Pete Hegseth wollte dem Moment Glanz geben. Ein über Iran abgeschossener US-Pilot war gerettet worden. Das Pentagon versammelte sich zum Gebet. Und Trumps Verteidigungsminister, ein ehemaliger TV-Moderator, der jeden zweiten Satz gern mit Gott, Ehre und Nation auflädt, griff zum Buch Hesekiel. Oder genauer: zu Quentin Tarantino. Hegseth sagte, die Gebetszeile heiße „CSAR 25:17“ und solle, wie er meinte, auf Hesekiel 25,17 verweisen. Was dann folgte, klang allerdings nicht nach Bibel, sondern sehr nach Samuel L. Jackson kurz vor einem Mord in Quentin Tarantinos Meisterwerk „Pulp Fiction“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der „Weg des abgestürzten Fliegers“, betete Hegseth, sei „von allen Seiten umstellt von der Bosheit der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer“. Am Ende hieß es nicht „Ich bin der Herr“, sondern: „Ihr werdet meinen Rufnamen kennen – Sandy One.“ Mehr Pentagon-Pastoralkitsch war selten.
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Pseudo-Bibelstelle landet im Pentagon
Der peinliche Kern des Auftritts liegt in der Fallhöhe. In der echten Bibel geht Hesekiel 25,17 viel kürzer – und deutlich weniger filmreif. Der berühmte Monolog stammt aus „Pulp Fiction“, wo Jacksons Figur eine falsche, kunstvoll aufgepumpte Pseudo-Bibelstelle aufsagt, bevor sie einen Gangster erschießt. Ausgerechnet diese Hollywood-Fälschung landete nun im Gebetsraum des Pentagons.
Hegseths Sprecher Sean Parnell räumte den Ursprung schließlich halb ein. Das Ganze sei ein „maßgeschneidertes Gebet“ gewesen, „offensichtlich inspiriert von Dialogen aus ‚Pulp Fiction‘“. Wer behaupte, der Minister habe Hesekiel falsch zitiert, verbreite „Fake News“ und sei „ignorant gegenüber der Realität“.
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Das ist eine bemerkenswerte Verteidigung: Nicht etwa, es sei kein Tarantino gewesen – sondern Tarantino sei eben irgendwie auch Bibel.
Der Vorfall wäre vor allem komisch und absurd, wenn er nicht so gut zu Hegseths Amtsführung passen würde. Der frühere Fernseh-Mensch regiert das größte Verteidigungsministerium des Westens seit Monaten, als sei es ein Kabelsender auf Koffein. Bereits im vergangenen Jahr verbreitete Hegseth sensible Angriffspläne über die App Signal, darunter ausgerechnet Startzeiten für einen Angriff im Jemen. Später meldeten US-Medien, dass er Informationen über sein persönliches Telefon auch an Ehefrau, Bruder und Anwalt weitergeschickt habe.
Feldzug gegen die Presse
Als die Sache aufflog, sagte Hegseth im typischen Opferduktus: „Was für eine große Überraschung, dass ein paar Durchstecher gefeuert werden und dann eine Menge Schmiergeschichten auftauchen.“ Kurz darauf wurden im Pentagon mehrere enge Mitarbeiter im Zuge einer Ermittlung über die Weitergabe interner Informationen beurlaubt.
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Hinzu kam der Feldzug gegen die Presse. Hegseth ließ Journalisten mit einer neuen Zugangsordnung wie potenzielle Sicherheitsrisiken behandeln; wer die falschen Fragen stellte, konnte seinen Ausweis verlieren. Ein Bundesrichter stoppte das, nannte das Vorgehen einen „offenkundigen Versuch“, eine gerichtliche Anordnung zu umgehen. Bei einer späteren Anhörung fragte derselbe Richter entnervt: „Ist das Kafka? Was geht hier vor?“ Das ist für einen Verteidigungsminister kein idealer Eintrag ins Arbeitszeugnis.
Und weil Satire in Washington selten mit dem Amtseid endet, legte Hegseth am Tag nach dem Tarantino-Gebet noch nach. Vor Reportern verglich er die „Trump hassende Presse“ mit den Pharisäern, die Jesus vernichten wollten. „Unsere Presse ist genau wie diese Pharisäer“, sagte er. Der Historiker John Fea erklärte, die Regierung hebe sich inzwischen gerade durch ihre „starke, eindeutige religiöse Sprache“ von früheren Kriegsregierungen ab. Anders gesagt: Hegseth ist nicht bloß fromm. Er ist theatralisch fromm – und verwechselt dabei regelmäßig Kanzel, Kommandozentrale und Kommentarspalte.
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So bleibt von diesem Pentagon-Moment ein Bild, das in Washington haften dürfte: ein Verteidigungsminister, der im Krieg Pathos produzieren will und bei Tarantino landet; der Bibel sagt und Kino meint; der Andacht aufführt und unfreiwillig eine Parodie inszeniert. Man könnte sagen: Hegseth und Hesekiel – ein Paar für die Ewigkeit.










