Wenn US‑Präsident Donald Trump am Donnerstag Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking trifft, kommt er als Scheinriese. Der mächtigste Mann der Welt hat sich im Iran-Konflikt in eine Sackgasse manövriert. Die Vermittlungen im Ukraine-Krieg treten auf der Stelle. Trumps wutgeladene Drohkulissen sind im Nirwana verpufft. Sein Kalkül, den aufstrebenden Rivalen China kleinzuhalten, ist nicht aufgegangen. Die XXL-Zölle auf chinesische Importe und Exportverbote für US-Halbleiter-Produkte konterte Xi kühl mit Gegenzöllen und Ausfuhrstopps von kritischen Rohstoffen.

Heute tritt Trump als Bittsteller auf. Er will Xi umgarnen, damit dieser Druck auf Iran und Russland ausübt. Und er hofft auf eine stärkere Öffnung des chinesischen Marktes für US-Waren, um das gewaltige Handelsbilanzdefizit zu reduzieren. Trump wird in Peking eine Strategie-Lehrstunde erhalten. Obwohl China rund die Hälfte seines Ölbedarfs aus dem Nahen Osten deckt, hat es Rohstoffreserven für mehr als ein halbes Jahr angelegt.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Es hat seine Stellung als Weltmarktführer bei den Erneuerbaren ausgebaut, was die Abhängigkeit von Öl und Gas vermindert. Gerade weil sich Xi seiner Stärke bewusst ist, dürfte er Trump etwas entgegenkommen und zum Beispiel anbieten, mehr US-Sojabohnen oder Boeing-Flugzeuge zu kaufen. Aber er wird sich das teuer bezahlen lassen. Der Stopp oder die Verzögerung von US-Waffenlieferungen an Taiwan wäre für China ein strategischer Gewinn – und ein wichtiger Schritt, die als abtrünnig betrachtete Insel langfristig anzugliedern. Trumps Haltung in dieser Frage ist ein Indiz für das neue Kräfteverhältnis zwischen beiden Ländern.






