Der Landtag in Sachsen-Anhalt hat nun einen AfD-Politiker als Vizepräsidenten: Hans-Thomas Tillschneider wurde am 6. Oktober mit 44 Stimmen in eines der protokollarisch höchsten Staatsämter eines Bundeslandes gewählt. Der promovierte Islamwissenschaftler sitzt seit 2016 im Landtag in Magdeburg.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Tillschneider gilt als einer der führenden ideologischen Köpfe der Alternative für Deutschland und war Hauptautor des Programms seiner Partei in Sachsen-Anhalt. Zu seinen Forderungen gehören Aussagen wie bei „ARD-Kontraste“, er wolle „mehr Bismarck, weniger Hitler“ im Geschichtsunterricht oder eine Abschaffung der Schulpflicht. In der Kritik stand er auch wegen seiner Kontakte nach Russland, die zuletzt an einer Russland-Tasse deutlich wurden. Sein Landesverband wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Wer ist Hans-Thomas Tillschneider? Ein Überblick.

NameHans-Thomas Tillschneider
Geburtsdatum5. Februar 1978
GeburtsortTemeschburg, Rumänien
AmtLandtagsvizepräsident in Sachsen-Anhalt
Parteiseit 2013 Mitglied in der Alternative für Deutschland (AfD)
Funktion in der Parteistellvertretender Fraktionsvorsitzender
MandatSeit 2016 Mitglied des Landtags in Magdeburg
WahlkreisQuerfurt
AusbildungIslamwissenschaftler, Universitätsdozent
FamilienstandVater von einem oder zwei Kindern, ledig oder verheiratet

Hans-Thomas Tillschneider: Herkunft, Familie und Ausbildung

Hans-Thomas Tillschneider wurde 1978 in Temeschburg, dem heutigen Timișoara in Rumänien, geboren. Er ist als Teil der deutschen Minderheit, der sogenannten Banater Schwaben. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts waren sie in Banat angesiedelt; einem Gebiet, das heute zu Rumänien, Serbien und Ungarn gehört. Seine Familie floh Anfang der Achtzigerjahre über die Grenze nach Jugoslawien.

In Deutschland ging Tillschneider im Schwarzwald zur Schule. Später studierte er Islamwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Freiburg im Breisgau, Leipzig und Damaskus und promovierte. Sein Interesse am Islam komme eigenen Aussagen zufolge aus einem Tunesienurlaub.

2017 sagte er in einer Rede, der Islam könne sich in „unseren kranken Gesellschaften“ einnisten und „Parallelgesellschaften bilden, die wie ein Baumpilz am Stamm der deutschen Eiche wuchern“. Zwei Jahre später bezeichnete er den Vergleich in einer Klarstellung als „drastische und polemisch überzogene Bildlichkeit“ und erklärte, er habe nicht Menschen, sondern eine „Parallelgesellschaft“ mit einem Baumpilz vergleichen wollen.

Als Postdoktorand forschte Tillschneider in Paris. Bis 2016 lehrte er Islamwissenschaften an der Universität Bayreuth. Seit 2019 ist er dort Privatdozent. Zurzeit ist er wegen seines Landtagsmandats nicht an der Universität tätig. Über das Privatleben des AfD-Politikers ist nicht viel bekannt. Laut den Angaben auf der Website des Landtags von Sachsen-Anhalt ist er verheiratet und hat zwei Kinder.

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Hans-Thomas Tillschneider: Sein Aufstieg in der AfD

1996 trat Tillschneider kurzzeitig der FDP bei, seit 2013 ist er AfD-Mitglied und damit einer der Ältesten der Partei. Seit 2016 sitzt er im Landtag in Magdeburg. 2020 wählten ihn rund 85 Prozent der Delegierten zum stellvertretenden AfD‑Landeschef. Seit 2021 ist Tillschneider zweiter stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag.

ParteiAlternative für Deutschland (AfD)
Gründung6. Februar 2013
IdeologieRechtspopulismus, Nationalkonservatismus, EU-Skepsis, Rechtsextremismus
VorsitzendeTino Chrupalla und Alice Weidel (Stand: Mai 2025)
Fraktionsstärke152 Abgeordnete im Bundestag (Stand: Mai 2025)
Bekannte MitgliederJörg Meuthen (ehemals), Alexander Gauland, Björn Höcke

Tillschneiders Netzwerk reicht sehr weit ins rechte und rechtsextreme Spektrum. Er pflegt enge Kontakte zur rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) und kooperierte bereits mit dem neurechten „Institut für Staatspolitik“ des Verlegers Götz Kubitschek.

