Die britische Regierung plant ein Verbot von Social-Media-Plattformen für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Das kündigte Premierminister Keir Starmer bei einer Pressekonferenz in London an.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Ein vollständiges Verbot ist die richtige Entscheidung“, sagte Starmer. Er sei nicht bereit, Kompromisse bei der Sicherheit und der Zufriedenheit unserer Kinder einzugehen, fügte er hinzu. Er hoffe, die Gesetzgebung sei vor Weihnachten abgeschlossen.

Offenbar soll das Verbot nur den Zugang zu bestimmten Plattformen betreffen, wie Tiktok, Snapchat und Instagram. Laut BBC wäre das Gesetz Teil des Plans der britischen Regierung, junge Menschen vor Gefahren im Internet zu schützen und ungesundes Nutzungsverhalten von Social-Media-Apps einzudämmen.

Immer mehr britische Kinder süchtig nach Social Media

Bei X ging Starmer in einer persönlichen Videobotschaft weiter auf seine Beweggründe ein. Kinder wüchsen in einer Welt auf, die sich in hoher Geschwindigkeit veränderte, und Technologien breiteten sich in jeden Lebensbereich junger Menschen aus. „Wir wissen, dass ihnen das Schaden zufügt“, sagte Starmer.

Tausende Eltern hätten in Konsultationen mit der Regierung beklagt, ihre Kinder seien süchtig nach sozialen Medien. Stundenlanges Scrollen ersetze Spielen, nehme Schlaf weg und verringere die Zeit, die Kinder mit der Familie verbrächten. Deswegen wolle seine Regierung den Zugang zu den sozialen Medien für Kinder und junge Menschen unter 16 Jahren verbieten.

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Tatsächlich hat eine Studie der Universität von Cambridge im Herbst 2025 ergeben, dass rund 48 Prozent der befragten 16- bis 18-Jährigen das Gefühl haben, von sozialen Medien abhängig zu sein. Frauen gaben deutlich häufiger an, sie hätten die Kontrolle über ihren Social-Media-Konsum verloren. Zwar liegt nicht zwingend in allen diesen Fällen eine klinische Abhängigkeit vor. Dennoch wiesen die Angaben darauf hin, dass eine problematische Beziehung der jungen Menschen zu Social Media bestehe, heißt es von den Studienautoren.

„Macht Kinder unglücklich“

„Soziale Medien machen Kinder unglücklich“, sagte Premierminister Starmer in der Pressekonferenz. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, soziale Medien hätten Jugendlichen auch Vorteile gebracht. Ein vollständiges Verbot sei angesichts der Risiken und negativen Konsequenzen dennoch die richtige Entscheidung. „Heute ist ein großer Tag für unser Land“, so Starmer. 

Das Vereinigte Königreich folgt damit dem Vorbild Australiens. Australien hatte im Dezember 2025 als erstes Land der Welt ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Mittlerweile wollen immer mehr europäische Länder dem Beispiel folgen.

Starmer kündigte auch „weltweit führende“ Maßnahmen im Bereich der Gaming- und Live-Streaming-Plattformen an. Fremde Erwachsene sollen demnach nicht mehr die Chatfunktion nutzen können, um Kontakt zu Kindern aufzunehmen.

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Auch in Deutschland steht Verbot zur Debatte

Kritiker eines Verbots fürchten unter anderem, dass dieses leicht von Teenagern umgangen werden kann. So konnten in Australien viele Jugendliche trotz des Verbots Plattformen weiter nutzen, indem sie etwa auf VPN-Dienste zugriffen oder Konten mit einem gefälschten Geburtstagsdatum anlegten.

Diskussionen um Einschränkungen von Social-Media-Plattformen für Minderjährige gibt es derzeit in vielen europäischen Ländern. Mehrere EU-Länder, darunter Frankreich, Spanien, Griechenland, Norwegen und Österreich, haben bereits angekündigt, ein Social-Media-Verbot für Minderjährige bis zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen zu wollen. Auch deshalb steht die Europäische Union unter Druck, weil nur die EU-Kommission den großen Plattform-Betreibern Vorschriften machen darf.

Auch in Deutschland steht ein Verbot zur Debatte. Aktuell erarbeitet eine Expertenkommission Empfehlungen für konkrete Maßnahmen. Wie Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) ankündigte, sollen die Ergebnisse Ende Juni vorgestellt werden und zahlreiche Empfehlungen enthalten. Diese werden sich an Schulen, Eltern, Kitas und Ärzte richten.

pcl/mit dpa