Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) steht vor einer schwierigen Sparaufgabe: Rund eine halbe Milliarde Euro soll ihr Ministerium im kommenden Haushalt einsparen. Und weil mit einem Ausgabenvolumen von rund 7,5 Milliarden Euro 2026 das Elterngeld der mit Abstand größte Ausgabenposten des Ministeriums ist, wird hier die Schere angesetzt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Aktuell können Eltern bis zu 14 Monate lang das volle Elterngeld erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass beide Elternteile einen Teil der Betreuung übernehmen: Mindestens zwei Monate müssen jeweils von einem Elternteil genommen werden. Diese zusätzlichen Monate werden umgangssprachlich häufig als „Vätermonate“ bezeichnet, weil Mütter im Durchschnitt länger Elterngeld beziehen.
Ein mögliches Modell sieht vor, dass beide Elternteile jeweils mindestens vier Monate Elterngeld beziehen müssen, um den vollen Anspruch auszuschöpfen. Die übrigen vier Monate könnten die Eltern frei untereinander aufteilen.
Eine andere Variante wäre eine Regelung mit drei festen Monaten pro Elternteil und sechs frei verteilbaren Monaten. In beiden Fällen würde die maximale Bezugsdauer von derzeit 14 auf zwölf Monate sinken.
Mehr Politik-News
Elterngeld soll erstmals seit fast 20 Jahren steigen
Zugleich sollen die monatlichen Summen erstmals seit fast 20 Jahren ein klein bisschen steigen. Der Mindestbetrag würde demnach von 300 auf 330 Euro erhöht, der Höchstbetrag von bislang 1.800 auf 1.900 Euro. Es bleibe grundsätzlich bei der Regelung, dass das Elterngeld bei 65 Prozent des Nettoeinkommens liegt.
Der Gesetzentwurf beinhalte auch eine Änderung des Mutterschutzgesetzes, hieß es weiter: „Mit der Neuregelung werden arbeitszeitliche Beschäftigungsverbote auf zwölf Monate nach der Entbindung eingeschränkt.“
Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, das Elterngeld weiterzuentwickeln, „indem wir mehr Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit, insbesondere mehr Väterbeteiligung in alleiniger Verantwortung setzen“. Das werde unter anderem durch eine veränderte Anzahl und Aufteilung der Bezugsmonate des Elterngeldes erreicht.
Auch interessant
Frauenrat warnt vor Elterngeld-Kürzungen
Der Deutsche Frauenrat sieht die Kürzungen im Etat des Familienministeriums kritisch. Dieser werde im kommenden Jahr um acht Prozent schrumpfen, bis 2029 sogar um bis zu ein Fünftel, warnt die Vorsitzende Beate von Miquel. Gespart werde ausgerechnet bei der beliebtesten familienpolitischen Leistung, dem Elterngeld.
„Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken“, erklärte von Miquel. „Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren.“
Auch das Zukunftsforum Familie warnt vor Kürzungen beim Elterngeld. Stattdessen solle der Mindestbetrag auf 506 Euro angehoben und anschließend „dynamisiert“ werden, erklärte der Verband.

Kürzungen beim Elterngeld: Was wünschen sich Eltern eigentlich?
In einer 2025 veröffentlichten Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Menschen sagten 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer, sie hätten beim Elterngeld eigentlich gerne ein „egalitäres Modell“: Jedes Elternteil solle sieben Monate Elternzeit nehmen - bezogen auf die bisher gültige Gesamtdauer von 14 Monaten Elterngeld. Eine solche Aufteilung war wohl im Familienministerium auch einmal im Gespräch, wurde aber dann doch nicht weiter verfolgt. In der Umfrage unterstützten 39 Prozent die bisher übliche Aufteilung der Betreuungszeit von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater.
Die Autoren der Bertelsmann-Studie kamen zu dem Schluss, dass mehr Vätermonate auch volkswirtschaftlich Sinn ergäben. Demnach wäre zu erwarten, dass Frauen schneller in den Job zurückkehren, was den Fachkräftemangel mindern könnte. Die Eltern wurden auch befragt, was ihnen sonst noch in der Kinderphase helfen würde. Die häufigste Antwort: „Weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung“. Das sagten 44 Prozent.
Mit dpa






![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


