Man könnte es eine Art Heilbesuch nennen. Admiral Brad Cooper, Vier-Sterne-Admiral und Chef des für den Iran-Krieg zuständigen US Central Command, ließ sich am Samstag auf die USS Abraham Lincoln fliegen. Mehrere Stunden verbrachte er auf dem seit Wochen Negativschlagzeilen schreibenden Flugzeugträger, sprach zu dessen rund 5000 Seeleuten, traf gezielt jüngere Besatzungsmitglieder und verteilte Auszeichnungen. Seine Botschaft: „Die Geschichte wird diesen Einsatz als einen der operativ intensivsten und folgenreichsten der modernen Ära verzeichnen.“
Was nach Anerkennung klingt, ist in Wahrheit Krisenintervention – vor allem nach irritierenden Äußerungen vom Commander-in-Chief persönlich.
Denn Cooper kam ausgerechnet in dem Moment, in dem Commander-in-Chief Donald Trump offiziell weiter behauptet, auf dem seit fast neun Monaten eingesetzten Flugzeugträger gebe es eigentlich gar keine Krise. Trump wischte die massiven Klagen von Angehörigen über den Zustand der Besatzung, in der einige Soldaten Selbstmord-Absicht gehegt haben sollen, beiseite. Ob der mehr als 260 Tage dauernde Einsatz nicht inzwischen zu lang sei? „Nein, nein. Noch lange nicht lang genug“, sagte Trump. Sein Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte Berichte über die teils katastrophalen Zustände zuvor als „komplett falsch“ dargestellt und zurückgewiesen.
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Angehörige warnen seit Wochen vor der Situation
Dabei spricht das tatsächliche Handeln der Navy eine andere Sprache. Der amtierende Navy-Minister Hung Cao bestätigte erstmals, dass an Bord eine „kleine Zahl“ von Fällen psychischer Krisen behandelt worden sei. Zugleich arbeitet die Navy daran, zusätzliche Resilienzberater und Sozialarbeiter auf die Lincoln zu bringen. Ein Besatzungsmitglied, das Anfang August über Bord gegangen war, sei gerettet, medizinisch behandelt und anschließend vom Schiff gebracht worden. Die Navy untersucht den Vorgang. Einen generellen Anstieg von Suizidversuchen bestreitet sie.
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Das alles wäre weniger bemerkenswert, hätten Angehörige nicht seit Wochen ziemlich genau vor diesen Problemen gewarnt. Bei Treffen mit Navy-Verantwortlichen in San Diego berichteten Familien von psychisch total erschöpften Angehörigen, Lebensmittel- und Hygieneengpässen, Problemen mit Wasser und Sanitäranlagen sowie einer Mannschaft, der nach mehr als 240 Tagen ununterbrochen auf See vor allem eines fehlt: ein Ende, auf das sie sich verlassen kann.
USS Lincoln soll nun vorzeitig nach Hause kommen.
Die Navy erklärt einen Teil der Versorgungsprobleme mit dem Krieg im Iran. Übliche Nachschubwege seien durch Kampfhandlungen beeinträchtigt worden; Lebensmittel hätten Priorität vor Hygieneartikeln und Post bekommen. An sauberem Trinkwasser, Klimaanlagen und ausreichenden Mahlzeiten mangele es aktuell nicht, heißt es.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Trotzdem: Das Schiff, dessen Einsatz laut Trump „noch lange nicht lang genug“ dauert, soll nun vorzeitig nach Hause kommen.
Wann genau, bleibt offen. Cao sagt lediglich: „bald“. Nach übereinstimmenden Berichten ist dafür die in Japan stationierte USS George Washington bereits unterwegs.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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So entsteht ein immer schwerer erklärbarer Widerspruch: Die politische Führung um Trump versichert, die Probleme seien aufgebauscht. Die militärische Führung verhält sich unterdessen so, als nehme sie diese Probleme sehr ernst.