Landtagswahl Sachsen-Anhalt
Maximilian Krah, Alexander Gauland, Jörg Urban, Hans-Thomas Tillschneider und Björn Höcke (v. l.) verfolgen die ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt.© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Im FUNKE-Podcast „Amann (un)framed“ konfrontierte ihn Melanie Amann mit Fragen zu seinem Verhältnis zu den rechtsextremen „Sächsischen Separatisten“ und Björn Höckes Solidarisierung mit dem Terrorverdächtigen Kurt Hättasch. Daraufhin verließ Tillschneider das Studio und brach die Aufnahme ab. „Ich habe gedacht, es geht um meine Person. Sie fragen mich zu Björn Höcke, zu sonst wem“, sagte der AfD-Politiker kurz davor.

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Warum eskaliert unser Gespräch, Herr Tillschneider? (Abbruch nach knapp 50 Minuten)
Amann [un]framed
 

Remigration und Migration: Wofür Hans-Thomas Tillschneider steht

Im Wahlkampf 2026 wurde Tillschneider mehreren Medienberichten zufolge als möglicher Bildungs- und Wissenschaftsminister Sachsen-Anhalts gehandelt. Seit 2016 ist Tillschneider bildungs- und kulturpolitischer Sprecher der AfD. Diesen August veröffentlichte er sein Buch „Kulturpolitik: Wie es ist deutsch zu sein“. In seiner Rede bei einer AfD‑Karnevalsveranstaltung 2025 nannte er die BRD das „Schlaraffenland“, in das alle Afrikaner, „Orientalen“ und Afghanen kommen wollen: „Sie strömen hier herein in Massen und wollen unser Geld verprassen.“ Weiter hieß es: „(...) sticht der Ali mit dem Messer, lebt er im Gefängnis bei uns besser als frei in seiner fernen Heimat. So hält er es für äußerst guten Rat, sich hier danebenzubenehmen und sich dafür auch nicht zu schämen.“ Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt führt die Rede in seinem Bericht von 2025 als Beispiel für fremdenfeindliche Agitation an.

Fraktionsvorsitzender Ulrich Siegmund (AfD, Sachsen Anhalt) und Dr. Hans Thomas Tillschneider (AfD) - Landtagssitzung im
AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund (l.) und Hans-Thomas Tillschneider bei einer Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt.© imago/Christian Schroedter

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Tillschneider: Das sind seine Pläne für Bildung

2021 brachte Tillschneider im Landtag den Antrag (Drs. 8/440) „Bildungspflicht statt Schulzwang – Heimunterricht möglich machen!“ ein. Eltern sollten demnach ihre Kinder zu Hause unterrichten dürfen. Die Forderung findet sich auch im Wahlprogramm von 2026 wieder, dort ergänzt um eine finanzielle Förderung des Heimunterrichts. Die rechtlichen Hürden wären hoch: Laut dem „Deutschen Schulportal“ der Robert Bosch Stiftung wäre wohl eine Änderung der Landesverfassung nötig, möglicherweise auch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts; zudem könnten Abschlüsse außerhalb Sachsen-Anhalts ihre Anerkennung verlieren.

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2025 forderte er in einem Antrag (Drs. 8/6015), den Beutelsbacher Konsens durch ein „strenges politisches Neutralitätsgebot für Lehrer“ zu ersetzen. Lehrkräfte sollten „keine Meinung vermitteln, sondern Wissen, keine politische Präferenz, sondern Kompetenz“. Das Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ lehnt er ab. Auch Regenbogenflaggen an Schulen will er verbieten. Einen entsprechenden Antrag (Drs. 8/5314) brachte er 2025 in den Landtag ein, der jedoch abgelehnt wurde, wie das „Deutsche Schulportal“ schreibt. Er bezeichnete die Flagge als „extremistisches Symbol“.

v.l. Dr. Hans Thomas Tillschneider (AfD, Sachsen-Anhalt), Matthias Büttner (AfD,Stassfurt), Alice Elisabeth Weidel (AfD)
Hans-Thomas Tillschneider (l.) beim Wahlkampfauftakt der AfD Sachsen-Anhalt im Juli 2026 in Magdeburg, gemeinsam mit Matthias Büttner, Alice Weidel und Tobias Rausch. Tillschneider gilt als einer der prägenden Köpfe des Landesverbands.© imago/Christian Schroedter

