Die Lage in der Straße von Hormus hat sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt. Im Zuge des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran ist die strategisch zentrale Wasserstraße zum Schauplatz militärischer Konfrontationen geworden. Sowohl die USA als auch der Iran setzen gezielt Maßnahmen ein, um den Schiffsverkehr zu kontrollieren, zu behindern oder ganz zu unterbinden. Immer wieder werden Handelsschiffe gestoppt, festgesetzt oder sogar beschlagnahmt – mit unmittelbaren Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch wie genau funktioniert das Stoppen eines Öltankers in einer solchen Situation? Unsere Redaktion hat dazu mit dem maritimen Militärexperten Moritz Brake gesprochen.

Militärexperte Moritz Brake
Moritz Brake ist Experte für maritime Sicherheit an der Uni Bonn, Gründer und Geschäftsführer von Nexmaris, einem Beratungsunternehmen für maritime Sicherheit, und Reserveoffizier der Deutschen Marine.© Moritz Brake | Moritz Brake

Hormus: Experte erklärt Lagebild und strategische Bedeutung

Seeblockaden gehören seit Jahrhunderten zum militärischen Instrumentarium. „Sie sind sehr wirksam, weil wir damals wie heute in unseren Gesellschaften extrem vom Seehandel abhängig sind“, so Brake. Rund 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs laufen über die Meere, ein Großteil der Energieversorgung Europas wird auf dem Seeweg transportiert.

Um eine Blockade durchzusetzen, sei zunächst ein umfassendes Lagebild entscheidend, so Brake. Dieses entstehe durch die Kombination aus Satellitendaten, Luftaufklärung und Funksignalen der Schiffe.

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Ankündigung der Blockade

Eine Seeblockade muss klar kommuniziert werden, um legitim zu sein. „Seeleute müssen die Möglichkeit haben, von der Blockade zu erfahren“, erklärt Brake. Dazu gehören offizielle Ankündigungen sowie direkte Funksprüche an Schiffe in der Region.

Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig klare Kommunikation ist. Der Iran hatte zunächst eine Öffnung der Meerenge von Hormus signalisiert, diese Entscheidung jedoch nach einem Tag wieder zurückgenommen. Solche widersprüchlichen Signale sorgen für erhebliche Unsicherheit unter Reedereien und Kapitänen.

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Erste Warnmaßnahmen

Reagiert ein Schiff nicht auf Funkanweisungen, folgen abgestufte Warnmaßnahmen. „Wenn ein Schiff nicht kooperiert, kann man einen Schuss vor den Bug abgeben“, erklärt Brake. Ziel ist es, die Ernsthaftigkeit der Lage zu verdeutlichen, ohne sofort Gewalt gegen das Schiff selbst anzuwenden.

Satellitenaufnahme des Persischen Golfs
Die Straße von Hormus in einer Satellitenaufnahme.© -/The Visible Earth/NASA/dpa | -

In der Straße von Hormus kam es zuletzt mehrfach zu solchen Situationen. Berichten zufolge wurden Schiffe beim Durchqueren der Meerenge bedroht, teilweise fielen Warnschüsse in unmittelbarer Nähe. Dabei gilt: Eine legitime Blockade im militärischen Sinn erfordert die physische Präsenz vor Ort. Eingriffe ausschließlich aus der Luft oder per Raketen aus großer Entfernung gelten nach militärischen Regeln nicht als rechtmäßige Durchsetzung. „Das, was der Iran also macht, ist zwar eine effektiv funktionierende, aber eine illegitime Blockade“, sagt Brake.

Eskalation: Beschuss und Beschlagnahmung

Bleibt ein Schiff weiterhin unkooperativ, entscheidet die Marine über die nächste Eskalationsstufe. „Dann stellt sich die Frage, welches Mittel geeignet ist, ohne die eigene Besatzung zu gefährden“, so Brake. Ein Entern durch Soldaten sei riskant, wenn sich ein Schiff unkooperativ zeigt, da mit Widerstand gerechnet werden muss.

Im aktuellen Konflikt griff die US-Marine zu einem drastischen Mittel: Ein Schuss in den Maschinenraum setzte ein iranisches Schiff außer Gefecht. „Das ist ein sehr harter Schritt“, sagt Brake. Im Maschinenraum seien normalerweise auch Menschen. „Aber militärisch war es nachvollziehbar.“ Erst nach dem Schuss wurde das Schiff durch die US-Soldaten geentert und beschlagnahmt.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Risiken und Abwägungen

Der Beschuss von Öltankern birgt Risiken, auch wenn laut Brake ein „Hollywood-Effekt“ – wie das Explodieren eines ganzen Schiffes – aufgrund des Flammpunktes von Rohöl nicht realistisch ist. Zwar wird gezielt versucht, kritische Bereiche wie Ladungstanks zu vermeiden, doch Schäden an Treibstofftanks – wie sie laut Brake oft in der Nähe des Maschinenraums vorkommen – können bereits gravierende Umweltfolgen haben. „Solche Risiken werden in militärischen Erwägungen oft nachrangig behandelt – genauso wie die Menschenleben, die gefährdet werden“, erklärt der Militärexperte.

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Auch die festgesetzten Besatzungen müssen bei einer Seeblockade eigene Entscheidungen treffen. So haben einige Schiffe die Straße von Hormus trotz Blockade durchquert. Teilweise geschah dies unter Umgehung gängiger Sicherheitsmaßnahmen, etwa durch das Abschalten von Transpondern wie im Fall des griechischen Öltankers „Atokos“. Auch das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ hat die Meerenge am vergangenen Wochenende durchquert und wurde von den iranischen Revolutionsgarden bedroht. Laut dem Kapitän hätten sie erklärt: „Wir führen einen Einsatz aus, wir werden schießen und euch zerstören.“ Nahe dem Schiff sei ein Einschlag ohne Schäden gemeldet worden.

Militärexperte: „Seeblockaden sind kein friedlicher Akt“

„Seeblockaden sind kein friedlicher Akt“, erklärt Brake. Die Blockade in der Straße von Hormus hat aber nicht nur militärische, sondern vor allem auch wirtschaftliche Tragweite. Große Tanker können laut Brake bis zu 300.000 Tonnen Rohöl transportieren. Das sei ungefähr der Tagesbedarf Deutschlands. Während die Bundesrepublik jedoch auf andere Öl-Lieferanten zurückgreifen kann, seien andere Länder, beispielsweise in Asien, deutlich stärker betroffen.

Mit der Straße von Hormus habe der Iran nun ein Faustpfand in der Hand, das er nicht so schnell aus der Hand geben wird. Brake erklärt: „Hier geht es nicht nur um das Festsetzen von Schiffen. Diese Blockade verändert das wirtschaftliche Fundament und die machtpolitische Konstellation dieser Welt.“