„Follow the money“ (Folge dem Geld). Seit dem Watergate-Skandal ist das für Aufklärer die bewährte Gebrauchsanweisung, wenn in Washington Macht und Eigennutz ineinanderlaufen. In Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident führt die Spur nicht durch Parkgaragen und zu Einbrüchen beim politischen Mitbewerber. Sondern über Krypto-Dinner, Auslandsdeals, dubiosen Aktienhandel, Begnadigungen und Luxusgeschenke. Durch eine Vielzahl von Geschäften ist sein Reichtum seit Januar 2025 um geschätzte zwei Milliarden Dollar angewachsen. Trump hat sich unter Regierungsethikern wie Richard Painter den Ruf des „korruptesten“ Präsidenten in der Geschichte der USA erworben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Trump weist den Vorwurf der zügellosen Selbstbereicherung kategorisch zurück. Das Weiße Haus erklärt, er handle „nur im besten Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit“; es gebe „keine Interessenkonflikte“. Stimmen muss das nicht.

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Frühere Amtsinhaber legten analog zu den Regeln für Staatsdiener ihr Vermögen in „Blind Trusts“ an, die ihrem persönlichen, direkten Zugriff entzogen waren. Trump tut das Gegenteil. Sein Geschäftsreich wird von seinen älteren Söhnen Donald Jr. und Eric Trump geführt. Sie sorgen dafür, dass die Marke Trump eine kontinuierliche Wertsteigerung erfährt.

News aus den USA

Donald Trump: Sein Berater setzt Millionen auf Firmen mit Staatsaufträgen

Heikel ist sein Aktienhandel. Aus einer wenige Tage alten Erklärung geht hervor, dass Trumps Anlageberater im ersten Quartal 2026 rund 3700 Wertpapiergeschäfte im Volumen von bis zu 750 Millionen Dollar getätigt hat – oft mit Firmen, die direkt von Regierungsentscheidungen, Exportregeln, Rüstungsaufträgen oder Regulierung betroffen sind. Genannt werden Nvidia, AMD, Palantir und Axon. Nvidia und AMD hängen an Exportgenehmigungen für KI-Chips. Palantir lebt von Staatsaufträgen im militärischen Komplex. Axon verkauft Taser-Geräte für die Polizei und die Agenten der Einwanderungspolizei ICE. 

US President Donald Trump attends the Southern Boulevard dedication ceremony
Goldene Zeiten für einen Präsidenten wie ihn: Donald Trump ist seit Amtsantritt im Januar 2025 massiv reicher geworden. Durch Geschäfte, die viele anrüchig finden.© AFP | ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

Der Trump-Konzern beteuert, unabhängige Finanzinstitute handelten ohne Einfluss der Familie. Doch bei einem Präsidenten, der Zölle, Aufträge und Genehmigungen oft im Alleingang setzt, reicht schon der Anschein aus, um Vertrauen zu zerstören, sagen Kritiker.

Noch greller leuchtet der Krypto-Komplex. Trump wirbt für digitale Währungen, während World Liberty Financial, ein mit seiner Familie verbundenes Unternehmen, Milliardengeschäfte in derselben Branche macht. Dazu kommt der „$TRUMP“-Memecoin, dessen Top-Käufer Zugang zu exklusiven Dinnern erhielten. Kleinanleger verloren Milliarden, frühe Insider konnten jedoch hohe Gewinne realisieren.

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„Pay-to-Play“ – wer zahlt, bekommt Zugang

Dass einige große Krypto-Investoren ein Interesse an milder Regulierung haben, macht den Fall brisant. Der chinesische Unternehmer Justin Sun kaufte nach vorliegenden Berichten Token im Volumen von über 50 Millionen Dollar; zuvor war er ins Visier der Börsenaufsicht SEC geraten. Unter Trump wurden mehrere Verfahren gegen Krypto-Akteure fallen gelassen oder ausgesetzt. Ethikgruppen sprechen von „Pay-to-Play“: Wer zahlt, bekommt Zugang. Das Weiße Haus bestreitet jede Eine-Hand-wäscht-die-andere-Struktur.

