Gesetzt den Fall, ein Kindergarten zieht um, dann sind die Eltern und Großeltern vor Ort schnell auf dem neuesten Stand und kennen die Adresse. Doch in den digitalen Karten und Datenbeständen des Landes ändert sich zunächst und automatisch erst mal gar nichts. Damit die Adressänderung im „Thüringen Viewer“ ankommt, muss eine Weitergabe von solchen Daten an die zuständige Thüringer Geodatenzentrale erfolgen.

Eine digitale Karte kann nur so aktuell sein, wie die Informationen, die in sie einfließen.

Ausstellung Wanderland Thüringen
Uwe Köhler, Präsident des Thüringer Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation

„Eine digitale Karte kann nur so aktuell sein, wie die Informationen, die in sie einfließen“, sagt Uwe Köhler, Präsident des Thüringer Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation (TLBG). „Die Kommunen wissen am besten, was sich vor Ort ändert. Wir unterstützen sie dabei, dieses Wissen in nutzbare Geodaten zu verwandeln.“

Geodaten sind digital aufbereitet im „Thüringen Viewer“ verfügbar

Diese kostenfreie Unterstützung bietet das Team der Zentralen Geodatendienstleistung (ZGD) im TLBG. Wenn die Kommunen Daten an das TLBG übermitteln, kommen sie derzeit meist in unterschiedlichen Dateiformaten per E-Mail oder manchmal ausgedruckt per Post. „Mehrere Mitarbeiter sind im ZGD-Team dafür zuständig, diese Daten digital so aufzubereiten, dass sie fachgerecht ihren Weg bis zur Darstellung im Thüringen Viewer – einer Online-Kartenanwendung – finden“, sagt Teamleiterin Irene Aßmann. Die Geofachdaten kommen nicht nur von Gemeinden, sondern auch von den Landkreisen und anderen öffentlichen Stellen. Auf kommunaler Ebene reichen sie von Friedhöfen, Sportstätten, Kindergärten, Spielplätzen und Bädern über Feuerwehrstandorte und Notunterkünfte bis zu rechtskräftigen Bebauungsplänen oder Flächennutzungsplänen. Seit 2025 werden auch die Ortsteile nach Thüringer Kommunalordnung erfasst und im Thüringen Viewer öffentlich und kostenlos bereitgestellt. Einmal übermittelt, bleiben die Informationen jedoch nicht automatisch aktuell. Einrichtungen ziehen um, Nutzungen verändern sich, neue Pläne treten in Kraft.

171 kommunale Verwaltungseinheiten im Land liefern bereits

Die Fachleute im TLBG wünschen sich vor allem einen verlässlichen Ablauf bei der Bereitstellung aktualisierter Geofachdaten. Ändert sich vor Ort etwas, sollte klar sein, wer die Informationen auf welchem Weg weitergibt. Nach den Erfahrungen des ZGD-Teams fehlt es nur selten am Willen der Entscheidungsträger. Oft liegt es am fehlenden Personal oder an der fehlenden Zeit sowie an der Vielzahl der zunehmenden kommunalen Verwaltungsaufgaben. Betroffen sind nicht nur kleine Kommunen.

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171 kommunale Verwaltungseinheiten in Thüringen liefern bisher Daten. „Mit den meisten Kommunen sind wir sehr gut im Gespräch“, sagt Irene Aßmann vom ZGD‑Team. „Unsere Dienstleistung erleichtert den Kommunen schon heute die Arbeit, denn wenn Bebauungspläne direkt und zu jeder Zeit von den Bürgerinnen und Bürgern im ‚Thüringen Viewer‘ online aufgerufen werden können, dann reduziert das den Serviceaufwand vor Ort.“  

Thüringen Viewer
Der sogenannte Thüringen Viewer ist ein Fenster für viele Geofachdaten: Auch zu Kindergärten hält er umfangreiche Informationen bereit, wie dieser Screenshot zeigt.© TLBG Antje Hellmann | TLBG Antje Hellmann

Das sieht der Gemeinde- und Städtebund (GStB) genauso: „Die meisten Kommunalverwaltungen liefern schon heute freiwillig und im eigenen Interesse viele Geofachdaten an die Landesverwaltung. Wir müssen jetzt konkret schauen, ob auch weitere Thüringer Kommunen die freiwillige Weitergabe relevanter Geofachdaten leisten können. Dafür ist eine zielgerichtete Unterstützung der Kommunen erforderlich. Die Überlegungen zu geeigneten und praktisch umsetzbaren Lösungsvorschlägen für betroffene Kommunen befinden sich in der Abstimmung“, sagt das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des GStB Thüringen, Carsten Rieder.

