Donald Trump und Benjamin Netanjahu verbindet eine der kompliziertesten Zweckgemeinschaften der Weltpolitik. Nun ist die einer Achterbahnfahrt ähnelnde Beziehung offenbar an einem neuen Tiefpunkt angekommen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nach übereinstimmenden Medienberichten verlor Trump in einem Telefonat mit dem israelischen Premierminister wegen der israelischen Offensive im Libanon komplett die Beherrschung. „Bist du völlig verrückt geworden?“, soll der US-Präsident Netanjahu angeschrien haben – „was zum Teufel tust du da?“ Noch drastischer fiel ein weiterer Satz aus, der über die zunehmenden Durchstechereien in Washington wie Jerusalem den Weg in die Öffentlichkeit fand: „Du wärst im Gefängnis, wenn es mich nicht gäbe. Ich rette dir den Hintern. Jeder hasst dich inzwischen. Jeder hasst Israel deswegen.“
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Der Ausbruch kam nicht aus dem Nichts. Trump sieht seine seit vielen Wochen stockenden Friedensbemühungen mit Teheran akut gefährdet. Iran hatte zuvor damit gedroht, die Verhandlungen mit Washington über eine Verlängerung des Waffenstillstands auszusetzen, falls Israel seine Angriffe im Libanon fortsetzt. Für Trump ist das mehr als ein außenpolitisches Ärgernis. Er braucht unbedingt einen schnellen Erfolg.
Nach dem kostspieligen Krieg gegen Iran will er den amerikanischen Wählern Stabilität, sinkende Energiepreise und einen diplomatischen Durchbruch präsentieren. Ein Abkommen mit Teheran muss her, möglichst noch vor Beginn der Fußball-WM und den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA in wenigen Wochen. Jede neue israelische Eskalation gefährdet dieses Ziel.
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Netanjahu denkt anders. Für ihn gehören die vom Iran alimentierte Hisbollah im Libanon und das gesamte iranische Einflussnetzwerk zur gleichen strategischen Herausforderung. Während Trump Fronten schließen will, hält Netanjahu sie offen. Israels Premier befürchtet, dass Trump einen Deal akzeptieren könnte, der Teheran politisch entlastet, ohne Israels Sicherheitsprobleme dauerhaft zu lösen.
Der Streit ist deshalb nicht nur persönlich, sondern strategisch. Schon zu Beginn des Iran-Kriegs wurden die Unterschiede sichtbar. Trump wollte eine begrenzte Kampagne mit schnellem Ausstieg. Netanjahu drängte auf längere Operationen und die Auslöschung des Mullah-Regimes. Jetzt prallen diese Konzepte erneut aufeinander.

Wer hat wen im Griff? Militärisch liegt die Antwort weiter in Washington. Ohne amerikanische Waffen, Munition, Geheimdienstinformationen und diplomatische Rückendeckung wäre Israels Handlungsspielraum deutlich kleiner. Doch Netanjahu besitzt ebenfalls Macht. Er verfügt über starke Unterstützer im Kongress.
Ist die strategische Beziehung Washington–Jerusalem also vorbei? Nein. Aber die Partnerschaft ist schwer beschädigt. Trump betrachtet den Nahen Osten vor allem durch die Brille seiner Präsidentschaft. Netanjahu betrachtet ihn durch die Brille israelischer Sicherheit. Solange Trump einen Deal mit Iran sucht und Netanjahu weitere militärische Eskalationen für notwendig hält, dürfte der jüngste Wutausbruch nicht der letzte gewesen sein.





