Beunruhigende Bilder gehen um die Welt: Tausende Migranten haben die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta gestürmt. Viele kamen über das Mittelmeer, ohne Habseligkeiten und nur mit den Kleidern am Leib. Das Gerücht über eine angebliche Grenzöffnung hat genügt, um die Menschen zur Flucht vor Armut, Korruption und Perspektivlosigkeit zu bewegen.

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Es ist richtig, dass die spanische Regierung das Militär entsendet, um die Grenze in Ceuta zu sichern. Ein weiterer Massenansturm muss auf jeden Fall verhindert werden. Andernfalls kommt es in Europa zu einem Dominoeffekt verschärfter Grenzkontrollen. Es wäre das Ende des Schengenraums, der Reisefreiheit ohne regelmäßige Grenzkontrollen gewährt. Aber auch Europa ist gefordert. So sollten Kräfte von Frontex, der EU-Agentur für Grenz- und Küstenwache, die Gewässer vor Marokko verstärkt kontrollieren.

Spanien muss Kooperation mit Feingefühl ausbauen

Darüber hinaus muss ein politischer Hebel genutzt werden. Vieles deutet darauf hin, dass die Marokkaner die Grenzkontrollen absichtlich heruntergefahren haben. Grund war möglicherweise der kürzliche Besuch von Spaniens Regierungschef Sanchez in Algier, was Rabat als Provokation aufgefasst haben könnte. Algerien unterstützt die Befreiungsbewegung Polisario, die für die Unabhängigkeit der von Marokko beanspruchten Westsahara kämpft.

Kommentarfoto Michael Backfisch
Michael Backfisch, freier Autor für internationale Politik.© Reto Klar | Reto Klar

Spanien muss mit Feingefühl und Nachdruck die Kooperation mit Marokko ausbauen – in der Vergangenheit haben die Geheimdienste beider Länder gut zusammengearbeitet. Die EU sollte Madrid dabei zur Seite stehen. Migrationspolitik ist in geopolitisch turbulenten Zeiten auch ein Geben und Nehmen.