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nach seinem Auftritt bei Schülern im Hochsauerland, der schwere Verwicklungen mit dem Weißen Haus nach sich zog, hat Bundeskanzler Friedrich Merz erneut vor jungem Publikum seine persönliche Sicht auf die USA erläutert. Beim Deutschen Katholikentag in Würzburg stellte sich Merz heute den Fragen junger Katholikinnen und Katholiken und riet ihnen davon ab, für eine Ausbildung oder zur Arbeit in die USA zu gehen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Merz sagte wörtlich: „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten. Einfach weil sich dort plötzlich ein gesellschaftliches Klima entwickelt hat.“

104. Deutscher Katholikentag
Merz mit dem Kirchentagsschal bei der Podiumsdiskussion© Matthias Schrader/AP POOL/dpa | Matthias Schrader

Merz wollte wohl sagen, dass sich dort ein „problematisches“ gesellschaftliches Klima entwickelt hat, was in Teilen gewiss zutrifft.

Aber es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Kanzler vor einer Ausbildung in den USA warnt, während drei Kilometer vom Kanzleramt entfernt mit der TU Berlin eine deutsche Exzellenz-Universität komplett dichtgemacht wird, weil die öffentliche Hand die Gebäude über Jahrzehnte verrotten ließ.

Ich könnte wetten, dass viele der der 30.000 TU-Studierenden lieber ein Auslandssemester in den USA antreten würde, statt sich in eines der geplanten Notzelte zu setzen. Und ich bin gespannt auf die nächste Retourkutsche von Trump. Einreiseverbot für deutsche Studierende oder Lehrkörper könnte die Antwort sein.

Kanzler will besser kommunizieren

Borussia Dortmund - FSV Mainz 05
Merz (rechts) mit BVB-Fanschal auf der Ehrentribüne im Signal-Iduna-Park© picture alliance / Neundorf/Kirchner-Media | Neundorf/Kirchner-Media

Friedrich Merz – der erste katholische Kanzler seit Helmut Kohl – fühlte sich wohl in Würzburg und legte auch den gelben Schal des Kirchentages über die Schultern, mit dem Motto „Hab Mut, steh auf“. Beim schnellen Blick sah das Accessoire aus wie ein Fanschal von Borussia Dortmund, was den Kanzler nicht gestört haben wird. Merz ist schließlich bekennender Anhänger der Schwarz-Gelben. Mehr dazu später.

Der Kanzler ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, als Störer die Veranstaltung kaperten und beim Thema Lebensarbeitszeit lautstark pfiffen. Selbstkritisch gab er sich beim Thema Ansprache von Bürgerinnen und Bürger: „Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss“.

Interessant fand ich auch seine Haltung, dass die amerikanischen Plattformen stärker reglementiert gehören. „Wir müssen die Frage behandeln, ob wir die Plattformen besser regulieren“, sagte der Kanzler und lieferte die Antwort gleich hinterher: „Das, was in der analogen Welt rechtswidrig war, kann in der digitalen Welt nicht einfach per se rechtmäßig sein“.

Jörg Quoos.
Jörg Quoos.

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Angela Merkel ganz privat

Beim Thema Kommunikation fällt mir Angela Merkel ein, die sich nach längerer Funkstille in einem Podcast von Focus zu Wort gemeldet hat. Verglichen mit früher ist die Altkanzlerin dort richtig ins Plaudern geraten. Ich habe sie als CDU-Chefin und Kanzlerin oft interviewt und erlebt, wie sie bei leicht privaten Fragen extrem schmallippig wurde.

Im Podcast wurde Merkel nach schlechten Angewohnheiten gefragt und sie antwortete spontan: „Manchmal zu gerne Bratkartoffeln abends um zehn zu essen.“ Außerdem verriet sie, dass ihr Handy immer noch auf dem Nachttisch liegt und sie die Sammlung ihrer bunten Blazer „teils bereits entsorgt“ hat.

Wer also in der Altkleidersammlung einen unifarbenen, dreiknöpfigen Damen-Blazer der Hamburger Designerin Bettina Schoenbach findet, könnte auf historische Garderobe gestoßen sein.

Angela Merkel brach auch ihre guten Vorsätze und äußerte sich über die aktuelle Regierungspolitik und zur Merz-Klage im Spiegel über die schlechteste Behandlung, die je ein Kanzler erdulden musste.

