Irans Außenminister Abbas Araghtschi als Reisediplomat: Am Wochenende war er in Pakistan, US-Präsident Donald Trump hatte allerdings seine Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner zurückgepfiffen. Araghtschi übergab in Pakistan „schriftliche Nachrichten“ an die Regierung der USA, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Darin gehe es um „rote Linien“, Irans Position zu Atomwaffen und die Straße von Hormus. Dann war der Chefdiplomat im Oman und nun sucht Araghtschi Unterstützung in Russland.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das Treffen in Sankt Petersburg ist hochrangig. Araghtschi sprach mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, auch ein Gespräch mit Außenminister Sergej Lawrow steht auf dem Programm. Putin äußerte die Hoffnung auf baldigen Frieden in der Region. „Wir sehen, wie tapfer und heldenhaft das iranische Volk um seine Unabhängigkeit kämpft, um seine Souveränität“, so Putin. Araghtschi dankte Russland für die Unterstützung. Schon im Vorfeld betonte Kazem Jalali, der iranische Botschafter in Moskau, der Iran und Russland würden in regionalen und internationalen Fragen eine gemeinsame Position vertreten. Doch tun sie das wirklich?

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Vordergründig ja. Der Iran ist einer der letzten Partner Russlands im Nahen Osten. Zumindest am Anfang des Krieges in der Ukraine war das Mullah-Regime wichtiger Waffenlieferant. Erste Berichte über die Lieferung von Shahed-131- und Shahed-136-Kampfdrohnen tauchten bereits Ende 2022 auf. Inzwischen werden die Drohnen in Russland gebaut. Der Iran war auch an russischer Militärtechnik interessiert. Doch im Konflikt mit den USA wird Russland den Iran aller Wahrscheinlichkeit nach nicht militärisch unterstützen.

Straße von Hormus: Wird Iran die wichtige Route dauerhaft kontrollieren?

Diplomatisch allerdings steht Moskau an der Seite Teherans. Außenminister Lawrow bekräftigte vor seinem jüngsten Besuch in China „Russlands anhaltende Bereitschaft, bei der Lösung der Krise, für die es keine militärische Lösung gibt“. Man müsse die „Ursachen des Konflikts angehen, wobei die legitimen Interessen der Islamischen Republik Iran und ihrer Nachbarn berücksichtigt“ werden müssten.

Konkreter wird Alexej Puschkow, der Vorsitzende des Ausschusses für Informationspolitik im russischen Föderationsrat: „Ich schließe nicht aus, dass der Iran nun Atomwaffen entwickeln wird. Da Israel und die USA sein Atomprogramm zerstören wollten, wird er es nun mit Sicherheit wiederbeleben. Und ich glaube nicht, dass irgendjemand ihn aufhalten kann.“ Und weiter: „Wenn der Iran die gegenwärtige Krise überwindet, könnte seine Kontrolle über die Straße von Hormus zu einem dauerhaften Merkmal der Region werden.“

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Setzt sich der Iran durch, dann wird es in Zukunft Transitgebühren für die Durchfahrt von Handelsschiffen geben. Viele Milliarden Dollar an Einnahmen erhofft sich das Land, Schiffen aus den USA, Israel und anderen an den Sanktionen gegen den Iran beteiligten Ländern würde die Durchfahrt durch die Straße von Hormus untersagt. Russland könnte allerdings von den Transitgebühren befreit werden. „Unser Außenministerium versucht derzeit, die für befreundete Länder wie Russland vorgesehenen Ausnahmen zu nutzen“, zitiert das Portal „islamnews“ Botschafter Kazem Jalali.

Keine Behinderungen in der Straße von Hormus, das würde der kriselnden russischen Wirtschaft nutzen. Andererseits benötigt der Kreml auch US-Präsident Donald Trump. Über einen Frieden in der Ukraine wird derzeit nicht verhandelt, wohl aber über neue Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und den USA. „Russland und die Vereinigten Staaten haben sich in den Bereichen Handel, Energie, Digitaltechnik, Hochtechnologie und Weltraumforschung viel zu bieten“, lockte Wladimir Putin beim Gipfel in Alaska im August letzten Jahres.

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Die Aufhebung einiger US-Sanktionen gegen Russland ist im Gespräch

Gespräche gibt es auch über die Aufhebung einiger US-Sanktionen gegen Russland. Letzteres ist für Putin besonders wichtig. Auf dem letzten Petersburger Wirtschaftsforum im Juni 2025 standen US-amerikanische Unternehmen Schlange. Angesetzt war unter anderem ein „Business-Dialog Russland-USA“. „Der Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung gemeinsamer Interessen und der Gestaltung langfristiger Partnerschaften“, hieß es im Programm. Unter der Fragestellung: „Wie können die Voraussetzungen für die Wiederherstellung und den Ausbau der Geschäftskooperation zwischen Russland und den Vereinigten Staaten geschaffen werden?“

Moskau will in der Iran-Krise vermitteln. Auch darüber sprach man in Sankt Petersburg. „Wir werden von unserer Seite alles tun, was in ihrem Interesse liegt und den Interessen aller Völker der Region entspricht, damit der Frieden so schnell wie möglich erreicht werden kann“, so Putin. Einen neuen Vorschlag in Richtung der Beendigung des Krieges hat Araghtschi laut dem Nachrichtenportal „Axios“ den pakistanischen Vermittlern übergeben: Aufhebung der Seeblockade, Verhandlungen über das iranische Atomprogramm zu einem späteren Zeitpunkt. Für Donald Trump ist das derzeit unannehmbar.

Unterdessen steigt der Ölpreis weiter. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zog auf 108,50 US-Dollar an. Das sind rund drei Prozent mehr als in der Vorwoche. Von hohen Ölpreisen profitiert Wladimir Putin. Befristet hatte Donald Trump die Sanktionen gegen russische Ölexporte ausgesetzt. Das spült viel Geld in den maroden russischen Staatshaushalt. Russische Energie geht vor allem in Richtung China. „Russland ist führend bei den Öl- und Gasexporten nach China“, hatte Putin im September 2025 vor seinem Staatsbesuch in Peking in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Xinhua betont.