Beim Thema Inklusion fordert Tillschneider stärkere Förderschulen und leistungshomogenere Klassen. „Wir sind gegen Inklusion, weil Inklusion für die behinderten Kinder nicht das Beste ist und für die nicht behinderten Kinder auch nicht das Beste ist“, sagte er 2026 in einem Interview mit „MDR exakt“. Für geflüchtete Kinder fordert Tillschneider gesonderte Klassen und sogenannte Rückkehrvorbereitungsklassen. Wer kein Deutsch könne, habe im Regelunterricht nichts zu suchen.

Auch die Geschichtslehrpläne will er ändern. Bei „ARD-Kontraste“ sagte er 2025, das 19. Jahrhundert sei für die deutsche Identität wichtiger als das 20. Auf die Frage nach weniger Nationalsozialismus antwortete er: „Ja, genau, aber natürlich auch Nationalsozialismus, aber etwas weniger. Mehr Bismarck, weniger Hitler, zum Beispiel, ja.“

Russland-Nähe: Reisen, politische Forderungen und die „Armee Russlands“-Tasse

Tillschneider wirbt seit Jahren für engere Beziehungen zu Moskau und äußert sich positiv über Wladimir Putin. Kurz vor der russischen Invasion auf die Ukraine sagte er in einer rechten Diskussionsrunde über Putin, dieser sei ein „echter Kerl, ein richtiger Mann mit gesundem Wertegerüst“, wie unter anderem die „Frankfurter Rundschau“ berichtet.

2022 wollte Tillschneider mit Parteikollegen russisch besetzte Gebiete im ukrainischen Donbass besuchen. Doch die Reise, die über Russland führte, wurde abgebrochen. Am 7. Oktober 2025 nahm Tillschneider laut Medienberichten zudem auf Einladung des rechtsextremen Magazins „Compact“ an einer Feier zu Wladimir Putins Geburtstag in der russischen Botschaft in Berlin teil.

2024 wurde öffentlich, dass der AfD-Politiker regelmäßig für die Moskauer Zeitung „Wedomosti“ eine Kolumne verfasste. Im gleichen Jahr beglückwünschte er den russischen Machthaber zu seinem Wahlerfolg. Auf „X“ schrieb er: „Herzlichen Glückwunsch an ihn und an das russische Volk. Ich wäre froh, wenn unsere Regierung unser Interesse so wahren würde wie #Putin das Interesse des russischen Volkes!“

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Im August 2026 entdeckte der Journalist Paul Ronzheimer in Tillschneiders Wahlkreisbüro in Querfurt eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift „Armee Russlands“. Tillschneider erklärte: „Ich verbinde damit nichts Besonderes. Es ist eine Tasse, die mir hier geschenkt wurde, die hier rumsteht.“ Von wem das Geschenk gekommen sein soll, blieb offen. Dann sagte er, die Tasse sei ein Mitbringsel einer Russlandreise 2023 oder 2024, über die bereits mehrfach berichtet worden sei. „Insofern verstehen wir die Skandalisierung nicht.“ Die Veröffentlichung der Aufnahmen wollte Tillschneider dennoch verhindern. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur begründete er das mit dem „impertinenten Verhalten“ Ronzheimers und seines Teams.

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Hans-Thomas Tillschneider und der Verfassungsschutz

Tillschneider taucht seit Jahren in Verfassungsschutzunterlagen auf. Besonders dokumentiert ist seine Nähe zur Identitären Bewegung. Im AfD-Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte wird von ihm die Aussage zitiert: „Die AfD will das Gleiche wie die Identitäre Bewegung, inhaltlich gibt es keinen Dissens.“ Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft den AfD-Landesverband seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein.

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Tillschneider pflegt Kontakt zu Martin Sellner von der rechtsextremen „Identitären Bewegung Österreich“. Unter anderem in sozialen Netzwerken zeigt er Sympathie für Sellner. Zuletzt reagierte er auf „X“ mit „gut gesagt“ auf dessen Kommentar zu einem Foto von Ulrich Siegmund: „Man müsste ihn erfinden, wenn es ihn nicht gäbe. Gut, dass es ihn gibt.“