Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen in Bad Tölz-Wolfratshausen verhaftet worden. Das gab der Generalbundesanwalt (GBA) bekannt. Zuvor hatten die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR berichtet. Demnach wird wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats sowie Spionage gegen Hanning ermittelt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Hanning soll noch Jahre nach seinem Ausscheiden gegen Geldzahlungen an einen Mitarbeiter geheime Informationen aus der BND-Zentrale erhalten haben. Bei dem Mitarbeiter soll es sich um Hannings ehemaligen Büroleiter, Manfred D., handeln. Er wurde am Dienstag in Steinfurt ebenfalls verhaftet. Zeitgleich fanden Durchsuchungen in Berlin statt. Manfred D. wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen.

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Mitarbeiter lieferte Hanning offenbar Geheiminformationen

„Vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbarten die Beschuldigten miteinander, dass Manfred D. dem Beschuldigten Hanning gegen Entgelt fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes besorgen sollte“, schreiben die Ermittler. Manfred D. war noch bis vor wenigen Monaten Mitarbeiter im Führungsstab des BND. Die Vorwürfe des Generalbundesanwalts richten sich aber bis zum Juni 2022. Bis zu diesem Zeitpunkt soll D. dem früheren BND-Chef intern eingestufte Kenntnisse aus dem Nachrichtendienst mitgeteilt haben, darunter Informationen, die für die Nachrichtendienst-Lage im Bundeskanzleramt bestimmt waren. Rund 2000 Dokumente soll D. weitergegeben haben, darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Informationen.

Für seine Informationen soll D. nach Recherchen unserer Redaktion von Hanning Geld bekommen haben. Hanning wiederum soll die Kenntnisse dann im Rahmen seiner Sicherheitsfirma genutzt haben. Zudem soll Hanning in einem Fall eine Analyse für einen ausländischen Nachrichtendienst ausgearbeitet haben. Welcher Dienst das genau war, ist unklar. Es soll sich nach Informationen unserer Redaktion nicht um Russland handeln. Ob die Analyse den mutmaßlichen Kunden erreichte, ist laut GBA nicht bekannt.

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Zudem stand der Hanning laut GBA in einem „intensiven Austausch“ mit einem Angehörigen eines weiteren staatlichen Nachrichtendienstes. Diesen soll er über mehrere Jahre hinweg mit politischen Informationen versorgt haben. Dabei habe er auch Material von Manfred D. weitergeleitet.

Hanning geriet während des Gerichtsprozesses ins Visier der Ermittler

Die Ermittlungen gegen Hanning laufen bereits seit Monaten. Ins Visier der Ermittler war der Ex-BND-Chef jedoch wegen eines anderen Falls geraten. Im September 2025 durchsuchten Beamte des LKA sein Zuhause im Zuge der Ermittlungen rund um den Block-Prozess. Damals stand der Verdacht im Raum, dass eine mit Hanning verbundene private Sicherheitsfirma an der Entführung der Kinder von Steakhaus-Erbin Christina Block beteiligt gewesen sei.

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Bei der Razzia im September stießen Ermittler offenbar auf geheime BND-Dokumente. Das brachte die weiteren Ermittlungen ins Rollen. Seit Mai 2026 liegt das Verfahren beim Generalbundesanwalt. Für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Als sein Büroleiter fungierte damals Manfred D. Er folgte dem Beschuldigten Hanning als abgeordneter Assistent auch während dessen Zeit als Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren zwischen Dezember 2005 und November 2009. Von März 2012 bis März 2026 war Manfred D. wiederum für mehrere nachfolgende Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes als Büroleiter tätig. In dieser Funktion hatte er Zugriff auf zahlreiche geheimhaltungsbedürftige Informationen, heißt es beim GBA.

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