Eine vermutlich im Ukraine-Krieg eingesetzte Drohne hat im benachbarten EU- und Nato-Land Rumänien ein Hochhaus getroffen. Der Einschlag löste in dem Wohngebäude, das in der Stadt Galati nahe der Grenze zur Ukraine liegt, einen Brand im zehnten Stock aus. Nach Angaben des rumänischen Innenministeriums wurden zwei Leichtverletzte vor Ort versorgt. Weitere Drohnen wurden nicht gesichtet, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung auf Facebook.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das Verteidigungsministerium in Bukarest erklärte, Russland habe in der Nacht in der Ukraine in Grenznähe erneut zivile Ziele und Infrastruktur mit Drohnen angegriffen. Eine davon sei in den rumänischen Luftraum eingedrungen und über dem Hochhaus in Galati abgestürzt. Zwei Kampfflugzeuge der Luftabwehr vom Typ F-16 seien um 1.19 Uhr vom Militärstützpunkt Fetesti aufgestiegen, unterstützt von einem Hubschrauber der rumänischen Luftwaffe. Die Lage sei dynamisch, hieß es weiter.

Ein auf Explosionen spezialisiertes Ermittlerteam machte sich in der Nacht auf dem Weg zum Einsatzort. Galati liegt an der Donau, die Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine sind jeweils nur wenige Kilometer entfernt.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Rumänien wurde bereits mehrfach von Drohnentrümmern getroffen
Russland greift das Nachbarland Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. Dabei gab es auch einzelne Fälle, bei denen Drohnen den Luftraum von Nato-Staaten verletzten. Ebenso gab es vereinzelt Luftraumverletzungen durch ukrainische Drohnen oder Geschosse.

Russland greift auch immer wieder den ukrainischen Donauhafen Reni in der Nähe von Galati an. In Rumänien wurden im Grenzgebiet bereits mehrfach russische Drohnentrümmer geborgen. Erst vor einem Monat war eine russische Drohne über Galati abgestürzt und traf nach Behördenangaben das Nebengebäude eines Wohnhauses. Verletzt wurde damals niemand. Als Nato-Partner unterstützt Großbritannien die Luftabwehr Rumäniens wegen des Ukraine-Kriegs mit Kampfjets vom Typ Typhoon.
Rumänien bestellt russischen Botschafter ein
Rumänien bestellte am Freitagmorgen den russischen Botschafter ein. „Wir werden offiziell mitteilen, welche Folgen diese Verantwortungslosigkeit seitens der Russischen Föderation für die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern haben wird sowie die nächsten Schritte auf europäischer Ebene bezüglich der Sanktionspakete“, erklärte Rumäniens Außenministerin Oana Toiu im Onlinedienst X. Sie bezeichnete den Vorfall als „äußerst schwerwiegend“.

Die Nato stellte Rumänien einen Ausbau der Abwehrfähigkeiten in Aussicht. „Wir verurteilen Russlands Rücksichtslosigkeit, und die Nato wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stärken – auch gegen Drohnen“, teilte Sprecherin Allison Hart mit. Generalsekretär Mark Rutte stehe nach dem Einschlag der Drohne in Kontakt mit den rumänischen Behörden. Zu dem Vorfall sei es gekommen, als Russland ukrainische Infrastruktur nahe der Grenze angegriffen habe.
Von der Leyen: Russland hat „eine weitere Grenze überschritten“
Nach den Worten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Russland bei seinem seit mehr als vier Jahren andauernden „Angriffskrieg eine weitere Grenze überschritten“. „Wir stehen uneingeschränkt solidarisch an der Seite Rumäniens und seiner Bevölkerung“, versicherte von der Leyen in Onlinediensten. Die EU werde ihre „Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen“ weiter verstärken, insbesondere an ihrer Ostflanke. Zugleich kündigte sie an, dass die EU den Druck auf Russland „weiter erhöhen“ werde.
Auch Moldaus Präsidentin Maia Sandu äußerte sich besorgt angesichts des Vorfalls im Nachbarland Rumänien. Die frühere Sowjetrepublik grenzt sowohl an Rumänien als auch an die Ukraine. Sie verurteilte „aufs Schärfste den russischen Drohnenangriff auf rumänische Privatwohnungen“, erklärte Sandu im Onlinedienst X. „Das ist eine ernster Vorfall“, warnte sie. Die Republik Moldau stehe „voll und ganz an der Seite Rumäniens“. Russland sei „eine Gefahr für alle und muss gestoppt werden“.
Nato: Estland und Polen beantragten Sitzung des Nordatlantikrats
Im Herbst vergangenen Jahres waren russische Militärjets in den estnischen Luftraum eingedrungen. Das Land beantragte daraufhin eine Sitzung des Nordatlantikrats, dem höchsten politischen Entscheidungsgremiums der Allianz, unter Artikel 4 des Nordatlantikvertrags. Kurz zuvor hatte bereits Polen diesen Schritt gewählt, nachdem 19 russische Drohnen in den Luftraum des Landes eingedrungen waren.
Artikel 4 sieht vor, dass jedes Nato-Mitglied im Fall einer Bedrohung seiner „territorialen Integrität, politischen Unabhängigkeit oder Sicherheit“ die Einberufung einer Sitzung des Nato-Rates verlangen kann.
os/bee/dpa/afp







