Eigentlich ist es in der Europäischen Union gerade angesagt, Vorschriften zu schreddern und Unternehmen mehr Freiheiten zu gewähren. Das ist im Prinzip auch sinnvoll – aber nicht in jedem Fall. Manchmal müssen auch Dinge neu und strenger geregelt werden, als das bisher der Fall war. Und zwar deshalb, weil die bisherigen Vorschriften zu Fehlentwicklungen geführt haben, die am Ende allen teuer zu stehen kommen.

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Man kann das exemplarisch sehen an der Flut von Päckchen mit Ramsch aus China, die sich seit einigen Jahren über ganz Europa ergießt: Online-Plattformen wie Temu oder Shein bringen im großen Stil unsichere oder sogar gefährliche Produkte unter die Leute. Sie nutzen die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen aus oder umgehen sie sogar. Durch die schiere Menge an Paketen ist eine Art Parallel-Ökonomie entstanden, die von den hiesigen Behörden gar nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Ab Juli wird pro Päckchen deshalb ein Zoll von mindestens drei Euro fällig. Und das ist gut so.

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Thorsten Knuf, Politik-Korrespondent © Funke Foto Services | Reto Klar

Denn auch wenn sich der einzelne Verbraucher über Schnäppchen freuen mag, so muss Europa als Ganzes doch einen hohen Preis für den Produkt-Tsunami aus Übersee bezahlen. Hiesige Produkt-, Umwelt- und Steuerstandards nützen nichts, wenn sie nicht eingehalten werden. Wenn der lokale Einzelhandel und europäische Hersteller wegen unfairen Wettbewerbs in die Knie gehen, ist niemandem geholfen. Bürokratieabbau und Deregulierung sind häufig ein Segen. Manchmal sind sie aber auch ein Fluch. Dann bleibt der Politik nichts anderes übrig, als den entgegengesetzten Weg zu gehen.