffnen. 

Der Ex-Diplomat aus alter demokratischer Zeit sagt es so: „Wenn Donald Trump den Krieg rasch beenden will, wird er sich am Ende wohl mit genau jenem Ergebnis abfinden müssen, das er jahrelang bekämpft hat – kein totaler Sieg, sondern ein begrenzter, überprüfbarer und ziemlich obamaesker Deal.“