Man kann wirklich die Uhr danach stellen: Kaum passiert in Deutschland etwas, kommen Politikerinnen oder Politiker um die Ecke und fordern wahlweise schärfere Gesetze oder Konsequenzen im Jugendstrafrecht. Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin war Berlins (noch) Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zügig dabei, eine solche Forderung öffentlich zu formulieren.

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Warum? Der mutmaßlich islamistisch motivierte Attentäter Abdul B. wurde erst Mitte Mai aus der Untersuchungshaft entlassen, weil ein Urteil des Jugendschöffengerichts gegen ihn nicht rechtskräftig geworden ist. Das Gericht verurteilte ihn nach Jugendstrafrecht wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, weil sie eine höhere Strafe gefordert hatte. Das skandalöse Ergebnis: Abdul B. kam auf freien Fuß und konnte mit einem Van am Rande des CSD im Berliner Tiergarten in eine Menschenmenge fahren, obwohl die Behörden ihn als Gefährder auf dem Schirm hätten haben müssen.

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Dass aus der Debatte über die Konsequenzen aus dem Anschlag in Berlin jetzt eine Debatte über das Jugendstrafrecht wird, ist richtig. Falsch ist aber der Anlass. Denn diese Diskussionen müssen endlich unabhängig von solchen Taten und konsequenter geführt werden. Bisher geschieht das oft nur dann, wenn wieder ein Extremist unsägliches Leid über Menschen in Deutschland und Europa gebracht hat.

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Immer wieder nach schärferen Gesetzen zu rufen, wenn etwas passiert, ist zu einfach. Vor allem dann, wenn niemand die Debatte zu Ende führt und man die Uhr danach stellen kann, dass sie erst weitergeht, wenn wieder Menschen sterben.