Angelika Kranz ist Präsidentin von Soroptimist International Club Weimar und wirkt mit ihrem Club bei der ersten Veranstaltung von „Frauen & Finanzen“ am Montag, 26. Oktober, ab 19 Uhr in der Sendehalle Weimar mit. Im Gespräch erläutert sie die Notwendigkeit, sich um die aktuellen Finanzen und die Vorsorge fürs Alter zu kümmern. Finanzielle Unabhängigkeit schafft aus ihrer Sicht Freiräume.
Warum ist das Thema aus der Sicht Ihrer Vereinigung wichtig?
In den Generationen vor uns waren Frauen oft nur durch das Gehalt und die (Witwen-)Rente des Ehemannes abgesichert, im besten Fall durch (ererbtes) Vermögen. Inzwischen ändert sich das aber und auch Frauen haben die Freiheit und die Pflicht, finanziell für ein würdiges Leben im Alter vorzusorgen, ohne sich abhängig zu machen. Durch Elternzeit kann Einkommen verloren gehen, bei einer Scheidung sogar Rentenpunkte und gemeinsamer Besitz, der eigentlich für den Ruhestand gedacht war.
Glücklicherweise findet man derzeit in vielen (Frauen-)Magazinen Tipps und Berichte zur Vorsorge im Alter. Wenn Frauen sich Rat einholen, ist Vertrauen in die Beraterinnen und Berater wichtig. Wichtig ist es aber auch, selbst Zeit zu investieren, um sich in das Thema einzuarbeiten. Ein erster Schritt hierfür kann der erste Abend von „Frauen & Finanzen“ sein.
Spielen Finanzthemen abseits dieser Veranstaltung im Soroptimist Club eine Rolle?
Viele Soroptimist Clubs in Deutschland haben erkannt, dass finanzielle Unabhängigkeit Freiräume schafft, und laden Finanzexpertinnen ein, um über ETFs, Aktien, Inflation und Rendite zu sprechen. Im Sinne eines möglichst gesamtgesellschaftlichen Wohlstands helfen wir uns selbst, indem wir auch anderen helfen.
Innerhalb unseres Clubs sprechen wir viel über Geld, allerdings geht es dann eher um die Einnahmemöglichkeiten unseres Clubs für unser soziales Engagement. Der Soroptimist International Club Weimar spendet jedes Jahr mehrere Tausend Euro an Projekte, wie beispielsweise den Margarethe-Geibel-Fond der Weimarer Bürgerstiftung, den wir auch personell unterstützen, das Mädchenhaus Großobringen, dem dieses Jahr mit dem Erfurter Club der Erlös des Benefizkinoabends überreicht wird, oder Projekte, wie LiveMusicNow Weimar, die schola cantorum weimar, das SOS-Familienzentrum oder die Weimarer Tafel.
Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Unser Fokus liegt auf der Förderung und Unterstützung von Frauen und Mädchen, dazu gehören Ausbildung, kulturelle Teilhabe, Beratung und berufliches Fortkommen.
Sind im Club Geldfragen, Altersvorsorge, Eheverträge, Gehaltsverhandlungen womöglich ein zu privates Thema und daher als Gesprächsthema in größerer Runde eher tabu?
Über unsere persönliche Finanzsituation sprechen wir bisher tatsächlich kaum, vermutlich, da die meisten von uns in einer Situation sind, geben zu können, um anderen Frauen zu helfen; aber die Vorbereitung auf diesen Abend hat sich als geeigneter Einstieg dazu erwiesen, um die eigene Situation neu zu überprüfen.
Worüber sollten sich auch einigermaßen gut situierte Frauen in finanzieller Hinsicht Gedanken machen?
Selbst gut verdienende Frauen müssen über Anlagestrategien, Altersabsicherung und die Abwägung zwischen Einnahmen und Ausgaben nachdenken. Wenn es um Erbinnen oder eine vermeintliche Absicherung durch den Partner geht, sind Eheverträge oder Vereinbarungen im Falle des Scheiterns einer Ehe sinnvoll, insbesondere, wenn Kinder versorgt werden müssen.
