Nordhausen, Anfang Mai 1993: Drei 17-jährige Anhänger des Satankults haben gestanden, einen 15 Jahre alten Mitschüler im thüringischen Sondershausen getötet zu haben. Die Tatverdächtigen gaben zu, ihr Opfer Ende April 1993 mit einem Elektrokabel erdrosselt und die Leiche in einem Waldstück am Rande vergraben zu haben, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Das hat seinerzeit in allen Zeitungen gestanden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Und als es jetzt um die misslungene Hinrichtung von Christa Pike in den USA ging, habe ich mich sehr deutlich daran erinnert gefühlt. Sie hatte 1995 eine 19-jährige Klassenkameradin geschlagen und getötet und wurde deshalb wegen Mordes verurteilt. Der Fall erregte US-weites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt. 

Die Mutter des in Sondershausen getöteten Jugendlichen hatte 2019 auf die Frage, ob die Todesstrafe gerecht wäre, zu dem Thüringer Journalisten und Autor Mirko Krüger Folgendes gesagt: „Nein. Ich wünsche niemandem den Tod. Aber ich wünsche mir, dass die Täter bis an ihr Lebensende mit ihrer Schuld leben und darunter auch leiden.“

In dem Text von damals heißt es: Die Mörder wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Zwei erhielten wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes acht Jahre Haft, der dritte Täter sechs Jahre. Prozessbeobachtern fiel auf, dass die Angeklagten das Verfahren mit einer zur Schau gestellten Gefühllosigkeit über sich ergehen ließen. Wirkliche Reue zeigten sie nicht. Immerhin bat einer der Mörder um Verzeihung; allerdings nicht Sandros Familie, sondern seine eigenen Eltern.

Bereits nach fünf Jahren kamen die Verurteilten frei. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass sie in der Strafanstalt wieder als Band musiziert hatten. Sogar eine CD entstand. Deren Cover zeigt das Grab des Opfers. Und es gab weitere Verhöhnungen.

Was ich damit sagen will: Ich bin ganz bei der Mutter des Opfers aus Sondershausen. Mord wird nicht weniger schlimm, weil die Täter jung sind. Wegen der besonderen Schwere der Schuld sollte in solchen Fällen ein anderer Weg als nur ein paar Jahre Jugendstrafe erlassen werden.

Und das, was da gerade in den USA passiert, ist aus meiner Sicht durch nichts zu rechtfertigen. Außer man hält sich selbst für einen strafenden Götzen. g.sommer@tlz.de