Der Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat die Menschen weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus erschüttert. Die Veranstaltung im Großen Tiergarten und am Brandenburger Tor wurde am späten Samstagabend abgebrochen, nachdem mutmaßlich der 21 Jahre alte Täter Abdul Ballout mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen verletzt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte am Sonntag vor Beginn eines Gedenkgottesdienstes in der Berliner Marienkirche: „Meine Gedanken, unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern dieses terroristischen, islamistischen Anschlags der letzten Nacht, bei den Familien, bei den Freunden. Und ich wünsche vor allem den Verletzten, dass sie schnell genesen.“
Merz kündigte Konsequenzen an, „mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit“.
Darüber hinaus sagte der Kanzler: „Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit.“ Er betonte, dass „diese Straftäter, diese Extremisten“ in der Mitte unserer Gesellschaft keinen Platz hätten. „Und wir werden nicht zulassen, dass dieses Gift des Terrorismus und dieses Gift gegen unsere Freiheit weiter um sich greift in unserer Gesellschaft.“
Steinmeier: „Ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich entsetzt über den mutmaßlich islamistischen Anschlag. „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte er bei dem Besuch eines Tempelfestes der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland in Hamm. Steinmeier rief dazu auf, für den Schutz der Religionsfreiheit einzutreten.
Seine Gedanken seien bei Angehörigen und Freunden der beim Anschlag getöteten Frau und den zum Teil Schwerverletzten. Er wünsche den Schwerverletzten vollständige Genesung, so der Bundespräsident.
Ähnlich äußerte sich die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). „Wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstehen, greift die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an, der tritt die Menschenwürde mit Füßen. Unsere Verfassung schützt das Recht, frei und ohne Angst zu leben und für die eigenen Überzeugung einzutreten.“
+++ Mutmaßlicher Anschlag auf den Berliner CSD: Im Newsblog halten wir Sie auf dem Laufenden +++

Kai Wegner: „Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Sonntag sprach auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Tatort im Berliner Tiergarten von einem Anschlag auf die Art und Weise unseres Zusammenlebens. „Damit muss Schluss sein“, sagte er. Wegner dankte den Sicherheitsbehörden und lobte die Zusammenarbeit zwischen Land und Bund. Für den Nachmittag kündigte er eine Sondersitzung des Senats und einen Trauergottesdienst in der Marienkirche am Roten Rathaus im Zentrum der Hauptstadt an.
Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft - nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert. Berlin ist die Stadt der Freiheit - und unsere Freiheit ist heute aufs…
— Kai Wegner (@kaiwegner) 25. Juli 2026
Wegner hatte schnell nach der Attacke reagiert. Er hatte am Samstag zuvor selbst am CSD teilgenommen. In der Nacht schrieb er dann im Kurznachrichtendienst X: „Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft – nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert.“ Berlin sei die Stadt der Freiheit und diese Freiheit sei „aufs Schrecklichste“ angegriffen worden.
Am Ort des Geschehens sagte Wegner in der Nacht: „Wir werden unsere Art und Weise des Lebens und Zusammenlebens nicht nehmen lassen.“
Auch interessant
Cansel Kiziltepe: „Gewalt und Menschenfeindlichkeit dürfen keinen Platz haben“
„Die Nachricht von der schrecklichen Tat erschüttert mich zutiefst“, so Cansel Kiziltepe (SPD), Berlins Senatorin für Antidiskriminierung, in einer Mitteilung. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und allen, die das Geschehen miterleben mussten. Ich bin fassungslos und tieftraurig. Gerade an einem Tag, der für Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander steht, trifft eine solche Gewalttat besonders schwer. Gewalt und Menschenfeindlichkeit dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Mein herzlicher Dank gilt den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten für ihren schnellen und professionellen Einsatz sowie dem Team des CSD Berlin und allen Helferinnen und Helfern, die sich vor Ort um die Betroffenen gekümmert haben“.
Stefan Evers fordert jetzt schon Konsequenzen
Stefan Evers, der Wegner erst vor Kurzem als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl ersetzt hatte, schrieb auf X: „Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz.“ Er dankte allen Helfern und der Polizei Berlin für ihren Einsatz. „Ich hoffe für die Verletzten, ich trauere mit Angehörigen und Freunden. Es gibt einiges aufzuklären. Dann ist die Zeit für Konsequenzen!“
Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl im September, schrieb ebenfalls auf X: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat, bei ihren Freunden & Familien. Wir danken den Einsatzkräften vor Ort und hoffen, dass die mutmaßlichen Täter schnell gefasst werden. Es erschüttert uns, dass ein Tag der Liebe angegriffen wird. Wir stehen zusammen.“

CDU-Fraktionsvorsitzender spricht von „Angriff auf die ganze Stadt“
Als einer der Ersten hatte sich zuvor bereits der CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Dirk Stettner, geäußert. Der Vorfall erschüttere ihn zutiefst. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten, ihren Angehörigen und allen Menschen, die diesen Abend in Angst erleben mussten.“ Jede Form gezielter Gewalt gegen friedlich feiernde Menschen sei ein Angriff auf die ganze Stadt und das friedliche Zusammenleben. „Nun müssen die Hintergründe schnell und vollständig aufgeklärt und die Verantwortlichen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden.“ Er bedankte sich bei den Einsatzkräften. „Berlin steht in dieser schweren Stunde zusammen“, so Stettner.
