Vertrauen ist keine Emotion, sondern die unsichtbare Infrastruktur moderner Gesellschaften – mit dieser Leitthese rahmt Julia Becker am Donnerstag, 23. April 2026, ihre Grundsatzrede bei den Medientagen Mitteldeutschland 2026 in Leipzig. Die Aufsichtsratsvorsitzende der Funke-Mediengruppe, zu der auch diese Zeitung gehört, beschreibt Vertrauen als knappe Ressource, die Prozesse beschleunigt und Zusammenarbeit ermöglicht: „Vertrauen spart Zeit, spart Geld, spart Nerven“, sagt Becker. Wo Vertrauen fehle, wachse Isolation – gerade in der Mediennutzung. Zugleich verankert sie den Begriff im Alltag: Vertrauen trage Familien, Freundschaften und Unternehmen; Misstrauen mache „alles langsamer, schwerer, teurer“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Verlegerin verortet den Journalismus als demokratische Infrastruktur: nicht austauschbar, weil er Macht sichtbar mache, einordne und begrenze. Und sie betont: „Journalistische Medien sind eine tragende Säule der Demokratie.“ Doch genau dieses Vertrauen stehe unter Druck. Die öffentliche Kommunikation werde von wenigen globalen Plattformen geprägt; Sichtbarkeit sei zur Währung geworden. Algorithmen von Meta, Alphabet oder Bytedance belohnten Emotionalisierung, während Differenzierung und Kontext zu kurz kämen. Das führe zu einer strukturellen Schieflage zulasten redaktioneller Angebote.
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Becker fordert Digitalabgabe und klare Regeln für KI
Zusätzlich verschieben die Systeme Künstlicher Intelligenz (KI) von großen Anbietern wie OpenAI und Google Reichweite und Monetarisierung: Sie beruhen zu Teilen auf journalistischer Arbeit, verlagern aber Wertschöpfung von Produzierenden zu Aggregatoren. Das gefährde Vielfalt, Qualität und Investitionsfähigkeit des Journalismus, sagt Becker. Sie betont zudem die Verantwortung der Verlage selbst: Als Familienunternehmerin verweist sie auf über eine Milliarde Euro, die Funke in den vergangenen zehn Jahren in deutsche Medienmarken investiert habe – und auf die Rolle regional verankerter Redaktionen.
Becker verbindet Analyse mit konkreten politischen Forderungen: Erstens brauche es eine strukturelle Vergütung für die Plattformnutzung journalistischer Inhalte – etwa eine Digitalabgabe –, damit redaktionelle Arbeit an der digitalen Wertschöpfung beteiligt wird. Zweitens fordert sie klare, durchsetzbare Regeln für KI: Transparenz, Kennzeichnung, wirksamen Urheberrechtsschutz und eine faire Beteiligung der Rechteinhaber. Drittens plädiert sie für eine präzisere Mandatsschärfung im Mediensystem mit Fokus und klaren Schwerpunkten. Viertens müsse Medienpolitik als Demokratiepolitik begriffen und entsprechend priorisiert werden. Studien zeigten, dass klassischen Medien hierzulande mehr geglaubt werde als sozialen Netzwerken – „eine gute Nachricht“, die jedoch nur ein „Vorschuss“ bleibt.
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Beckers Appell ist doppelter Natur: Branchenintern fordert sie, Qualität, Nähe und digitale Transformation entschlossen zu finanzieren; politisch drängt sie auf Leitplanken, die fairen Wettbewerb, Urheberrechte und Transparenz sichern. Vertrauen entstehe nicht zufällig, sondern aus verlässlichen Strukturen: aus guter Redaktionsarbeit, klaren Regeln für Plattformen und KI sowie einer Medienordnung, die öffentliche Güter stärkt. „Noch trägt uns das Vertrauen“, sagt Becker, „aber dieses Vertrauen ist kein Besitzstand, es ist ein Vorschuss.“