Ein Wizard-Prozess soll bei der Datenpflege helfen

Um das Datensammeln zu vereinfachen, verfolgt das TLBG weitere Ansätze. So gibt es seit 2016 Geo-Redakteure, die zuvor vom Landesamt geschult wurden und seither weitgehend eigenständig ihre Daten und Dienste im sogenannten Geoproxy pflegen, der zentralen Plattform zur Bereitstellung der Geodaten. Das nutzen derzeit aber nur einige Landkreise und kreisfreie Städte. Sie bekommen dafür sogar einen Mehrbelastungsausgleich und damit Geld vom Land. Da gemäß geltender Verordnung ein Zuschuss in Höhe von 10 Cent pro Einwohner gezahlt wird, lohnt sich das Konzept für kleine Kommunen nicht. Für manche Geo-Redakteure ist die Komplexität des Geoproxys außerdem zu herausfordernd. „Wenn die Geo-Redakteure das System nur einmal im Jahr nutzen, dann haben sie nicht unbedingt die Schulungsinhalte noch vollständig parat.“, sagt Maurice Jäger, der Geoinformationssysteme im TLBG entwickelt. „Helfen kann da perspektivisch ein sogenannter Wizard-Prozess. Dabei werden die Geo-Redakteure durch den Dateneingabeprozess geführt und müssen nicht mehr ganz so aufwendig lernen, wie die für Fachleute entworfene Software funktioniert“, so Jäger weiter.

Vor kurzem hat zudem ein kleines Team im TLBG einen KI-Workflow entwickelt, mit dem die Amtsblätter, die von vielen Kommunen im Internet veröffentlicht werden, systematisch durchsucht werden. Darin enthalten sind regelmäßig relevante Geoinformationen, beispielsweise zu Flurstücken, zu Hausnummern oder zu Bebauungsplänen. „Die KI filtert die gewünschten Inhalte heraus und liefert uns die Daten in strukturiertem Text“, so Jäger. Das habe schon sehr viel Zeit eingespart, denn zuvor wurden die Amtsblätter durchgeblättert und die vorhandenen Informationen abgeschrieben.

Dass perspektivisch alle Geodaten per KI bei den Kommunen eingesammelt werden, gilt derzeit allerdings nicht als aussichtsreich. Es könne ohnehin nur mit Informationen funktionieren, die von den Kommunen im Internet veröffentlicht werden. Die KI wird bei der Amtsblättersuche auch sehr genau angewiesen, was sie zu tun hat, um die Fehlerquote gering zu halten.

Künstliche Intelligenz nutzt Geodaten für bessere Bürgerdienste

Somit dreht sich am Ende doch alles wieder um die Frage, wie die kommunalen Kompetenzen gestärkt werden können. Damit beschäftigt sich auch der 6. Thüringer E-Government-Kongress, bei dem sich am 22. September 2026 die Fachleute der Kommunen und der Landesverwaltung in Erfurt zum Erfahrungsaustausch treffen. Das Hauptthema des Kongresses ist die Frage, welche „Digitalen Kompetenzen“ aufseiten der Bürgerinnen und Bürger, der Landesverwaltung und der Kommunen überhaupt vorhanden sein müssen und wie sie vermittelt werden können, damit die digitale Transformation gelingt. Das TLBG ist auf dem Kongress mit einem Stand vertreten, berichtet von seinen neuesten Entwicklungen und hofft darauf, weitere Gemeinden davon zu überzeugen, dass deren Daten gesamtgesellschaftlich gebraucht werden.

Währenddessen wird der unmittelbare Nutzen von diesen Daten jetzt noch greifbarer: „Derzeit läuft ein Modellprojekt im TLBG, bei dem verschiedene KIs darauf getestet und geschult werden, die im Internet eingestellten Geodaten und -dienste zu nutzen, um natürlichsprachlich gestellte Fragen mit sogenanntem Raumbezug zu beantworten“, sagt TLBG-Präsident Uwe Köhler. Ob das Grundstück an einer genannten Adresse im Hochwasserrisikogebiet liegt, ließe sich perspektivisch so beantworten. Auch welcher der nächstgelegene Kindergarten ist, kann die KI ermitteln. Das setzt allerdings voraus, dass die kommunalen Geodaten vorliegen, aktuell gehalten und für die Öffentlichkeit dauerhaft bereitgestellt werden.

Antje Hellmann ist Journalistin aus Thüringen und arbeitet beim Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (TLBG).