Ähnlich äußert sich auch Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Er sagte: „Sie sehen mich und die SPD-Fraktion schockiert und entsetzt. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen, Verletzten und Angehörigen.“
Auch interessant
CDU-Politiker und Mitglied des Abgeordnetenhauses Burkhard Dregger sagte unserer Redaktion: „Die Tat zeigt, dass es richtig war und ist, die Polizei personell und materiell zu stärken und ihre Befugnisse an die Bedrohungslage anzupassen.“ Er wisse aus zahlreichen Einsatzbesprechungen der Polizei, welch großen Wert sie auf den Schutz von Versammlungen gegen Überfahrtangriffe lege. Aber bei einer so großen Versammlung sei ein umfassender Schutz nicht möglich.
Bundesbeauftragte fordert Solidarität und Safe Spaces
Die Bundesbeauftragte für die queere Community, Sophie Koch (SPD), sagte dieser Redaktion, dass die queerfeindlichen Straf- und Gewalttaten und Hasskampagnen gegen die Community seit Jahren zunehmen würden. „Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir jetzt noch entschlossener an der Seite der queeren Community stehen, Safe Spaces erhalten und Sichtbarkeit stärken.“
Die Abgeordnete im sächsischen Landtag sagte darüber hinaus: „Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit. Das ist unsere Antwort. Und dafür werden wir entschlossen kämpfen.“
Grüne im Bundestag fordern schnelle Aufklärung
Die queerpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag forderte eine schnelle Aufklärung der Tat. Die Abgeordnete Nyke Slawik sagte dieser Redaktion: „Die Tat gehört gründlichst und schnellstens aufgeklärt.“ Sie danke den Beamten der Polizei und den Sicherheitsbehörden, die daran gerade arbeiten würden. Der beziehungsweise die Täter „stammen aus der islamistischen Szene. Islamismus ist eine menschenverachtende, extremistische Ideologie, die von Vernichtungs- und Gewaltfantasien gekennzeichnet ist, gegen die der Rechtsstaat und unsere Demokratie mit aller Härte vorgehen muss.“
Slawik sagte darüber hinaus, die Bundestagsfraktion der Grünen habe wiederholt gewarnt, dass queeres Leben und Sichtbarkeit in Deutschland bedroht werden in Worten und Taten. „Wir haben verstärkte Maßnahmen von der Bundesregierung und unseren Sicherheitsbehörden eingefordert - unter anderem mit einem Antrag zum Schutz von CSDs und queerem Leben sowie in Gesprächen mit dem BKA und anderen.
Linke mahnt konsequenten Schutz queerer Menschen an
Die Linke im Bundestag forderte einen konsequenten Schutz queerer Menschen vor Islamisten und anderen Rechtsextremen. Der Sprecher der Bundestagsfraktion für Queerpolitik, Maik Brückner, sagte dieser Redaktion: „Mein Herz ist heute schwer - der CSD soll ein Tag der Freude, der Freiheit und Selbstbestimmung sein. Der Terroranschlag zeigt, wie weit weg wir davon sind. Das ist ein neuer Höhepunkt der Queerfeindlichkeit, und es muss uns alle betroffen machen.“
Laut Brückner ist eine Gesellschaft nur so frei wie Menschen frei lieben und leben können. „Islamisten und andere Rechtsextreme wollen diese Freiheit zerstören.“ Brückner sagte: „Unsere Antwort kann nur eine solidarische sein: konsequenter Schutz queerer Menschen, entschlossener Widerstand gegen jede Form von Fundamentalismus und der Aufbau einer Gesellschaft, in der Befreiung niemals gegeneinander ausgespielt wird.“
Stephan Weh, Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, sagte unserer Redaktion: „Diese unfassbare Tat trifft Berlin voll ins Mark. Wir hoffen, dass alle schwer und lebensgefährlich Verletzten durchkommen und der oder die Täter schnellstmöglich gefasst werden. Unser Dank gilt allen eingesetzten Kolleginnen und Kollegen von Polizei und Feuerwehr, die auch in dieser psychisch extrem angespannten Lage hochprofessionell agieren und so Menschenleben retten. Der Terror darf nie gewinnen.“
Erzbischof Heiner Koch: „Der Hass darf nicht gewinnen“
Erzbischof Dr. Heiner Koch teilte zum Anschlag auf den Berliner CSD mit: „Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören. Wir sind mit unseren Gebeten bei allen Opfern und ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden und auch bei allen, denen der Hass die Freude genommen hat. Wir halten Fürbitte in unseren Sonntags-Gottesdiensten für alle Betroffenen und für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft. Der Hass darf nicht gewinnen.“ Das Erzbistum Berlin schloss sich der Einladung der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg (EKBO) zu einer Andacht an. Diese sollte am Sonntag, 26. Juli 2026, 16.30 Uhr in der St. Marienkirche in Mitte stattfinden.
Giffey: „Meine Solidarität ist bei der ganzen queeren Community“
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) äußerte sich via Facebook: „Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Opfern des schrecklichen Anschlags auf unseren Berliner CSD. Meine Solidarität ist bei der ganzen queeren Community.
Danke an alle Einsatzkräfte, die geholfen haben. Möge der Täter schnell gefasst und hart bestraft werden.“
(mark/BM/zrb)