Donald Trump trifft auf Han Zheng, Vizepräsident von China
Als Trump neulich in China zu Gast war, tauchte neben Elon Musk und anderen Industrie-Bossen auch Nvidia-Chef Jensen Huang (graue Haare, Brille, 2. v. r.) im Präsidenten-Tross auf. Trump kaufte in den ersten Monaten des Jahres für viel Geld Nvidia-Aktien.© Getty Images | ALEX WONG

Auch der Staat wird zur Bühne privater Geschäfte. Trump bereitet sich darauf vor, den G-20-Gipfel Ende 2026 in seinem Golf-Resort Doral in Florida auszurichten. Offiziell wäre es ein Spitzentreffen. Praktisch würde Weltpolitik in einem Trump-Objekt tagen – mit Delegationen, Medien und Prestige; Millionen-Einnahmen winken. Schon in seiner ersten Amtszeit wollte Trump Doral für ein G7-Treffen nutzen. Erst nach erbitterter Kritik gab er auf. Nun scheint die Hemmschwelle gefallen.

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Wieviel hast Du mit Björn Höcke verdient, Ben Berndt?
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Trump expandiert nach Tiflis: Neues Prestigeprojekt in Georgien

Parallel expandiert die Trump-Organisation im Ausland. Genannt werden Projekte wie ein Trump Tower im georgischen Tiflis, dazu Lizenzgeschäfte in Staaten wie Katar, Saudi-Arabien oder den Emiraten, die Zugang in Washington suchen.

Der anschaulichste Fall ist der geschenkte Luxusjet aus Katar. Das Flugzeug, das die alte Air Force One vielleicht schon ab diesem Sommer ersetzen soll, ist rund 200 Millionen Dollar wert. Selbst der rechte Kommentator Tucker Carlson sagt: „Es sieht nach Korruption aus, ja.“

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Korruptionsvorwürfe reichen ins Justizsystem

Der Vorwurf reicht bis ins Justizsystem. Hier gibt es fallen gelassene oder entschärfte Verfahren gegen Großspender, Krypto-Akteure und Milliardäre, die sich Trump gegenüber erkenntlich zeigen. Etwa der indische Unternehmer Gautam Adani, angeklagt wegen eines mutmaßlichen Bestechungskomplotts. Wenn die Anklage falle, so einer seiner Anwälte, investiere Adani zehn Milliarden Dollar in den USA und schaffe 15.000 Jobs. Dazu kommen Fälle, in denen Verurteilte oder Angeklagte nach siebenstelligen Zahlungen an Trump-Komitees staatliche Milde erfuhren. Republikaner alter Schule wenden sich ab: „Wenn Bürger glauben, Gnade sei käuflich erreichbar, wird aus präsidialer Barmherzigkeit ein VIP-Service.“

Das Magazin „Forbes“ schätzt Trumps aktuelles Vermögen auf über fünf Milliarden Dollar, rund zwei Milliarden mehr als vor Ablegen des Amtseids im Januar 2025. Schamgefühle? Keine. Sohn Don Jr. beschreibt die Familienphilosophie: In der ersten Amtszeit habe man sich zurückgehalten und sei trotzdem angegriffen worden. „Also werden wir das Spiel einfach mitspielen.“

Larua Trump, Eric Trump, Elon Musk, Ivanka Trump, and Donald Trump Jr. bei der Amtseinführung
Solange der Vater Präsident ist, regeln die Söhne Eric Trump (mit Handy) und Donald Trump Jr. (rote Krawatte) die Geschäfte im Trump-Konzern.© picture alliance | CNP/AdMedia

Der Korruptionsforscher Michael Johnston sagte in US-Medien: „Ich beobachte und beschreibe Korruption seit 50 Jahren, und mir schwirrt immer noch der Kopf.“ Fred Wertheimer von Democracy 21 formulierte es schärfer: „Es gibt in der Geschichte Amerikas nichts, was auch nur annähernd an die Nutzung des Präsidentenamtes zum Zwecke massiver persönlicher Bereicherung heranreicht. Nichts.“