Es könnte alles so schön sein zwischen Merz und Trump. Der deutsche Bundeskanzler, so schien es, hat den Trump-Code geknackt. Friedrich Merz – so wollten es viele glauben – hat den einzig erfolgreichen Weg gefunden, wie man mit dem US-Präsidenten umgehen kann: Schmeicheln, wo es nötig ist – und gleichzeitig die Schultern breitmachen, wenn es um deutsche und europäische Interessen geht. Dazu ein bisschen von dem, was schon auf dem Schulhof funktioniert: Respekt durch Augenhöhe. Der unerschrockene Merz schien genau der Richtige zu sein, im Umgang mit dem Dealmaker im Weißen Haus.

Merz und Trump: Ein einziges Wort hat zum Bruch geführt

Doch jetzt, ein Jahr nach dem Amtsantritt des Kanzlers, steht das alles infrage: Auf den ersten Blick war es ein einziges Wort, das zum Bruch geführt hat. Merz‘ unglückliche, wenn auch vollkommen zutreffende Erklärung, der Iran habe die USA „gedemütigt“. Auf den zweiten Blick wird sichtbar, dass es eine Illusion war, zu glauben, dass es einen zuverlässigen Stil im Umgang mit Trump gibt. Die Wahrheit ist simpel: Es gibt ihn nicht.

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Julia Emmrich ist stellvertretende Ressortleiterin für Politik und Wirtschaft.© FMG | Anja Bleyl

Merz und seine Leute werden jetzt auf vielen Ebenen versuchen, Donald Trump wieder aus seinem Aggro-Modus herauszuholen, sie werden bemüht sein, dem Präsidenten keine weiteren Eskalationsgründe zu liefern. Das mittelfristige Ziel ist dabei klar: Wenn sich die Nato-Partner Anfang Juli in Ankara zum Gipfel treffen, soll Trump nicht nur dabei sein, sondern auch seine Rolle als wichtigster Bündnispartner wieder möglichst überzeugend spielen. Ob das gelingt? In Moskau sitzt jemand, der jetzt schon das Popcorn rausholt und genüsslich zuschaut.