Zwei unbemannte Systeme haben offenbar russische Hubschrauber im Wert von mehreren Millionen auf russischem Staatsgebiet zerstört. Der Vorfall soll sich bereits am 29. Juli auf einem offenen Feld in der Region Woronesch ereignet haben, über 150 Kilometer hinter der Frontlinie. Kommandeur Robert „Magyar“ Brovdi veröffentlichte auf Facebook ein Video des Einsatzes. Die Aufnahmen aus der Drohne zeigen, wie ein Mi-28-Kampfhubschrauber mit einem Schätzwert von 14,95 Millionen Euro in einer schwarzen Rauchwolke explodiert. Kurz darauf wird auch ein danebenstehender Mi-17 getroffen und zerstört, geschätzter Wert: 5,18 Millionen Euro. Die Echtheit der Videos kann nicht bestätigt werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die ukrainischen Unmanned Systems Forces (USF) reklamieren den Angriff als weiteren Erfolg ihrer Strategie, hochrangige Ziele weit hinter den feindlichen Linien anzugreifen. „Wir sind für den Feind wie ein rotes Tuch. Denn wir tragen den Krieg auf sein Territorium, damit auch er ihn zu spüren bekommt“, sagt Brovdi gegenüber BBC.

Die Hubschrauber hätten sich auf einer provisorischen Feldlandebahn befunden, um zwischen Einsätzen aufzutanken und gewartet zu werden – offenbar ohne ausreichenden Schutz gegen Drohnenangriffe.

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Gezielte Schwachstellen: Angriff auf den Triebwerksbereich

Laut Brovdi handelte es sich um eine präzise geplante Operation mit mehreren aufeinanderfolgenden Treffern. „Der Schlag traf den hinteren mittleren Teil des Triebwerksraums und ging an den Hauptrotorblättern vorbei“, berichtet er. Mindestens ein Wartungsspezialist sei bei dem Angriff getötet worden.

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Mann an einer Mi-17 arbeitet, als die Drohne einschlägt. Im letzten Moment dreht er sich um, erkennt die Gefahr wohl zu spät. Beim Angriff auf den Mi-28 ist zu sehen, wie es einer Person noch gelingt, vor der Drohne wegzurennen.

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Technologische Asymmetrie verschiebt das Kräfteverhältnis

Der zerstörte Mi-28, von der Nato als „Havoc“ klassifiziert, gilt als moderner Kampfhubschrauber mit Panzerung, Lenkwaffen und Bordkanone. Seit seiner Indienststellung 2009 wird er regelmäßig in russischen Militäroperationen eingesetzt. Der ebenfalls getroffene Mi-17 ist vielseitiger: Er dient dem Transport von Truppen und Material, kann aber auch bewaffnet eingesetzt werden. Er stammt aus Zeiten der Sowjetunion, ist aber weiterhin in Produktion und gilt als robust.

Dass beide Modelle nun durch vergleichsweise günstige Drohnen ausgeschaltet werden können, trägt zur asymmetrischen Kriegsführung bei. Kleine, schwer abzufangende Systeme treffen auf teure, komplexe Großgeräte.

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Angriffe in bisher unerreichter Tiefe

Brovdi zufolge hat die Ukraine ihre Angriffe auf Ziele im russischen Hinterland in den vergangenen Wochen deutlich intensiviert. Besonders im Fokus stünden inzwischen auch Ölexportanlagen. Dabei haben sie nach eigenen Angaben mit Drohnenangriffen eine große russische Ölraffinerie in der Region Leningrad sowie ein Werk für Navigationssysteme von Raketen und Drohnen getroffen, wie die USF auf „X“ veröffentlichte. Die Anlage habe eine Verarbeitungskapazität von etwa 20 bis 21 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr und zähle damit zu den drei größten Raffinerien Russlands.

Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte diese tiefen Angriffe auch „sehr schmerzhaft“ für Moskau, da sie trotz des jüngsten Anstiegs der weltweiten Ölpreise „erhebliche“ Verluste in Höhe von mehreren zehn Milliarden Dollar im Energiesektor verursachen.

Ukrainische Langstreckendrohnen könnten mittlerweile Ziele in einer Tiefe von 1.500 bis 2.000 Kilometern erreichen. „Der freiheitsliebende ukrainische ‚Vogel‘ fliegt dorthin, wo und wann immer er will“, sagte Brovdi. Die Vorstellung eines sicheren Rückraums für russische Streitkräfte werde damit „faktisch ausgelöscht“.

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FPV-Drohnen als Wendepunkt der Luftkriegsführung

Die aktuelle Operation reiht sich in eine Serie von Angriffen ein, bei denen sogenannte First-Person-View-Drohnen (FPV) eine zentrale Rolle spielen. Bereits im August 2024 wurde ein Mi-8-Hubschrauber im Flug beschädigt. Im September 2025 folgte ein weiterer Treffer, im März schließlich der Abschuss eines Ka-52-Kampfhubschraubers, ebenfalls durch eine FPV-Drohne, wie „The Kyiv Independent“ berichtet.

Die Entwicklung deutet auf eine Veränderung der Luftkriegsführung hin. Während klassische Luftabwehrsysteme auf größere Ziele ausgelegt sind, operieren Drohnen flexibel, präzise und zunehmend in großer Tiefe. Die Kosten-Nutzen-Rechnung verschiebt sich – zulasten konventioneller Militärtechnik.

Gleichzeitig bleibt unklar, wie nachhaltig diese Strategie ist. Die Angaben zu Erfolgsquoten und Verlustzahlen stammen aus ukrainischen Militärkreisen und lassen sich unabhängig schwer überprüfen. Russland hat sich bisher nicht zu dem Angriff geäußert.