Er sitzt wie ein römischer Kaiser im Kolosseum, neben ihm Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Senatspräsident Ignazio La Russa. In der Arena knien gefesselt die Oppositionspolitiker Elly Schlein, Giuseppe Conte und Romano Prodi. Das Publikum verlangt ihren Tod. Der Daumen des „Imperators“ zeigt nach unten. Es ist keine Filmszene – sondern ein mit Künstlicher Intelligenz erzeugtes Video des Rechtsaußen-Politikers Roberto Vannacci, das Italien in Aufruhr versetzt.
KI-Video sorgt für Empörung und Gewaltvorwürfe
Der ehemalige General und Europaabgeordnete, der im Frühjahr nach seinem Bruch mit der Lega die neue Rechtspartei Futuro Nazionale gegründet hat und jetzt mit Meloni um die Gunst der rechten Wählerschaft konkurriert, setzt auf spektakuläre KI-Inszenierungen. In den Clips erscheint er als Imperator des alten Rom, der über das Schicksal heutiger Politiker entscheidet. Doch das jüngste Video überschritt für viele Beobachter eine rote Linie: Erstmals wird darin der Eindruck erweckt, Vannacci verhänge Todesurteile über politische Gegner. Im aktuellsten Video setzt Vannaccis Doppelgänger beim amtierenden Staatspräsidenten Sergio Mattarella eine Begnadigung durch.
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Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Oppositionsführer und Ex-Ministerpräsident Giuseppe Conte sprach von einer „Botschaft, die zu Gewalt anstiftet und Fanatiker aufhetzen könnte“. Wer glaube, die Opposition einschüchtern zu können, werde scheitern. Zugleich forderte er Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf, sich eindeutig von einer „Mythologie der Gewalt“ zu distanzieren.
Vannacci positioniert sich rechts von Melonis Bündnis mit neuer Partei
Vannacci weist die Vorwürfe zurück. Der Politiker lebt seit Jahren von Provokationen und kalkulierten Tabubrüchen. Bereits mit seinem 2023 erschienenen Buch „Il mondo al contrario“ (Die verkehrte Welt) hatte er sich zum Sprachrohr eines nationalkonservativen Milieus gemacht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Mit seiner neuen Partei versucht er nun, rechts von Melonis Regierungsbündnis dauerhaft Fuß zu fassen. Umfragen sehen Futuro Nazionale derzeit bei über acht Prozent, also über den Regierungsparteien Lega und Forza Italia. Er spricht sich für die Remigration von illegalen Ausländern und für die Abschottung der europäischen Grenzen aus.
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Vannacci kandidierte 2024 als unabhängiger Kandidat in den Reihen der Lega um einen EU-Parlamentssitz und wurde gewählt. Im Januar trennte er sich von der Lega und machte sich politisch unabhängig. Selbst innerhalb des Regierungslagers stößt Vannaccis KI-Kampagne auf Ablehnung.
Meloni distanziert sich von Deepfake-Video
Meloni, die in einem der Videos an Vannaccis Seite zu sehen ist, machte deutlich, dass sie mit der Inszenierung nichts zu tun habe. Die Ministerpräsidentin warnt seit Längerem vor den Risiken sogenannter Deepfakes für demokratische Prozesse.
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Oppositionsführerin Elly Schlein und Meloni sind sich deshalb in einem Punkt einig. Beide wollen im kommenden Wahlkampf auf den Einsatz manipulativer KI-Videos verzichten. Schlein schlug in einem Interview vor, alle Parteien sollten sich freiwillig verpflichten, keine künstlich erzeugten Inhalte zu verbreiten, die politischen Gegnern erfundene Aussagen oder Handlungen zuschreiben. Meloni unterstützt den Vorstoß.