Merkel: „Ich habe versucht, mich davon möglichst wenig beeindrucken zu lassen. Und wenn man auch mal ein bisschen kaputt war, es ist ja anstrengend, habe ich mir gesagt: ich hab’s mir ausgesucht. Kein Mensch hat mich gezwungen, Bundeskanzlerin zu werden“. Ich übersetze das mal salopp mit: Hab‘ Dich nicht so, Friedrich!

Lob über die CDU-geführte Regierung? Das fiel auffallend spärlich aus und gipfelte in dem dürren Satz: „Es ist ja nicht so, dass da gar nichts passiert ist“.

Kubicki einziger FDP-Kandidat

Bewerber für künftige FDP-Spitze stellen sich vor
Ohne Konkurrenz: Wolfgang Kubicki will FDP-Chef werden© picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Der bekannteste Liberale der siechenden FDP, Wolfgang Kubicki, ist auf dem direkten Weg zum Parteivorsitz. Heute hat sein 35 Jahre jüngerer Konkurrent Henning Höne aus NRW das Handtuch geworfen und will nur noch stellvertretender Parteivorsitzender werden, so schnell ändern sich politische Ambitionen.

Damit ist der erfahrene Kubicki gesetzt, was sicher eine gute Idee ist. Denn es gilt: Je kleiner die Partei, desto wahrnehmbarer muss die Rampensau an der Spitze sein. In der aktuellen Aufmerksamkeits-Ökonomie hat nur der Kieler eine realistische Chance, die Liberalen aus der Todeszone zu bergen.

Ist Timmy tot?

Toter Wal vor dänischer Insel Anholt entdeckt
An der dänischen Küste liegt ein toter Wal – ist es Timmy?© Jonas Walzberg/dpa | Jonas Walzberg

Bange Stunden erlebt gerade Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), der sich Tag und Nacht für Buckelwal Timmy reingehängt hat. Vor der dänischen Insel ist heute ein verwesender Buckelwal gefunden worden und Tierforscher befürchten, dass es sich um den prominenten Meeressäuger vom Timmendorfer Strand handelt.

Wie Spurensicherer vom NDR-Tatort wollen Forensiker mit Kadaverbrocken jetzt die Identität des Tieres ermitteln. Dänische Behörden werden den toten Wal vor Ort liegen lassen, bis er aufgrund der Fäulnisgase explodiert. Sollte es sich tatsächlich um Timmy handeln, wird also niemand mehr an ihm herumzerren. 

Rettet Nagelsmann die Regierung?

Einem besonders überraschendem Thema hat sich unser Chefreporter Jan Dörner gewidmet. Er geht der Frage nach, wie die WM-Teilnahme Deutschlands die trudelnde Bundesregierung stabilisieren könnte. Vorausgesetzt, sie fliegt nicht – wie beim letzten Mal – in der Gruppenphase schon raus.

Der Kanzler hofft natürlich, dass die Nagelsmann-Elf erfolgreich ist und hat die Latte schon hochgelegt: „Wenn Deutschland im Endspiel ist, fahre ich selbstverständlich hin.“

Eine erfolgreiche WM hellt natürlich immer die Stimmung im Land auf und das kann die schwarz-rote Bundesregierung mehr als gebrauchen. Der Kanzler muss beim Thema Fußball nicht beraten werden, er kennt sich aus. Ob er – wie Angela Merkel – auch zu den verschwitzten Spielern in die Umkleide geht, wird man sehen.

Der Sportwissenschaftler Harald Lange von der Uni Würzburg hat übrigens einen Tipp für Friedrich Merz: „Der Bundeskanzler sollte aus Imagegründen früh zur WM reisen. Allein, um der Gefahr zu entgehen, dass es wegen eines frühen Ausscheidens nichts wird mit dem gemeinsamen Mannschaftsfoto.“

Spötter mögen jetzt denken, dass auch für die Nationalelf ein frühes Foto Sinn macht, falls der Kanzler vorzeitig ausscheidet, aber das soll hier nicht weiter vertieft werden. Es ist nämlich zu hoffen, dass sowohl die Nationalelf als auch die Regierung für Deutschland ordentlich punkten.

Ich wünsche Ihnen noch einen entspannten Brückentag und ein erholsames Wochenende.

Herzlich, Ihr

Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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