Die demografische Entwicklung wirft derzeit auch traditionelle Rentensysteme über den Haufen, sodass ein gesunder Egoismus für die eigene Versorgung lebenswichtig wird.
Haben Sie da einen direkten Ansatz?
2025 und 2026 haben wir Deutschland-Stipendien der Bauhaus Universität Weimar gefördert. Hiermit stärken wir Studentinnen, damit sie mit einer guten Ausbildung mehr Chancen für die Zukunft haben werden.
Zudem haben wir dieses Jahr Clara Fricke von der Hamburger Media School finanziell unterstützt. Der Film „GRAU“ wurde im Sommer in der ehemaligen JVA in Weimar gedreht und handelt von der 68-jährigen Rose, die aufgrund ihrer geringen Rente mehrere Ladendiebstähle begeht und für 30 Tage im Gefängnis landet. Wir hoffen, den Film im kommenden Jahr in Weimar zu zeigen und an das Thema Altersvorsorge anknüpfen zu können.
Ich hätte gerne einen Tipp von Ihnen, ab wann es sich lohnt, etwas auf die Seite zu legen?
Man sollte so früh wie möglich darüber nachdenken, wie man sich ein Leben im Alter vorstellt, und entsprechende Pläne umsetzen; aber es gibt auch Modelle, bei denen sich ein späterer Beginn lohnt. Damit einhergehend steht immer auch die Frage im Raum, wie riskant oder konservativ man Geld anlegen möchte. Aktien versprechen hohe Gewinne, aber auch Risiko. Das können auch Immobilien sein, die man vermietet. Eine seriöse und individuell passende Beratung ist hier von Vorteil.
Vielen Dank, dass sich Soroptimist Weimar International an der Veranstaltung beteiligt und zudem fürs leibliche Wohl sorgt. Was erwartet uns und sammelt ihr Spenden an dem Abend?
Wie bei unserem jährlichen Benefizkinoabend, bereiten die Clubschwestern hausgemachte Köstlichkeiten und Snacks vor. Darunter Quiche, Spieße, kleine Kuchen – und natürlich Gespräche über die Arbeit des Clubs. Unsere Mitglieder kommen aus vielen verschiedenen beruflichen Bereichen und können auch hier mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das ist an dem Abend sicher noch ein Bonus für jüngere Menschen, die sich beruflich informieren möchten. Wer selbst dem Soroptimist Club Weimar beitreten möchte, ist herzlich eingeladen, sich vorzustellen und probeweise einen Clubabend zu besuchen.




Tipps von Expertinnen
Gastgeber der Veranstaltung „Frauen & Finanzen“ sind die TLZ, die Stiftung Sendehalle und der Soroptimist Club Weimar International. Beginn ist am Montag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Sendehalle Weimar, Humboldtstraße 36a.
Der Eintritt ist frei; um eine Spende für die Stiftung Sendehalle wird gebeten. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Frauen und Mädchen, die mehr über Finanzen wissen wollen. Anmeldung ist nicht erforderlich. Bringen Sie gerne Freundinnen und Angehörige mit.
Den Input wird Dr. Rosa Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, geben.
Dann gehen wir auf dem Podium ins Gespräch, moderiert von TLZ-Chefredakteurin Gerlinde Sommer
Neben Rosa Traud sind mit auf dem Podium:
Marion Walsmann, EU-Abgeordnete aus Erfurt, Vorsitzende des Arbeiter-Samariter-Bundes Regionalverband Mittelthüringen und Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes Weißer Ring.
Juliane Manhardt, Fachberaterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Thüringen e.V.,
Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer aus dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie.
Diese Expertinnen werden aus ihren jeweiligen Fachbereichen und gesammelten Lebenserfahrungen wichtige Hinweise zu Geldthemen geben. Zudem beantworten die Podiumsteilnehmerinnen Fragen aus dem Publikum. Wir planen für die Veranstaltung 90 Minuten ein – und freuen uns auf Ihre Teilnahme.


