Eine russische Drohne ist in der Nacht zu Freitag in den rumänischen Luftraum eingedrungen und hat einen Brand im zehnten Stock eines Hochhauses ausgelöst. Zwei leicht verletzte Menschen wurden vor Ort behandelt, wie das rumänische Innenministerium mitteilte. Der Vorfall lässt Sorge über eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs aufkommen.
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Was ist genau passiert?
Nach dem Einschlag entstand ein Feuer im zehnten Stock des Wohnblocks. Rund 70 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Ein auf Explosionen spezialisiertes Ermittlerteam machte sich in der Nacht auf den Weg zum Einsatzort. Galati liegt an der Donau, die Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine sind jeweils nur wenige Kilometer entfernt. Bei dem Fluggerät soll es sich um eine russische Geran-2-Drohne gehandelt haben, mit einer Maximalreichweite von 2500 Kilometern.
Wie reagieren die Europäer und die Nato-Staaten?
Die Nato hat Rumänien nach dem Vorfall einen Ausbau der Abwehrfähigkeiten in Aussicht gestellt. „Wir verurteilen Russlands Rücksichtslosigkeit, und die Nato wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stärken – auch gegen Drohnen“, teilte Sprecherin Allison Hart mit. Zu dem Vorfall sei es gekommen, als Russland ukrainische Infrastruktur nahe der Grenze angegriffen habe.
Das EU- und Nato-Land Rumänien hatte zuvor um Unterstützung gebeten. Wie das Außenministerium in Bukarest mitteilte, soll vor allem der Transfer von Drohnenabwehrtechnik beschleunigt werden. Das rumänische Außenministerium warf Russland eine „schwerwiegende und unverantwortliche Eskalation“ vor. Präsident Nicusor Dan rief den obersten Verteidigungsrat des Landes zu einer Krisensitzung zusammen.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte den Drohneneinschlag scharf. Der Vorfall zeige „einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation“, erklärte Merz im Online-Dienst X. Deutschland stehe an der Seite seiner Nato-Verbündeten. „Wir sind bereit, jeden Zentimeter des alliierten Territoriums zu verteidigen“, hieß es in der englischen Version der Mitteilung, die Russland zudem ein „rücksichtsloses Eindringen“ in Rumäniens Staatsgebiet vorwarf.
#Eilmeldung — Russische 🇷🇺 Shahed Kamikaze Drohne trifft Appartement Gebäude in Galati, Rumänien 🇷🇴
— @BrennpunktUA 🇩🇪🇺🇦 (@BrennpunktUA) 29. Mai 2026
Hoffentlich ziehen sie mindestens NATO Artikel 4 — besser gleich Artikel 5! pic.twitter.com/HMXQRSfk8T
Der Bürgermeister der 220.000-Einwohner-Stadt Galati, Ionut-Florin Pucheanu, sagte, der Vorfall habe unschuldige Zivilisten gefährdet. Er sprach von einem Krieg, der „nicht der Unsrige ist, dessen Auswirkungen aber immer näher zu spüren sind“.

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Zwei Kampfflugzeuge der Flugabwehr vom Typ F-16 seien als Reaktion auf die Drohne um 1.19 Uhr vom Militärstützpunkt Fetesti aufgestiegen, unterstützt von einem Hubschrauber der rumänischen Luftwaffe, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Ist es das erste Mal, dass eine russische Drohne Zivilisten in einem Nato-Land verletzt?
Ja, einen solchen Vorfall hat es bisher nicht gegeben. Dass Zivilisten eines am Ukraine-Krieg unbeteiligten Landes durch eine russische Drohne zu Schaden kommen, ist beispiellos. Dies erklärt auch den lautstarken Protest in den europäischen Hauptstädten in Richtung Kreml.
Wiederholt waren in den vergangenen Jahren jedoch Trümmerteile russischer Drohnen im ukrainisch-rumänischen Grenzraum aufgetaucht. Auch der Luftraum anderer östlicher Nato-Staaten wurde immer wieder verletzt. Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski erklärte seine Solidarität mit Rumänien – in Polen flogen vor einem Dreivierteljahr mindestens 19 russische Drohnen durch den Luftraum, mehrere wurden abgeschossen.

Welche Auswirkungen kann der Vorfall haben? Weitet sich der Krieg jetzt aus?
Davon ist erst einmal nicht auszugehen. Die russische Führung führt nach Beobachtungen von Militärexperten regelmäßig sogenannte Nadelstiche gegen europäische und Nato-Länder durch, um zu testen, wie die Gepiesackten reagieren – auf das Eindringen von Drohnen oder Kampfjets in den Luftraum, auf das Kappen von Unterseekabeln mit Schiffen der russischen Schattenflotte. Der Vorfall in Galati dürfte ähnlich gelagert sein, also eine Provokation.
Dass es sich um eine Panne handelte, konnte am Freitagnachmittag nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Fehler in der Steuerungssoftware kann es immer geben. Aber: Wahrscheinlich ist das nicht. Geran-2-Drohnen erreichen durch satellitengestützte Navigation eine Zielgenauigkeit von 10 bis 20 Metern. Luftlinie liegen zwischen Galati und etwa dem immer wieder unter Beschuss stehenden Odessa in der Ukraine rund 240 Kilometer.
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Russland steckt im Ukraine-Krieg in der Klemme
Allerdings steht Russland militärisch in der Ukraine derzeit schlecht da: Kaum Fortschritte am Boden, herbe Verluste unter den Truppen, dazu die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf Moskau und andere Großstädte. Hinzu kommt die schlechte wirtschaftliche Lage im Land, die sich durch die Mehreinnahmen durch teureres Öl im Zuge des Iran-Kriegs nur leicht gebessert hat. Im September stehen formal Parlamentswahlen für die Staatsduma an. Auch wenn von freien Wahlen keine Rede sein kann, strebt der Kreml nach einem positiven Signal für seine Führung. Unterm Strich heißt das: Russland kann und will sich keine neue Front mit einem Nato-Land wie Rumänien erlauben.
Die Europäer bemühen sich indes um einen Gleichklang aus erhöhter Abschreckung, verbesserter Verteidigungsfähigkeit und rhetorischer Stärke. Merz, Kallas, Rutte und Co. wollen sich die russischen Biestigkeiten nicht gefallen lassen, das machen sie deutlich. Doch ihnen bleibt im Grunde nur die moderne Aufrüstung, mit Flugabwehrsystemen und dem eigenen Hochziehen von reichweitenstarken Drohnenflotten. Eskalieren wollen sie nicht. Militärische Provokationen Russlands dürften deshalb auch weiterhin auf diplomatischer Ebene sowie mit Sanktionen beantwortet werden.










