Deutschland hat viele Probleme: schwaches Wachstum, marode Infrastruktur, überforderte Verwaltungen. Aber wenigstens eine Frage müsste sich im digitalen Zeitalter schnell klären lassen: Haben zwei Spitzenpolitiker miteinander telefoniert? Offenbar nicht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Kai Wegner sagt, er habe am 4. Januar mit Friedrich Merz gesprochen. Sogar die Uhrzeit kennt er. Das Kanzleramt sagt: Ein solches Gespräch kann nicht festgestellt werden. Merz erinnert sich offenbar ebenfalls nicht.

So entsteht Schrödingers Telefonat: Es hat stattgefunden und zugleich nicht stattgefunden. Erst wenn jemand die Anrufliste öffnet, wissen wir mehr.

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Wegner präzisiert Zeitangabe zu Merz-Telefonat am Krisentag

Für Wegner ist der Vorgang besonders ungünstig. Seine Angaben zum Krisentag waren schon zuvor von bemerkenswerter Beweglichkeit. Zunächst hatte er erklärt, bereits seit 8.08 Uhr telefoniert zu haben. Später zeigte sich, dass seine dienstlichen Gespräche offenbar deutlich später begannen.

Nun bekräftigt Wegner das Merz-Telefonat sogar mit exakter Zeitangabe. Präzision ist schließlich besonders wichtig, wenn die eigene Glaubwürdigkeit bereits leichte Gebrauchsspuren aufweist.

Merz wiederum könnte das Gespräch tatsächlich vergessen haben. Auch das wäre aufschlussreich. Der Regierende Bürgermeister der Hauptstadt ruft an – und beim Kanzler bleibt ungefähr so viel hängen wie von einer automatischen Bandansage.

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Es steht Aussage gegen Erinnerungslücke

Das alles wäre nur eine kleine Berliner Kuriosität, ginge es nicht um Krisenmanagement und politische Verlässlichkeit. Wer in angespannten Lagen Verantwortung trägt, sollte hinterher zumindest wissen, wen er wann gesprochen hat. Oder wenigstens darin übereinstimmen, dass überhaupt gesprochen wurde.

Stattdessen steht nun Aussage gegen Erinnerungslücke. Wegner liefert die Minute, Merz das Schweigen, das Kanzleramt die erfolglose Spurensuche. Vielleicht hat Wegner recht. Vielleicht Merz. Vielleicht war es auch nur die Mailbox. In Berlin nennt man so etwas vermutlich Krisenkommunikation.

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